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„Generations 80 yo“ Whisky : Eine flüssige Geschichte

Für den „Generations 80 yo“ Whisky hat Architekt und Designer David Adjaye, den Dekanter und das dazugehörige Eichholz- Gehäuse entworfen. Bild: Gordon & MacPhail

Wie sieht er aus, wie riecht, wie schmeckt er? Der Single Malt „Generations 80 yo“ ist über acht Jahrzehnte in einem noch älteren Fass gereift. Nun wurde das rotbraun schimmernde Elixier voller Ehrfurcht verkostet.

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          Stephen Rankin hat schon viel erlebt – und viel getrunken. Oder besser: verkostet. Denn das ist Teil seines Jobs als Direktor von Gordon & MacPhail, dem wohl bekanntesten unabhängigen Whisky-Abfüller in Schottland. In der vierten Generation vertritt Rankin die Inhaberfamilie Urquhart, die seit 125 Jahren Destillate von Brennereien erwirbt, in ihren eigenen Lagern in Fässern reifen lässt, in Flaschen abfüllt und schließlich unter eigenen Labels auf den Markt bringt. Viele bemerkenswerte und manche berühmte Whiskys sind darunter gewesen, von der „Discovery Range“ über die Linie „Connoisseurs Choice“ bis zu jahrzehntealten Raritäten und Whiskys längst untergegangener Destillerien.

          Peter Badenhop
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Stephen Rankin hat fast alle dieser großen Whiskys probiert, er hat die „flüssige Bibliothek“ von Gordon & MacPhail ausführlich studiert. Aber selbst für ihn ist der „Generations 80 yo“ etwas ganz Besonderes. Denn dieser Scotch ist der älteste jemals abgefüllte Single Malt der Welt. Am 3. Februar 1940 wurde er in der Glenlivet Distillery gebrannt und in ein großes Fass gefüllt, in dem früher Sherry lagerte. Rankins Urgroßvater John Urquhart und sein Sohn George erwarben dieses Fass und ließen es in ihrem Warehouse reifen. Erst die Generation der Enkel und Urenkel füllte es schließlich ab, nach ziemlich genau 80 Jahren.

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          Acht Jahrzehnte Whisky-Geschichte haben ihren Preis

          Die Ehrfurcht vor dieser einzigartigen Whisky-Geschichte war Stephen Rankin anzumerken, als er den „Generations 80 yo“ vor ein paar Wochen in Frankfurt präsentierte. Und sie erfasste auch die gut zwei Dutzend Fachhändler, Experten und Journalisten, die angereist waren, um von Rankin die Geschichten zu hören: die des Fasses mit der Nummer 340, das um das Jahr 1850 aus amerikanischer Eiche gefertigt worden war und zunächst für den Transport von Most und Wein, dann für die Lagerung von Oloroso-Sherry und schließlich für den Whisky von Glenlivet genutzt wurde. Die Geschichte von der Abfüllung des mahagonifarbenen Inhalts in 250 gläserne Dekanter. Und die von der Zusammenarbeit mit dem Architekten und Designer David Adjaye, der die Dekanter und das dazugehörige Eichholz- Gehäuse entworfen hat.

          Voller Ehrfurcht wurde schließlich auch verkostet. Ein so alter, in einem noch viel älteren Fass gereifter Single Malt: Wie sieht er aus, wie riecht, wie schmeckt er? Nun, das ist gar nicht so leicht zu sagen, denn mit jedem Schnuppern und mit jedem Tropfen scheint das rotbraun schimmernde Elixier neue Nuancen zu offenbaren. In der Nase sind das zunächst Düfte von Orange und Mandel und ein paar flüchtige Blütennoten, dann Gewürze und ein wenig Rauch, schließlich Dörrobst und süßes Gebäck, alles vereint in einer erstaunlich fruchtigen Komplexität. Erst im Mund setzt sich eine vielschichtige Würze mit leichter Pfeffernote durch, dazu kommen Noten von Ingwer, Pflaume, Feige und Rosinen, schließlich ein wenig Rauch und eine leichte Salzigkeit. Stundenlang hätten Rankins Gäste an ihren mit nur ein paar Millilitern gefüllten Gläsern nippen und immer neue Dimensionen entdecken können. Doch der ganz große Genuss bleibt anderen Single-Malt-Liebhabern vorbehalten. Jenen, die genug Kaufkraft haben, um für einen der 0,7-Liter-Dekanter des „Generations 80 yo“ um die 100.000 Euro auszugeben. Acht Jahrzehnte Whisky-Geschichte haben nun einmal ihren Preis.

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