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Christian Eckhardts erst vor wenigen Monaten eröffnetes Lokal „Purs“ in Andernach hat sich auf Anhieb in die Zwei-Sterne-Liga katapultiert. Bild: moodley brand identity / Michael Königshofer

„Guide Michelin“ 2019 : Deutschland kann sich glücklich essen

Breite Basis, große Talente, einsame Spitze: Der „Guide Michelin“ vergibt seine Sterne für das Jahr 2019. Die deutsche Küche hält weiterhin ihr hohes Niveau – und ein Restaurant schafft eine Sensation.

          Drei-Sterne-Sensationen gibt es in diesem Jahr nicht, dafür eine viel bessere Nachricht: Die deutsche Spitzenküche konsolidiert sich auf höchstem Niveau, ohne nennenswerte Anzeichen von Schwäche zu zeigen. Das würdigt der am Dienstagabend in Berlin vorgestellte „Guide Michelin“ 2019 abermals mit einem Sterneregen: 309 Restaurants zeichnet er in diesem Jahr aus, mehr als je zuvor in der deutschen Küchengeschichte.

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Prominente Abwertungen gibt es kaum, stattdessen werden gleich fünf Lokale, die es ausnahmslos verdient haben, auf zwei Sterne hochgestuft: Felix Schneiders „Sosein“ in Heroldsberg, Christoph Rainers „Luce d’Oro“ auf Schloss Elmau in Krün, Daniel Gottschlichs „Ox&Klee“ in Köln, das Restaurant „Alexander Herrmann by Tobias Bätz“ in Wirsberg und – als einzige Sensation – Christian Eckhardts erst vor wenigen Monaten eröffnetes Lokal „Purs“ in Andernach, das sich auf Anhieb in die Zwei-Sterne-Liga katapultiert hat. In dem rheinland-pfälzischen Städtchen kommen jetzt dank eines örtlichen Investors mit starkem Hang zur Feinschmeckerei vier Michelin-Sterne auf 30.000 Einwohner, da schon Frank Seyfried für sein „Ristorante Ai Pero“ und Eckhardts Ehefrau Sarah Henke für ihr „Yoso“ jeweils einen Stern halten.

          Zahl der Ein-Sterne-Restaurants wächst

          Um 37 auf nunmehr 261 Häuser wächst die Zahl der Ein-Sterne-Restaurants. Darunter sind Klassiker wie der Frankfurter „Tigerpalast“, in dem der neue Chefkoch Coskun Yurdakul diese Auszeichnung zurückgeholt hat, vielversprechende Neueröffnungen wie das „Lakeside“ im Hamburger Luxushotel The Fontenay, in dem der Schweizer Cornelius Speinle am Herd steht, und Nischenkonzepte wie das „Tian“ in München, in dem Paul Ivić ausschließlich vegetarisch kocht. Die prominentesten unter den gestrichenen Sternen (meist wegen Schließung, Ruhestand oder Strategiewechseln) sind Thomas Bühners Drei-Sterne-Haus „La Vie“ in Osnabrück, Jean-Claude Bourgueils „Im Schiffchen“ in Düsseldorf und das „Kronen-Restaurant“ von Karl-Emil Kuntz in Herxheim. Auch die bisherigen Berliner Zwei-Sterne-Häuser „Fischers Fritz“ und „reinstoff“ sowie das jahrelang ebenso hoch bewertete „Kastell“ in Wernberg-Köblitz sind ihre Auszeichnungen los, während etablierte Häuser wie der „Schlossberg“ in Baiersbronn und das „Sterneck“ in Cuxhaven ihren zweiten Stern verloren haben.

          Keine Veränderungen gibt es bei den zehn deutschen Drei-Sterne-Köchen – sie geben auch keinen Anlass dazu. Joachim Wissler, Sven Elverfeld, Christian Bau, Christian Jürgens, Claus-Peter Lumpp, Kevin Fehling, Klaus Erfort, Jan Hartwig, Clemens Rambichler und Torsten Michel kochen zuverlässig auf Weltniveau und sorgen dafür, dass die deutsche Spitzenküche keinen internationalen Vergleich fürchten muss. Und der eine oder andere hochambitionierte Kandidat unter den zur Zeit 38Zwei-Sterne-Köchen wird sicherlich gewährleisten, dass es in Zukunft nicht bei der Zahl zehn bleibt.

          Die meisten Sterne gibt es mit 77 nach wie vor in Baden-Württemberg, gefolgt von Bayern mit 52, Nordrhein-Westfalen mit 47 und Rheinland-Pfalz mit 27 Sternen. Das einzige Bundesland ohne besterntes Restaurant ist Bremen, und auch Ostdeutschland holt nur langsam auf. In der aktuellen Ausgabe des „Guide Michelin“ finden sich 21 Sterne-Häuser in den fünf Ländern, zwei mehr als 2018 – und eines weniger als in Berlin. Dafür gibt es in westdeutschen Städten immer wieder schöne Überraschungen, nicht nur in Andernach. Nürnberg hat sich mit drei neuen und nun fünf Ein-Sterne-Restaurants neben dem Zwei-Sterne-Klassiker „Essigbrätlein“ binnen weniger Jahre als fränkische Feinschmeckermetropole etabliert – ganz so, als wolle die Stadt uns die frohe Botschaft zurufen: Seht her, das kulinarische Deutschland besteht aus mehr als Rostbratwurst.

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