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Guide Michelin 2016 : Wie gewonnen, so zerronnen

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So richtig freuen kann sich Alain Ducasse (rechts außen) über den neuen Stern nicht. Bild: AP

Die neue Ausgabe des „Guide Michelin“ wurde für Frankreich vorgestellt. Starkoch Alain Ducasse konnte sich über drei Sterne für sein Pariser Restaurant „Plaza Athénée“ freuen – doch die Freude währte nicht lange.

          Der Restaurantführer Michelin hat dem französische Starkoch Alain Ducasse an einem Tag einen Triumph und gleichzeitig eine Niederlage beschert: Die Feinschmeckerbibel verlieh Ducasses Pariser Zwei-Sterne-Restaurant „Plaza Athénée“ am Montag den begehrten dritten Stern und gab ihm damit die höchstmögliche Auszeichnung. Zugleich stufte der Michelin den ebenfalls von dem 59 Jahre alten Ducasse geleiteten Gourmettempel „Le Meurice“ von drei auf zwei Sterne herab.

          „Ich sage gerne, dass man ohne Michelin-Sterne leben kann – mit lebt man aber viel besser“, erklärte Ducasse anlässlich der Vorstellung der neuesten Michelin-Ausgabe für Frankreich. „Ich habe zum achten Mal drei Sterne bekommen, sie haben mir vier oder fünf Mal welche weggenommen, ich zähle nicht mehr und es geht weiter!“

          „Schockiert und enttäuscht“

          Das alljährliche Votum der Michelin-Gastrokritiker wird stets mit großer Spannung erwartet – und beschert Spitzenköchen im Vorfeld schlaflose Nächte. Denn die Michelin-Sterne sind die wohl bekannteste und wichtigste Auszeichnung in der Welt der Spitzengastronomie. Sie entscheiden daher mit über wirtschaftlichen Erfolg und Bekanntheit von Restaurants und Köchen, auch wenn das Kritikerurteil häufig nicht unumstritten ist.

          Niedergeschlagenheit herrschte am Montag im bisherigen Drei-Sterne-Restaurant „Relais Bernard Loiseau“ im burgundischen Saulieu: Das Restaurant verlor einen Stern. Besitzerin Dominique Loiseau äußerte sich in einer E-Mail an ihre Mitarbeiter „schockiert und sehr enttäuscht“ über die Abstufung und kündigte an, alles unternehmen zu wollen, um den dritten Stern zurückzuerobern. Über einen dritten Stern freuen durfte sich dagegen das von Christian Le Squer geleitete Restaurant „Le Cinq“ im Pariser Luxushotel „George V“.

          Überschattet wurde die Veröffentlichung des Guide Michelin 2016 von dem mutmaßlichen Suizid des französisch-schweizerischen Spitzenkochs Benoît Violier. Der 44-Jährige war am Sonntag tot in seinem Haus in Crissier nahe Lausanne aufgefunden worden, vermutlich nahm er sich mit einer Schusswaffe das Leben. Sein mit drei Michelin-Sternen dekoriertes „Restaurant de l’Hôtel de Ville“ in Crissier gilt als eines der besten der Welt.

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          Bei der Bekanntgabe der Michelin-Sterne 2016 in Paris wurde am Montag eine Schweigeminute abgehalten. Die Verantwortlichen des Gastroführeres würdigten Violier als „Koch mit riesigem Talent“. Violiers Tod erinnert an den Suizid des bekannten Spitzenkochs Bernard Loiseau im Februar 2003 im Alter von 52 Jahren - jenes Loiseau, dessen Restaurant am Montag seinen dritten Stern verlor.

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