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Fastfood in Nordkorea : Hamburger, die nicht so heißen dürfen

Patrick Soh und nordkoreanische Mitarbeiterinnen im ersten Fast-Food-Laden in Pjöngjang im Jahr 2009 Bild: Privat

Patrick Soh hat vor fast zehn Jahren das erste ausländische Fast-Food-Restaurant in Pjöngjang eröffnet – und die Nordkoreaner seitdem mit den Sitten ihres Erzfeindes bekannt gemacht.

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          Während sich Singapur fieberhaft auf den Gipfel von Präsident Donald Trump und Machthaber Kim Jong-un vorbereitet, gehen die Dinge im „Waffletown“ ihren normalen Gang. Niemand würde erwarten, dass das Restaurant seine ganz eigene Verbindung zu Nordkorea hat. In ihrer Mittagspause stehen die Kunden Schlange, um sich frittiertes Hühnchen, Hamburger und die süßen amerikanischen Waffeln zu bestellen, die dem Geschäft seinen Namen geben. Doch an einem der hinteren Tische sitzt ein schmaler Singapurer, der das abgeschottete Land so gut kennt wie kaum jemand sonst in dem südostasiatischen Stadtstaat. Patrick Soh, 63 Jahre alt, hat vor bald zehn Jahren das erste ausländische Fast-Food-Restaurant in Pjöngjang eröffnet.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Soh ist in diesen Tagen ein gefragter Mann. Mehr als 3000 Journalisten werden über den Gipfel in der kommenden Woche berichten. Viele suchen nun nach den kleinen Geschichten am Rande, mit der sie ihre Berichterstattung über die große „Trump-Kim-Show“ anreichern können. Seitdem amerikanische Medien herausfanden, dass Nordkorea sich angeblich einen McDonald’s wünscht, ist auch Expertise auf diesem Gebiet gefragt. „Ich reise mehr nach Nordkorea als irgendwo anders hin, jedes Jahr drei bis vier Mal“, sagt Patrick Soh. „Nur vergangenes Jahr nicht, weil die Sanktionen so streng waren.“ Dafür seien seine nordkoreanischen Freunde im vergangenen Jahr in Singapur gewesen, auf der Suche nach Investoren.

          Patrick Soh hat das Restaurant in Singapur vor mehr als 30 Jahren eröffnet. An die Nordkorea-Verbindung geriet er mehr oder weniger durch Zufall. Zwei singapurische Investoren hatten jemanden gesucht, der Erfahrung im Geschäft mit Schnellrestaurants hat. Der Auftrag lautete, den ersten Burger-Laden unter ausländischer Beteiligung in Pjöngjang aufzubauen. Der Singapurer begann, das Konzept seines Waffle-Town-Franchises an nordkoreanische Verhältnisse anzupassen. Dabei verzichtete er auf den amerikanischen Namen und das Logo und auch alle fremdsprachlichen Bezeichnungen.

          Vor zehn Jahren besuchte er zum ersten Mal Pjöngjang. Dann kam eine nordkoreanische Delegation nach Singapur, testete das Essen und erstattete dem damaligen Machthaber Kim Jong-il Bericht.

          Die Folge war ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem mächtigen nordkoreanischen Staatskonzern. Schon ein Jahr später eröffnete das erste Restaurant unter dem Namen Samthaesong, „Drei Sterne“. „Die Nordkoreaner lieben ausländisches Essen, besonders amerikanisches wie Cola, Burger, Pommes“, sagt Soh. Die Speisekarte unterscheidet sich deshalb kaum von seinem Lokal in Singapur: frittiertes Hühnchen, Hamburger und Waffeln. Selbst Coca-Cola habe er anfänglich ausgeschenkt, sagt der Singapurer, aber nur versteckt unter dem Ladentisch. Das Getränk hatte er für viel Geld in einem Supermarkt in Pjöngjang erstanden. Mittlerweile hat er es aber durch eine billigere Cola aus Singapur ersetzt. Außer dem Getränk und einigen Gewürzen werden alle Lebensmittel in einer Zentralküche in Pjöngjang hergestellt.

          Kim Jong-il soll eine Vorliebe für Burger gehabt haben

          Die Kunden seien vor allem junge Leute und Angehörige der nordkoreanischen Mittelschicht in der Hauptstadt, sagt Soh. Nur sie können sich die Burger ab umgerechnet 1,90 Dollar und Hühnchen ab drei Dollar leisten. Er sei erstaunt, was für Geldbündel manche aus den Taschen ziehen, wenn sie an die Kasse gingen. Es kann mit Dollar, Euro und chinesischen Yuan bezahlt werden.

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