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Grill Royal : Was von den neuesten Grill-Trends zu halten ist

Grillen kann so einfach sein: Man braucht die nötige Hitze und etwas Schmackhaftes zum Auflegen - fertig. Bild: dpa

Grillen kann so einfach sein: Man braucht die nötige Hitze und etwas Schmackhaftes zum Auflegen – fertig. Doch für den Grill an sich, gibt es jedes Jahr viele neue Varianten. Was können die eigentlich?

          Grillen kann so einfach sein: Man braucht die nötige Hitze und etwas Schmackhaftes zum Auflegen – fertig. Da ist es schwer, den Rost neu zu erfinden und den Leuten zu sagen, was sie sich für die nächste Saison unbedingt noch anschaffen müssen, damit der seit Jahren wachsende Markt nicht an Schwung verliert.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Den Chefköchen in den Entwicklungsabteilungen der Hersteller gelingt das trotzdem: Sie arbeiten Trends heraus, suchen nach Lücken. Was ihnen einfällt, ist zum Beispiel jährlich im September auf der Spoga in Köln zu sehen – der Fachmesse für Sportartikel, Campingbedarf und Gartenmöbel, die von Grill und BBQ immer stärker vereinnahmt wird.

          Wenn der Eindruck nicht täuscht, findet die in Amerika beliebte sanfte Art der Zubereitung auch hierzulande immer mehr Anhänger. Statt ein Steak auf den Rost zu schmeißen und ein paar Minuten zu warten, bis es verbrannt ist, wird das Grillgut bei dezenten Temperaturen stundenlang vor sich hin gegart, in Smokern oder eiförmigen Geräten mit dicken Wänden aus Keramik.

          Grillen im urdeutschen Sinn

          Wir testeten vor einiger Zeit das grüne Original aus den Vereinigten Staaten, und nach allerlei Mühen erzielten wir tatsächlich brauchbare Ergebnisse. Inzwischen müssen solche Geräte auch nicht mehr vierstellige Beträge kosten. Mit Grillen im urdeutschen Sinn hat das freilich nicht viel zu tun. Mal eben bei hoher Hitze anbraten und dann bei mäßigen Temperaturen ziehen lassen - das geht nicht, weil die dicke Keramik die Hitze hält.

          Zudem ist die Hitze für gelungene Steaks ohnehin nicht hoch genug. Gewöhnliche Grills erreichen 300 bis 400 Grad Celsius, das ist vielen zu wenig. Daher wird Hochtemperaturgrillen mit Infrarotstrahlen immer beliebter. Und wieder spielt Keramik eine Rolle. Wir reden hier von 800 Grad, manche Anbieter versprechen gar 900.

          Die Hitze kommt von oben, durch feine Bohrungen in der Keramikplatte strömt ein Gas-Luft-Gemisch, das sie in wenigen Minuten zum Glühen bringt. Ein Steak, das darunter geschoben wird, braucht weniger lange, als der Koch die Luft anhalten kann, bis die Maillard-Reaktion ausgelöst ist. Das bringt feine Röstaromen, aber innen bleibt das Steak saftig.

          Bis die Kohle durchgezogen ist

          Apropos Zeit: Manchem dauert es zu lange, bis die Kohle durchgezogen ist, sogar dann, wenn der Föhn eingesetzt wird. Abgesehen davon, dass nach unserem Geschmack Grillen zelebriert werden will, geht es auch schneller. Zum Beispiel mit de Anzündkamin. Oder noch fixer mit Aktivbelüftung, dann kann nach drei Minuten aufgelegt werden.

          Das Geheimnis liegt in einem elektrischen Gebläse, das fest eingebaut ist und die Kohlen, die in einem Zylinder inmitten einer Art Salatschüssel aufgeschichtet sind, von unten mit Frischluft versorgt. Das Schöne daran: Fett tropft vom Grillgut in die Wanne und nicht auf die Kohlen, das ist der Gesundheit zuträglich. Und es gibt eine heiße Zone in der Mitte sowie mäßige Temperaturen am Rand.

          So ein Gerät lässt sich auf dem Tisch aufstellen und auch im entzündeten Zustand transportieren, weil es außen nicht heiß wird. Allerdings wird berichtet, dass das abgetropfte Fett bei unvorsichtiger Handhabung in Brand geraten kann. Ganz neu ist die Idee nicht: Vor mehr als drei Jahrzehnten hat der Outdoor-Tüftler Volker Lapp einen Wildniskocher entworfen, der nach dem gleichen Prinzip arbeitet. Einige Exemplare sind heute noch im Gebrauch, sie verbrennen fast alles vom feuchten Holz bis zum Kameldung.

          Über Geschmack lässt sich nicht streiten

          Womit wir beim Feuermaterial wären. Wenn bisher vom Grillen die Rede war, ist mit Ausnahme der Hochtemperaturöfen ganz klassisch Kohle oder Holz gemeint - Holz auch in Form von Pellets. Aber nichts gegen die Segnungen der Gas- oder Elektrostationen: Die Geruchsbelästigung ist kleiner und damit auch der Widerstand der Nachbarn. Zudem, siehe oben, geht es schnell.

          Das ist die nächste Mode: opulente Grillstationen in der Größe einer Küchenzeile für den Garten. Die gibt es auch für Kohle und zum Preis eines Gebrauchtwagens – voll digitalisiert, die App überwacht die Innentemperatur des kostbaren Fleisches und steuert den Lüfter. Wer so etwas verwendet, verweist gern darauf, dass die von den Kohle-Grillern gepriesenen besonderen Aromen pure Einbildung seien.

          Über Geschmack lässt sich nicht streiten, wir möchten aber zu bedenken geben, dass Unterschiede bestehen müssen, sonst gäbe es keine Holzspäne, die teuer als Würze aus der Glut verkauft werden. Und auch nicht den Rat, auf flüssigen Anzünder zu verzichten. Was auch mitschmeckt, sind Fassdauben oder andere Holzplanken – darauf gelegte Fischfilets werden zart gegart. Das Holz lässt sich mehrmals verwenden, wenn der gebrauchte Anblick stört, lässt es sich abschleifen. Ein ähnlicher Effekt wird mit Salzsteinen erzielt: Je feuchter das Grillgut, desto salziger wird es.

          Wir sind dann aber doch wieder beim Gartenkamin gelandet, mehrere Grills stehen unbenutzt in der Ecke. Das offene Feuer ist so schön archaisch. Aber ganz ohne Tuning geht es trotzdem nicht: Weil der mitgelieferte Rost so schnell Rost ansetzt, versehen jetzt zwei Exemplare aus Edelstahl ihren Dienst: der eine auf der unteren Stufe für große Hitze, der andere oben fürs Warmhalten.

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