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Gin-Verkostung : „Es geht alles, solange es niemanden umbringt“

Darum ist Hendrick’s kein London Dry Gin.

Exakt. Für einen London Dry müssen alle Kräuter, Gewürze und Pflanzenextrakte in die Brennblase gegeben werden.

Wollen wir einen London Dry probieren, einen Tanqueray No.Ten?

Ja, gern. Ich mag Tanqueray, aber er ist etwas eindimensionaler, gradliniger und nicht so komplex wie Hendrick’s.

Er hat viel mehr Zitrusaroma und ist nicht so rund und weich. Ist das ein typischer Gin alten Stils?

Ja, und ich würde ihn nie mit einer Gurke, sondern mit Zitrone oder Orange im Glas servieren.

Welche anderen Gin-Sorten außer London Dry gibt es?

Hendrick’s ist ein destillierter Gin, dem nach Brennen die Gurken- und Rosenaromen zugegeben werden. Aber es gibt auch Gins, die alle Essenzen nachträglich erhalten. Die dürfen nicht den Zusatz „destilliert“ tragen und sind meistens sehr viel günstiger.

Und was ist ein Old Tom?

Das ist eine traditionelle, leicht süße Gin-Version, die aus einer Zeit stammt, als man den Destillaten ein bisschen Zucker zugegeben hat, um sie trinkbarer zu machen. Es gibt immer noch Old Toms, sie sind gut für Cocktails geeignet. Aber die meisten Gins heutzutage sind London Drys.

Ich habe hier einen deutschen Gin: The Duke, einen Munich Dry.

Ich habe davon gehört und auch schon einmal eine Flasche von Monkey47 aus dem Schwarzwald in der Hand gehabt. All diese Gins sind gewissermaßen das Produkt der Revolution, von der wir vorhin sprachen. Die Welt des Gins ist inzwischen sehr groß, es gibt mehr als 300 Marken.

Wie finden Sie The Duke?

Sehr schön. Er riecht mediterran, ein bisschen wie ein Pinienwald. Und er ist im Gegensatz zu unserem Gin nicht so floral, sondern eher pikant und würzig. Wenn Sie mit diesem Gin und unserem Hendrick’s den gleichen Cocktail mixen, bekommen Sie zwei vollkommen unterschiedliche Drinks. Das macht die Sache so spannend.

Und was sagen Sie zu diesem hier? Gin Mare aus einem Dorf in der Nähe von Barcelona.

Hm, sehr kräuterig und pflanzlich.

Auf dem Etikett steht, dass er Extrakte von Oliven, Thymian, Rosmarin und Basilikum enthält.

Das riecht und schmeckt man sofort, die Kräuter machen ihn sehr komplex und charaktervoll. Den serviert man am besten mit einem Rosmarinzweig und einer Zitronenscheibe im Glas.

Gin-Brenner wie Sie halten ihre Rezepte ja geheim. Aber was muss unbedingt in einen guten Gin?

Die Big Five des Gins sind: Wacholderbeeren, Koriandersamen, Engelwurz sowie getrocknete Zitronen- und Orangenschalen. Ansonsten können Sie alles in Ihren Gin geben, solange Sie damit niemanden umbringen.

Und wie trinkt man Gin am besten?

Das bleibt jedem selbst überlassen. Die allermeisten Leute trinken ihn immer noch mit Tonic, viele auch in klassischen Cocktails. Aber auch mit Ginger Ale und Ginger Beer macht er sich gut. Mein persönlicher Favorit ist Hendrick’s mit Holunderblütensirup, Soda, zwei Eiswürfeln und einer Gurkenscheibe – perfekt.

Gin pur trinkt niemand, oder?

Nein, Gin braucht immer einen Begleiter.

Apropos Begleiter: Sie haben im vergangenen Jahr mit einigen Begleitern eine Expedition in den venezolanischen Regenwald unternommen. Warum?

Charles Brewer-Carias, ein venezolanischer Naturforscher, hat uns auf die Idee gebracht und in ein Indio-Dorf im Dschungel geführt, um unbekannte Kräuter zu finden. Ich hatte einen kleinen Destillierapparat dabei, und wir haben alle möglichen Pflanzen gesammelt, ausprobiert und schließlich „Scorpion Tail“ gefunden, einen Strauch mit einer faszinierenden, tiefgrünen Note. Daraus habe ich knapp achteinhalb Liter Destillat hergestellt und zu Hause den Kanaracuni kreiert, eine Art Hendrick’s Limited Edition, die es nur in ausgewählten Bars gibt.

Auch in Deutschland?

Ja, im „Chapeau“ und im „Good Old Days“ in Hamburg und im „Les Fleurs du Mal“ in München.

Haben Sie einen Schluck für mich?

Selbstverständlich. Sie werden sehen, er hat einen blumigeren, würzigeren und grüneren Charakter als der klassische Hendrick’s.

Tatsächlich, er hat mehr Gewürznoten und ist ein bisschen spitzer in der Nase. Hm, und dann doch sehr rund, vollmundig und mit langem würzigen Abgang. Eigentlich viel zu schade, um Tonic reinzuschütten.

Darum würde ich ihn nur mit Soda, Eis und einer Gurkenscheibe trinken.

Und was bedeutet Kanaracuni?

Das ist der Name des Dorfes, in dem wir den „Scorpion Tail“ gefunden haben. Ein Dank an die Yekwaana-Indios, die uns zehn Tage lang beherbergt haben.

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