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Der große Weintest : Südtirol, deine Besten

  • -Aktualisiert am

Genuss aus dem Norden Italiens: Weine aus der Verkostung Bild: Fabian und Cornelius Lange

Italiens nördlichste Provinz hat eine erstaunliche Weinbaugeschichte hingelegt. Grund genug für einen großen Test: Rund 100 Weine aus sechs Rebsorten wurden von 25 angehenden Winzern blindverkostet. Wer hat die Nase vorn?

          Was für eine Leistung! Die Südtiroler haben in den letzten zwanzig Jahren den weiten Weg vom Massenweinproduzenten hin zum Paradies für erlesene Spitzenweine geschafft. Seit den sechziger Jahren hatte ihre Heimat einen unablässigen Strom von deutschen Urlaubern erlebt, die sich in das hinreißend schöne Land an Etsch und Eisack und seinen berühmtesten Wein, den Kalterer See, verliebten. Aber keine Liebe währet ewig, und kaum verging den Deutschen in den Neunzigern die Lust auf den süffigen, aber belanglosen Kalterer See, setzten sich die Winzer Südtirols auf den Hosenboden.

          Sie begannen konsequent an der Qualitätsspirale zu drehen, konzentrierten sich auf die Verbesserung ihrer Weißweine, die es in dieser Form im übrigen Italien nicht gab. Sie waren frisch, expressiv-fruchtig und doch kraftvoll genug, um auch Frutti di Mare, Risotto Milanese und gegrillten Schwertfisch zu begleiten. So wurde der italienische Binnenmarkt zum gelobten Land und erlöste Südtirol von der Diktatur seiner populären Leichtrotweine vom Kalterer See.

          Heute beträgt der Weißweinanteil in Südtirol rund 60 Prozent. Darunter kristalliner Sauvignon blanc, sahniger Pinot bianco und nicht zuletzt hocharomatischer Traminer. Und da nichts erfolgreicher ist als der Erfolg, zogen die Winzer bald mit den Rotweinen nach, mit dem fast schwarzen Lagrein, dem hypereleganten Pinot Nero, und am Ende haben sie sogar ihren leichten Vernatsch runderneuert. Dieser Sinnes- und Imagewandel ist vor allem den Winzergenossenschaften zu verdanken. Ihre Weine stehen immer wieder an der Spitze der Weinqualität.

          Nur 5.300 Hektar Rebfläche nennt Südtirol sein Eigen - ein Klacks gegen die 750.000 Hektar in Gesamt-Italien; der Anteil beträgt nur 0,7 Prozent. Die aber haben es in sich. Der Weinbau klettert mitunter bis auf 1000 Höhenmeter hinauf. Südtirol gleicht einem riesigen Ypsilon mit jeweils 40 Kilometer langen Armen. Einen Arm bildet das enge Eisacktal, den anderen das Etschtal. An der Eisack ist der Weinbau nur auf den optimal besonnten Südhängen möglich. Dabei wirkt das Ypsilon wie ein gigantischer Windkanal, der die warme Mittelmeerluft ins Tal hinauftreibt. Im Herbst aber sind die Nächte schön kühl und sorgen für aromatische Weine mit quicklebendiger Fruchtsäure.

          Um das Potential des Südtiroler Weins auszuloten, haben wir den Südtirol-Weinwettbewerb durchgeführt - in Zusammenarbeit mit der EOS, der Exportorganisation Südtirol. Ausgelobt wurden sechs Rebsorten bis zu einem Finalpreis von maximal 15 Euro pro Flasche. Statt der üblichen Kritiker oder Sommeliers wurde das Tasting der 100 eingereichten Weine durch Auszubildende der Fachschule für Weinbau Laimburg bewältigt.

          An dieser Institution können angehende Winzer ihren Schulabschluss inklusive Abitur ablegen und gleichzeitig eine Winzerausbildung absolvieren. Die 25 Juroren sind zwischen 18 und 20 Jahre alt und waren auf ihre Aufgabe sehr gut vorbereitet. Denn Teil ihrer Ausbildung ist ein intensives Verkostungsprogramm, um die Sinneswahrnehmung zu schulen. Die jungen Männer und Frauen gingen dabei mit einem Sachverstand und kritischen Beurteilungsvermögen ans Werk, der sogar ihre Lehrer zum Staunen brachte.

          Die anonymisierten Weine wurden im Kick-off-System in zwei Runden verkostet, und was dabei an den sensiblen Nasen und Gaumen der Jurymitglieder scheiterte, wurde aussortiert. Auf diese Weise blieben am Ende nur die allerbesten Weine übrig.

          Weißburgunder / Pinot Bianco

          Fast jede zehnte Flasche aus Südtirol ist ein Weißburgunder. Kein Wunder, liefert diese Sorte doch den idealen Mittelwert zwischen Kraft und Eleganz. Ein Idealwein für universelle Anwendungen.

          1. Platz: Castelfeder, 2014er Südtiroler Weißburgunder DOC „Vom Stein“, ca. 9,90 Euro.

          Idealtypische, feinsinnige Duftlinie, die an Birne, Heu und Bienenwachs erinnert. Im Mund tritt er mit einer schmelzigen Pointe auf, die der Wein einer gefühlvollen Passage durch das kleine Holzfass verdankt. Das macht diesen Weißburgunder zu einem erfrischend saftigen und gleichzeitig balancierten Wein, der im Mund die Aromen gelber, reifer Früchte zitiert und lange nachhallt. Ideal zu Kasnocken, Gnocchi mit Salbeibutter und in Butter gebratener Seezunge.

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