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Unser aller Zaubertrank : Wir Kinder vom Bahnhof Kaffeeküche

Heiß begehrt auf der ganzen Welt: Kaffeebohnen, hier der Sorte Arabica. Bild: dpa

So gut wie jeder erwachsene Deutsche ist drogensüchtig. Wir wissen es nur nicht. Schuld daran ist das beliebteste aller Genussmittel. Die Kolumne Geschmackssache.

          4 Min.

          Eine Billion ist eine Eins mit zwölf Nullen, also eine ungeheuer große Zahl. In der Welt des Essens und Trinkens wird nichts in Billionen gemessen, mit einer Ausnahme: Eine Billion Tassen Kaffee trinkt die Menschheit jedes Jahr und macht ihn damit zum universalsten aller Genussmittel. Kein Land gibt es auf Erden, in dem es keinen Kaffee gäbe, keine Kultur, die ihn verschmähte, keine Religion, die ihn verböte – eine Weltkarriere, die sich die äthiopischen Hirten aus dem Königreich Kaffa niemals hätten träumen lassen, als sie vor mehr als tausend Jahren die munter machende Wirkung der kirschförmigen Früchte erkannten und sich den allerersten Kaffee aus ihnen brühten. Ein paar Jahrhunderte lang hüteten sie ihr Geheimnis, doch dann ging alles ganz schnell: 1511 wurde in Mekka das erste Kaffeehaus eröffnet, Mitte des siebzehnten Jahrhunderts folgten Venedig, London und Oxford, 1673 war Deutschland mit seinem Premierencafé in Bremen an der Reihe.

          Jakob Strobel y Serra
          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Kaffee wurde zum Weltgetränk, von Johann Sebastian Bach in seiner „Kaffeekantate“ besungen und selbst von Asketen wie Friedrich dem Großen jeden Morgen genossen, allerdings nicht mit Wasser, sondern mit Champagner gebrüht. Seinen Untertanen gönnte der Geizhals von Preußenkönig den Kaffee allerdings nicht ohne Weiteres, verhängte ein staatliches Kaffeemonopol und ließ es von „Kaffeeriechern“ überwachen, französischen Soldaten mit einer angeblich besonders feinen Nase. Das Monopol aber hatte nicht lange Bestand, weil die Menschen um jeden Preis ihren Kaffee wollten – aus verständlichen Gründen.

          Ein Garant für Glücksgefühle

          Kaffee ist eine Droge, wenn auch eine schwache. Deswegen müssen wir uns nicht grämen, wenn wir manchmal mehr davon trinken, als wir wollen, denn als Rauschgiftsüchtige können wir gar nicht anders. Und ein schlechtes Gewissen brauchen wir ohnehin nicht zu haben, weil diese Droge auch ein Zaubertrank für Geist und Gesundheit ist.

          Sieht zwar schön aus, ist aber für kompromisslose Kenner nicht satisfaktionsfähig: Milch im Kaffee.
          Sieht zwar schön aus, ist aber für kompromisslose Kenner nicht satisfaktionsfähig: Milch im Kaffee. : Bild: Frank Röth

          Kaffee regt den Stoffwechsel, die Fettverbrennung und die Ausschüttung von Gallenflüssigkeit an, wodurch er für eine gute Verdauung sorgt. Er enthält wichtige Nährstoffe wie Kalium und Mangan und senkt das Risiko, gleich an einem halben Dutzend Krebsarten zu erkranken. Seine Antioxidantien schützen vor Diabetes, Alzheimer und Gicht, seine Lipide vor Leberzirrhosen, und sein regelmäßiger Konsum senkt signifikant die Gefahr, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, wie eine Langzeitstudie der Harvard-Universität mit zweihunderttausend Probanden gezeigt hat. Ein Jammer, dass man das von anderen Genussmitteln, etwa alko­holischen Erfrischungsgetränken, nicht behaupten kann.

          Kaffee macht nicht nur dauerhaft gesund, sondern – so wie jede andere Droge auch – zumindest kurzfristig glücklich. Da Koffein die Schranke zwischen Blut und Hirn ungehindert passiert, kann es sehr schnell seine Wirkung auf das zentrale Nervensystem entfalten und den Botenstoff Adenosin blockieren, der uns schläfrig macht. Als natürliche Reaktion darauf setzt der Körper das Glückshormon Dopamin frei, fördert den Ausstoß von Adrenalin und erhöht somit die geistige Leistungsfähigkeit.

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