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Hobbyköche aus dem Schwarzwald : „Unsere Küche ist ein Spielplatz“

  • -Aktualisiert am

Der Schwarzwaldbecher geht auch pikant: In den Kochbüchern von Verena Scheidel und Manuel Wassmer finden sich allerlei ungewöhnliche Kreationen und deutsche Tapas. Bild: Cook & Shoot

Zwei Hobbyköche aus dem Schwarzwald haben den Preis für die beste Kochbuchserie der Welt gewonnen. Seit Jahren behaupten sie sich auf dem Markt – auch, weil sie ihr Hobby bewusst nicht zum Beruf machen.

          Herr Wassmer, Sie kommen gerade aus Macau zurück. Mit Ihrer Partnerin haben Sie dort den „Gourmand World Cookbook Award“ für die beste Kochbuchserie gewonnen. Wie geht es Ihnen?

          Es ist ein unglaubliches Gefühl. Als der dritte und der zweite Platz ausgerufen wurden und wir nicht dabei waren, dachte ich: Wir haben keine Chance mehr. 16 Länder waren für die Kategorie nominiert. Dann fiel plötzlich das Wort „Germany“, und wir sind nach vorne auf die Bühne. Wie bei einer Oscarverleihung für Kochbücher.

          Also ein roter Teppich voller Kochstars in Abendkleid und Smoking?

          Dafür war es zu heiß. Die Luftfeuchtigkeit lag bei gut 90 Prozent. Aber das Ambiente war der Wahnsinn. Traditionelle chinesische Architektur, portugiesischer Kolonialstil und daneben gigantische Hotels mit Casinos und nachgebauten europäischen Sehenswürdigkeiten wie dem Eiffelturm und Venedig. Man konnte mit Gondeln durchs Hotel fahren: eine Traumwelt. Und aus fast allen Ländern der Welt waren Autoren und Verleger angereist.

          Bei dem Wettbewerb machen auch Profiköche und große Verlage mit. Preise gingen schon an Sternekoch Paul Bocuse oder Fernsehkoch Steffen Henssler. Sie hingegen haben keine Kochausbildung und veröffentlichen im Eigenverlag. Wann wird aus dem Hobby der Hauptberuf?

          Nie. Wir mögen unsere Berufe: Ich entwerfe Lampen, Verena ist technische Zeichnerin. Wir kochen ohne Druck. Das fördert die Kreativität. Wir investieren unsere Abende, Wochenenden und Jahresurlaube in die Bücher. Es ist zeitintensiv, macht aber unwahrscheinlich viel Spaß. Kochen ist für uns beide das größte Hobby. Anders würde das auch gar nicht funktionieren. Eigentlich wollten wir nur das eine Kochbuch machen. Doch dann war „Schwarzwälder Tapas“ sofort vergriffen. Wir hatten zunächst nur ein paar tausend Exemplare gedruckt. Über Facebook, Instagram und per Mail bekamen wir Zuschriften und Fotos von Leuten, die ganze Tapas-Abende veranstaltet haben. Oft kam die Frage: „Was ist mit Nachtisch?“ Also haben wir das zweite Buch geschrieben, sozusagen mit süßen Tapas, die „Schwarzwälder süßen Minis“. Damals haben wir gedacht: Jetzt ist wirklich Schluss. Bis uns wieder neue Rezepte eingefallen sind.

          Sie ist eigentlich technische Zeichnerin, er designt Lampen: Verena Scheidel  und Manuel Wassmer haben erst vor kurzem die internationale Auszeichnung für die beste Kochbuchserie erhalten.

          Der Kochbuchmarkt ist übersättigt und umkämpft. Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg?

          Wir machen alles selbst; das macht uns aus. Wir kochen bei uns zu Hause in Bühl und erfinden zusammen neue Gerichte, die Verena dann in unserem Wohnzimmer fotografiert. Auf Flohmärkten suchen wir nach altem Geschirr und Schwarzwälder Nippes für die Deko. Korrektur lesen unsere Freunde. Wenn wir mit einem Layoutprogramm nicht weiterkommen, schauen wir im Internet nach. Unsere Bücher sollen unterhalten. Viele Leute kaufen ein Kochbuch nur zum Angucken. Und auch denen sollen die Rezepte Spaß machen; sei es durch einen lustigen Titel, die Fotos oder eine unerwartete Kombination.

          Sie mischen regionale Rezepte und Zutaten mit internationaler Küche. Stichwort: „Schwarzwälder Sushi“. Oder: „Flädle-Wraps“. Was ist Ihr ungewöhnlichstes Rezept?

          Eine pikante Schwarzwälder Kirschtorte aus dem ersten Buch. Mit Salami drin und Schinken-Crunch drauf, der aussieht wie Schokostreusel. Vieles entsteht, wenn wir privat füreinander kochen oder uns an Rezepte aus unserer Kindheit erinnern. Die kombinieren wir mit Gerichten, die wir durchs Reisen kennen. Unsere Küche ist ein riesiger Spielplatz.

          Warum immer wieder Tapas?

          Wir waren oft zusammen im Urlaub in Spanien. Die kleinen Häppchen sind dort eine Kunstform. Und Tapas lassen sich ganz unterschiedlich kombinieren: ideal für Partys.

          Gibt es manchmal Streit, ob ein Gericht mehr Salz oder Senf braucht?

          Wir haben einen sehr ähnlichen Geschmack. Manchmal erfindet der eine ein neues Rezept, der andere will noch etwas ändern. Erst denkt man: „Das ist klasse, wie es ist.“ Und muss dann doch einsehen: Der Partner hat recht.

          Verena Scheidel und Sie sind seit 12 Jahren ein Paar. Haben Sie beim ersten Date gemeinsam gekocht?

          Beim zweiten. Wir haben beide seit unserer Kindheit gern gekocht. Aber auf einem normalen Level. Mit Freunden haben wir uns zum Kochen getroffen. Vor sieben Jahren haben wir dann Kochwettbewerbe für uns entdeckt. Wir waren auf Barbados, Zypern und in Andalusien. Dort sind wir über die Märkte geschlendert und haben uns mit einheimischen Köchen ausgetauscht. Bei Wettkämpfen lernt man ein Land kulinarisch ganz anders kennen, als wenn man als Tourist dort ist.

          Sie haben mehrfach Wettbewerbe für Hobbyköche gewonnen, die Gastronomische Akademie Deutschland hat Ihre Bücher mit der Silbermedaille ausgezeichnet und bei den Gourmand Awards haben Sie auch letztes Jahr schon einen Preis geholt. Was kommt als Nächstes?

          Wir arbeiten an einem vierten Kochbuch. Diesmal mit Tapas aus ganz Deutschland. Es gibt ja nicht nur den Schwarzwald. Wir können nicht mehr aufhören. Oft nehmen wir uns zwei Tage Pause vor – und am gleichen Abend stehen wir wieder in der Küche und machen Tapas.

          Verena Scheidel und Manuel Wassmer haben ihre Kochbücher „Schwarzwälder Tapas“ (2014), „Schwarzwälder süße Minis“ (2015) und „Schwarzwälder Tapas 2“ (2017) in ihrem eigenen Verlag Cook & Shoot veröffentlicht; Preis jeweils 29,80 Euro.

          Das Rezept: „Schwarzwaldbecher pikant“

          für ca. 5-10 Gläser

          Zutaten:

          500 g Kirschtomaten
          1 rote Zwiebel
          1 TL Senf
          3 TL Kirschkonfitüre
          1-2 EL Rotweinessig
          3-4 EL Pflanzenöl
          400 g Hackfleisch
          2 Hausmacher-Blutwürste (ca. 200 g)
          Kirschwasser
          400 g Frischkäse
          200 g Mayonnaise
          3 Scheiben Schwarzwälder Schinken
          Salz und Pfeffer

          Für den Kirschtomatensalat: Kirschtomaten achteln (ein paar ganze Tomaten für die Deko zurückbehalten). Zwiebel fein würfeln. Senf mit Kirschkonfitüre und Rotweinessig in einer Schüssel verrühren. Pflanzenöl mit einem Schneebesen unterschlagen. Zwiebel- und Tomatenstücke zugeben, mit Salz und Pfeffer würzen. Den Salat für ca. 30 Minuten ziehen lassen.

          Für die Fleischmasse: Hackfleisch in einer Pfanne anbraten, dabei zu kleinen Krümeln teilen. Hausmacher-Blutwürste enthäuten und in Stücken zugeben. Mitbraten, bis sich die Wurst komplett aufgelöst hat und eine eingängig krümelige Fleischmasse entstanden ist. Mit einem Schuss Kirschwasser ablöschen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

          Für die Creme: Frischkäse in eine Schüssel geben, mit Mayonnaise vermischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die fertige Masse in einen Spritzbeutel füllen und bis zur Verwendung kalt stellen.

          Für die Schinkensplitter Schwarzwälder Schinken im Backofen bei 120 Grad etwa eine Stunde trocknen. Abkühlen lassen, den weißen Fettrand entfernen und den Schinken in kleine Splitter hacken. Eine dünne Schicht der Fleischmasse in Tapas-Gläser füllen. Darauf eine Schicht Kirschtomatensalat geben (vorher etwas abtropfen lassen). Eine Schicht Creme darauf verteilen. Nochmals etwas Fleischmasse und dann mit der Creme und einer Kirschtomate verzieren. Die Schinkensplitter darübergeben und servieren.

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