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Selbst destillieren : Ergibt irgendwie Gin

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Nach weiteren zwölf Stunden die Überraschung: Die Blüten haben einen Teil des Gins rosa gefärbt – wie die Grenadine einen Tequila Sunrise. Vorsichtig gieße ich das Gemisch durch das Sieb. Der Schnaps schimmert nun in einem blassen Rosa, riecht allerdings immer noch etwas nach Früchtetee. Als ich das dritte Paket öffne, das „Dr. Charles Levine Gin Kit“, fällt mir ein Brief in die Hände. Er erzählt von den Vorzügen des Wacholderschnapses: „Gin ist wie ein Licht am Rande des Horizonts“ und „Du schärfst deinen Blick – sieh! Brechen dort erste Schemen durch die Dämmerung der eben noch so dunklen Nacht?“ Gezeichnet: Dr. Charles Levine. Oha, der mochte Gin offenbar sehr! Ob es ihn wohl wirklich gab?

Anders als bei den anderen beiden Sets sind die Kräuter hier bereits zerhackt und gemixt – bis auf den Wacholder. Die Beeren lege ich für 24 Stunden im selbstgekauften Wodka ein. Am nächsten Tag schütte ich die fertige Kräutermischung dazu. Ich erkenne getrocknete Orangenschalen, Koriandersamen, Kardamom, irgendeine rote Beere, grüne Blätter und gelbe Blüten. Mehr kann ich leider nicht identifizieren. Nach zwölf Stunden hat der Alkohol einen schönen Goldton, riecht aber wie die Salbe, die ich mir bei Muskelschmerzen manchmal auf die Haut schmiere. Ob Dr. Levine das beabsichtigt hat? Ich schaue zu, wie die Flüssigkeit durch den Filter in die Apothekerflasche rinnt. Am Ende schweben noch ein paar Krümel im Gin, die mich unzufrieden stimmen.

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Allerdings weiß ich da noch nicht, was mich beim „Homemade Gin Kit“ erwartet. Nachdem die Wacholderbeeren einen Tag im Wodka gezogen sind, öffne ich das Döschen mit den Gewürzen. Eine braune Staubwolke steigt mir in die Nase – eine Mischung aus gemahlenen Koriandersamen, Rosmarin, Lavendel, Hagebutte, Piment, Fenchelsamen, Kardamom, schwarzem Pfeffer und Lorbeer. So steht es auf dem Deckel. Ich schüttele die Flasche. Der Inhalt sieht jetzt aus wie das Wasser aus der Regentonne. Auch nachdem ich den Gin gefiltert habe, bleibt er trüb. Auf dem Boden hat sich eine braune Schicht abgesetzt. Das Einzige, was mich tröstet, ist ein Hinweis auf dem Rezept: „Das Endprodukt kann Sedimente enthalten.“

Das ist auch das Erste, was ich zu Felix Krämer sage, als er das Glas mit meinem fertigen Gin ins Licht hält und lacht: „Sieht ja aus wie Kräutertee.“ Der 30-Jährige ist Destillateur und brennt in fünfter Generation Schnaps in Dortmund, auch Gin. Bevor ich mich weiter rechtfertigen kann, ist Krämers Nase im Glas verschwunden. „Riecht aber schon nach Wacholder.“ Er schwenkt das Glas ein paar Mal hin und her und beobachtet den öligen Film, den der Alkohol an den Rändern hinterlässt. Dann nimmt er einen Schluck.

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