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15 Supermarkt-Sorten im Test : Welcher Glühwein schmeckt am besten?

  • -Aktualisiert am

Stephan Reinhardt testet verschiedene Glühweinsorten aus dem Supermarkt Bild: Daniel Pilar

Weil die Weihnachtsmärkte vielerorts ­ausfallen: Unser Weinkritiker hat mit der Försterfamilie von nebenan 15 Sorten von Aldi, Rewe und Co. für den heimischen ­Winterzauber getestet.

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          Glühwein ist kein Wein für die einsame Meditation. Das wissen auch die Erzeuger re­spektive Abfüller der aromatisierten weinhaltigen Getränke, zu denen außer Glühwein auch Punsch, Beerenwein, Bowle, Sangria oder Cocktails gehören. Nichtalkoholisches lässt sich ebenfalls würzen und erwärmen, damit auch Kinder und Schwangere vorglühen können oder jene, die grundsätzlich auf Alkohol verzichten. Doch viele Weihnachtsmärkte, vor Corona ein auch international glühender Markt, wurden abgebaut, kaum dass sie aufgebaut waren. Und nun? Einen Schoko-Weihnachtsmann kann man später als aufrechten Osterhasen umkleiden, aber Glühwein?

          Ein Rundgang durch sämtliche in meiner Nähe befindlichen Lebensmittelmärkte lässt mich staunen. Die Glühweinregale in der Samtgemeinde Ostheide im Landkreis Lüneburg sind weitgehend geplündert. Im ersten Aldi-Markt steht gleich gar nichts mehr.

          „Lieber Herr Reinhardt“, hatte mich die Redaktion am 2. Advent gebeten, „testen Sie doch bitte ein paar Glühweine für uns. Aber seien Sie dabei nicht zu streng.“ Sozusagen als Korrektiv sollte ich noch die Försterfamilie von nebenan zu Glühweinexperten machen, was ich gerne tun wollte. Nur um zu erfahren, dass Frau Försterin eigentlich lieber Whisky trinkt und dass selbst ein Elch oder Hirsch auf dem Etikett ihren Gatten niemals dazu verleiten könnte, Glühwein zu trinken. Als dann der Fotograf zu mir in den Wald kam, war eine seiner ersten Fragen, ob ich keine Bedenken hätte, mir mit einem Glühweintest meinen Ruf als seriöser Kritiker feiner Weine zu ruinieren. „Doch“, erwiderte ich. Aber noch viel größer sei die Angst davor, wie es mir nach der Probe von 26 „Winterzaubern“ ergehen würde.

          Klarer Gewinner
          Der Heile-Welt-Schneemann vom Etikett mitsamt atmosphärischem Text bewirbt einen in Saulheim (Rheinhessen) abgefüllten Glühwein, der zwar „riecht wie bei der Heilpraktikerin“, aber auch „schön nach Wein“, dazu tief und würzig „auch im Sinne von Schärfe“, mit Noten von Piment und Kardamom, so die Forst-Tester. Im Mund elegant fruchtig und würzig, mit guter Säure und Schärfe. Durchaus pfeffrig.

          Landpartie Glühwein Bio, Peter Riegel Weinimport GmbH, 78359 Orsingen, 10,9% Alk., 0,75 l / 3,79 Euro, bezogen bei: Denns

          Note 2+

          Seeehr angenehm
          Rotkäppchen besiegt die Wolfsglut (hier auf Platz 10) mit dichtem, angenehm weinig-würzigem Bouquet von Cassis. „Seeehr angenehm“ im eleganten, wiederum weinig-würzigen Geschmack, „aber schon auch mit nachhaltigen Gerbstoffen“, wie die Försterin befindet. Recht süß, aber bei 0° C im Wald doch ganz wohlig. „Dazu könnte ich jetzt glatt ’ne knusprige Ente mit Blaukraut essen“, sprach der jagende Förster.

          Rotkäppchen Glühwein, Rotkäppchen-Mumm ­Sektkellereien, Freyburg (Unstrut), 10% Alk., 0,75 l / 3,99 Euro, Rewe

          Note 2

          Weinig und würzig
          Keine anonyme Ware (die meisten Glühweine basieren auf italienischen Weinen), sondern ein vom Winzer erzeugter Glühwein mit tiefer, fast violett roter Farbe. Die Nase voller reifer Maulbeeren und Brombeeren, dazu leicht holzig, mit Walnussnoten. Der kommt gut an bei Hofe. Im Mund weinig, weil zur süßen Frucht auch strukturiert und „irgendwie auch frisch“. Im Abgang eher herb und würzig, mit Traubenaromen.

          Bio-Winzerglühwein Rot, Weingut 1616 Pfaffmann Heinz Stiftung, 76833 Walsheim, 12,5% Alk., 1 l / 3,49 Euro, Lidl

          Note 2

          Fein und elegant
          Das Schwabenland ist in Genossenhand und Trollingerland. Aber ob hier Trollinger zum Glühen gebracht wird? Man weiß es nicht. Es riecht jedenfalls „nach Weihnachtsmarkt“, sagt der Förster, und die erwachsene Tochter nickt. „Endlich mal wieder.“ Tatsächlich ist der Wein würzig und schmeckt wirklich nach Glühwein, bleibt dabei aber auch fein, filigran und elegant, mit schöner Zitrussäure im Finish. Angenehm astringent.

          Winzerglühwein, Lauffener Weingärtner, Lauffen am Neckar, 11,5 % Alk., 0,75 l / 3,59 Euro, Rewe

          Note 2

          Besser, als er riecht
          Sylter Feeling, in Nürnberg kreiert mit weiß Gott was für Weinen. „Der riecht langweilig und nicht so, wie man sich Glühwein vorstellt“, meckert die Tochter, gesteht aber: „Er schmeckt um einiges besser, als er riecht.“ „Der erinnert an deine Whiskys, Mama.“ Noten von eingelegten Pflaumen mit Zimt, dazu Kirschen, süße Beeren und Himbeerbrause. Feine Gerbstoffe. „Schade, dass sie da so viel Zucker zusetzen.“

          Sansibar Glühwein, Gerstacker Weinkellerei, Nürnberg, 8,7 % Alk., 0,745 l / 3,49 Euro, Edeka

          Note 2

          Was man erwarten kann
          „Jetzt geht’s los!“, ruft der Förster: „Jetzt wird es weihnachtlich. Der schmeckt echt super und kriegt bei mir ’ne Zwei“, befindet er treffsicher, noch bevor die anderen den „Mederano“ gerochen haben. Lebkuchen­gewürze und überhaupt all das, was man erwarten kann. Angenehm sanft und mild, sogar elegant, aber natürlich auch süß. Im Abgang dann würzig, herb und weinig. Das alles in tollem Ochsenblutrot.

          Mederaño Glühwein winterlich-fruchtig, Freixenet Vinos, Wiesbaden, 11 % Alk., 0,75 l / 3,99 Euro, Edeka

          Note 2-

          Richtig gesund
          Bio-Mehrfruchtsaftgetränk mit Apfelsaft, Holunderblütenextrakt und Ingwer, also alles, nur kein Glühwein. „Der schmeckt richtig gesund“, ruft die Försterstochter durch den Ingwer-geschwängerten Raum. „Der ist mir nicht punschig genug“, findet auch die Försterin. Soweit zum „Ingefær“, der Ingwer-Version. Die tiefrote mit Blaubeere vom selben Hersteller, „Blåbær“, bringt auch nicht mehr Punsch und riecht nach Beeren und Schlehen.

          Hygge Punsch Æble Ingefær alkoholfrei, Voelkel, 29478 Höhbeck, 0 % Alk., 0,75 l /4,99 Euro, Edeka et al.

          Note 2-

          Für Bratapfel-Fans
          Der nach Ingwer und Zimt duftende Bio-Apfelglühwein kommt nach den alkoholfreien Säften weniger süß, dafür aber weinig daher. „Das ist einer für dich“, rufen Förster und Försterstochter der backenden Mutter zu. „Der schmeckt richtig nach Brat­apfel“, findet diese. „Und er klebt nicht so im Mund.“ Der Förster findet: „Den hätte ich aber nicht mit Weihnachten in Verbindung gebracht.“ Auch der Tochter „fehlt das Punschige“.

          Glühapfel Premium Bio, Elbler, Hamburg, 4 % Alk., 0,75 l / 4,49 Euro, Denns

          Note 2-

          Feingliedrig
          Das billigste Produkt im Test riecht wie Traubensaft und „nach Beeren, nach irgendwelchen Beeren“, findet die Tochter. „Nach dem Wein davor schmeckt halt alles besser“, relativiert die Mutter. „Der ist irgendwie rund. Den kann man trinken“, präzisiert der Vater. Jedenfalls kommt der Billigfusel gut an. Mit Traubenduft und feiner Schalenwürze. Recht feingliedrig und moderat süß, eher mild als kräftig.

          Würziger, aromatischer Glühwein rot, Hauser Weinimport, 86850 Fischach, 9,5% Alk., 1 l / 1,19 Euro, Aldi Nord

          Note 2-

          Der Konsenswein
          „Bissig ist der nicht, eher lammfromm, aber den mag ich“, gesteht die Tochter. Auch die lieber Whisky trinkende Försterin meint: „Och, der schmeckt aber ganz gut.“ Ihr Gatte hat Hunger bekommen und holt zum Wolf den Wildschweinschinken dazu, lobt die blutige Farbe des Weins und findet: „Den kann man gut trinken.“ Der Konsenswein ist wie Traubensaft mit nussigen Aromen, sehr fruchtig, elegant und harmonisch.

          Wolfsglut Winzerglühwein Rot, Winzergenossen- schaft Wolfenweiler, Schallstadt; Vertrieb: „Villa Baden“ ­Weinkontor, Schallstadt, 12 % Alk., 1 l / 3,49 Euro, Edeka

          Note 2-

          Unterwegs zum Port
          Uneinigkeit im Testerteam: „Langweilig!“ gegen „Nee, der hat ’ne feine, voll­reife dunkle Beerennote mit Unterholzaromen, aber leider auch künstlichen Gummibärchenaromen.“ Im Mund weinig, weich und gerbig, was die Süße gut auffängt. Beim Heißen Hirsch liegen die Försterin („mag ich gerne“) und ihr zur Süße neigender Gatte („weg damit“) überquer. Der Schiri sagt: ein weinig-würziger Typ à la Rhône oder sogar Port.

          Heißer Hirsch Tierisch guter Glühwein rot Bio, Acht Grad plus, 78269 Volkertshausen, 11 % Alk., 0,75 l / 3,49 Euro, Denns

          Note 2-

          Konzentrierte Früchte
          Einer namens „Rotwild“, das muss doch ankommen im Forsthaus, dachte ich. Kam auch, vor allem das geschmackvolle Etikett mit dem goldenen Hirsch. Das Bouquet wirkte etwas dumpf, wie altes Wildfleisch in einem gottvergessenen Harzer Landgasthof kurz nach der Wende. Dunkle, konzentrierte Früchte und Gewürze. Im Geschmack süß und würzig, mit Gerbstoffen und dem angenehm herb-sauren Geschmack kalabrischer Orangen.

          Rotwild Roter Glühwein aus Deutschland, Peter Mertes, Bernkastel-Kues, 11 % Alk., 0,75 l / 2,99 Euro, Rewe

          Note 3+

          Bio und alkoholfrei
          Alkoholfreies Mehrfruchtsaftgetränk mit 99 Prozent Fruchtgehalt und knackiger Säure. Aus weißem Trauben-, Apfel-, Birnen- und Orangensaft mit Gewürzen wie Anis, Nelken, Zimt, Piment und Zitrusfrucht­schalen. „Och, der schmeckt mir gut“, findet der Förster. „Mir ist er zu süß“, kontert die Gemahlin. „Schmeckt nicht nach Glühwein“, schlichtet die Tochter: „Mit ’nem Schuss Amaretto wäre er klasse!“

          Heißer Hirsch Tierisch guter Familienpunsch alkoholfrei Bio, Acht Grad plus, 78269 Volkertshausen; 0 % Alk., 0,75 l / 3,49 Euro, Denns

          Note 3+

          Friesisch herb
          Vom Erfinder des fertig in Flaschen abgefüllten Glühweins. 65 Jahre ist das her und war damals noch verboten, des zugesetzten Zuckers wegen. Die Küsten-Marke kommt recht intensiv und gut würzig daher, also weinig, auch mit Röstaromen. Im Mund dicht, sehr würzig, mit viel Gerbsäure, dessen Adstringenz meinem Förster so gar nicht behagt. Friesisch herbes Finish. Wobei, alles ist relativ, gerade an der Küste.

          Küsten Glühwein, Kunzmann Weinkellerei, Dasing, 12 % Alk., 0,75 l / 2,99 Euro, Edeka

          Note 3+

          Eigenartig
          Nicht wirklich eine Empfehlung, eher eine lieb gemeinte Warnung für Besserverdienende. Ohne das zugesetzte heiße Wasser (1:1) nach Mandeln und Rosenholz duftend. Mit Wasser duftiger und mit Kräuter- und Wermuth-Note. Dieses eigenartige Gemisch aus Weißwein, Apfelsaftkonzentrat, Getreide-Wodka und Gewürzextrakten zeigt eine butterige Enzian- und Chicorée-Note im Finish. Eine herbe, bitter-süße Enttäuschung.

          Maemo Glüh & Sprizz Bio, Aameda, 87439 Kempten, 14,5­ % Alk., 0,7 l / 16,99 Euro, Denns

          Note 4

          Als ich am Abend zur Probe schreiten wollte, wagte ich nebenan doch nochmals einen Werbeversuch. Frau Försterin backte gerade Weihnachtsplätzchen, und der Jäger rief: „Ach komm, lass uns doch Glühweine probieren.“ Am Ende trug ich die 26 Flaschen hinüber ins Forsthaus, wo ich alles nacheinander auf 60° C erwärmte. Nach vier Stunden – statt Bratwurst gab’s Wildschweinschinken – hatten wir ob der Säuren und des Zuckers zwar alle Zahnschmerzen, aber alles geschafft. Hier die 14 Favoriten und eine Warnung vom ritterlichen Forsthof.

          „Reiner Wein“-Spezial: Stephan Reinhardt schreibt in der F.A.S. regelmäßig die Kolumne „Reiner Wein“; ansonsten ist er Kritiker beim renommierten Info-Dienst „Robert Parker Wine Advocate“.

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