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Deutsch-französische Weine : Grenzfall im Glas

Gibt seinen Namen auch für einen elsässischen Wein her: Der Schweigener Sonnenberg am vergangenen Sonntag Bild: Maximilian von Lachner

Einen Pfälzer Spätburgunder kaufen, der in Wirklichkeit ein edler Pinot Noir aus Frankreich ist? Das geht – wo und warum das möglich ist, verrät unser Autor.

  • -Aktualisiert am
          6 Min.

          Friedrich Becker vom gleichnamigen Pfälzer Weingut ist ein gebranntes Kind. 20.000 Euro Strafe musste er zahlen, weil er den Namen seines besten Weinbergs auf die Flasche geschrieben hatte: Kammerberg. Oder noch nicht einmal. „Wir hatten zwei Buchstaben weggelassen, das A und noch irgendwas.“ Im Internet kann man das Etikett noch finden. „KAMMERB**G“ steht darauf. So wie der Winzer selbst sich nie den Pseudonamen gemerkt hat, so offensichtlich war die Sache für andere. Die Weinkontrolle konnte nicht anders, als den Mummenschanz zu verbieten.

          Was oder besser wo ist das Problem? Das Winzerdorf Schweigen liegt an der französischen Grenze, einen Steinwurf von der elsässischen Stadt Wissembourg entfernt. Einige Winzer besitzen aber Weinberge jenseits der Landesgrenze, also auf französischem Boden. Sie holen die Trauben im Herbst in ihre Keller nach Deutschland. Dort werden sie sozusagen eingebürgert. Auf dem Etikett steht dann als Herkunft: Schweigener Sonnenberg, Pfälzer Qualitätswein. Dass das überhaupt erlaubt ist, liegt an einer Ausnahmegenehmigung. Aber Friedrich Becker ist damit trotzdem nicht glücklich: „Der Kammerberg ist meine beste Pinot-noir-Lage.“ Aber da sie in Frankreich liegt, darf er den Namen des Weinbergs nicht auf die Flasche schreiben. Denn dazu müsste der Wein auch in Frankreich gekeltert werden.

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