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Stephan Ehmke ist Weinhändler aus Bremen. Bild: Hanseatische Weinhandelsgesellschaft

Wein für 5000 Euro ersteigert : „Diese Flasche ist ein Sinnbild“

Der Bremer Weinhändler Stephan Ehmke hat einen 100 Jahre alten Riesling ersteigert – für 5000 Euro plus 950 Euro Mehrwertsteuer. Was hat er damit vor?

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          Herr Ehmke, Sie haben eine Flasche Wein für 5000 Euro plus 950 Euro Mehrwertsteuer ersteigert. Warum so viel Geld für eine Flasche?

          Othmara Glas
          Volontärin

          Bremen hat eine lange Weinhandels-Tradition. Wir haben die Flasche als Hanseatische Weinhandelsgesellschaft Bremen gekauft, um Respekt gegenüber der Handwerkskunst zu zeigen. Das Produkt hat in 100 Jahren gerade einmal einen Zentimeter Füllhöhe verloren. Das zeigt die optimalen Lagerungsbedingungen des Bremer Ratskellers sechs Meter unter dem Bremer Marktplatz. Zudem war es eine Möglichkeit für uns, das Bremer Weltkulturerbe Rathaus und Roland zu unterstützen, wohin die Erlöse der Auktion gehen. Wir sehen die Flasche auch als Qualitäts-Sinnbild für das ganze Portfolio, da wir als Unternehmen schon seit 1974 großen Wert auf Qualität legen.

          Haben Sie die Flasche schon geöffnet?

          Nein, die Übergabe hat noch gar nicht stattgefunden. Die wird voraussichtlich im Juli sein, wenn die Corona-Regeln lockerer sind. Es ist auch nicht geplant, den Wein zu trinken – es sei denn, es gibt einen außergewöhnlichen Anlass.

          Wo werden Sie die Flasche lagern?

          Als Importeur für Whiskys und Weine haben wir einen eigenen Weinkeller mit Kühlung, wo wir besonders hochwertige Produkte lagern.

          Aus dem Jahr 1921: „Niersteiner Pettental Riesling allerfeinste Goldbeerenauslese“
          Aus dem Jahr 1921: „Niersteiner Pettental Riesling allerfeinste Goldbeerenauslese“ : Bild: dpa/Bremer Ratskeller Weinhandel

          Die Flasche wird also nicht ausgestellt?

          Wir sehen die Flasche auch als Sinnbild für Unabhängigkeit. Wie Bremen legen wir als Familienunternehmen darauf besonderen Wert. Als Hanseaten denken wir langfristig, und die Flasche spiegelt unseren Anspruch an Qualität und Langlebigkeit wider. Also eigentlich wird die Flasche nicht weggeschlossen, sondern ist ein lebendiges Beispiel dafür, was Qualität bringen kann. Es ist ein extremes Privileg, ein Produkt, das 1921 produziert wurde und noch trink- und genießbar ist, wie der Ratskellermeister sagt, in Ehren zu halten.

          Ist das der teuerste Wein in Ihrer Sammlung?

          Schwer zu sagen, an heutigen Marktpreisen gemessen. Aber es ist zumindest einer der ältesten Weine. Mein Großvater und Vater, die die Firma gegründet haben, besitzen noch einen Rüdesheimer Apostelwein von 1727. Sicherlich ist die Flasche von 1921 sogar mehr wert als 5000 Euro, weil es gerade in den USA auch Fans insbesondere des deutschen Rieslings gibt, die bereit sind, auch als Sammler zu investieren. Aber die Flasche steht nicht zum Verkauf.

          Was ist denn das Besondere am Weinjahrgang 1921?

          1921 und 1959 sind die Weinjahrgänge im 20. Jahrhundert überhaupt. Das ist auf die außergewöhnlichen Witterungsbedingungen zurückzuführen. Natürlich hat auch der Winzer einen großen Anteil, aber gerade beim Naturprodukt Wein spielt das Klima eine große Rolle dabei, wie sich die Reben entwickeln. Und Nierstein Pettenthal in Rheinhessen ist heute immer noch eine der besten Lagen überhaupt. Das ist mitentscheidend für die Qualität dieses Weins.

          Was macht für Sie den Reiz am Weinsammeln aus?

          Eigentlich sammeln wir weniger, da wir Kaufmänner sind. Wir haben aber über die Jahre immer Flaschen zurückgelegt, die einen gewissen Fremdwert haben, damit wir die Qualität widerspiegeln können. Im Wein- und Whisky-Bereich werden Flaschen für mehrere Tausend Euro versteigert. Das ist für Sammler attraktiv. Aber eigentlich denken wir, dass Flaschen zum Genießen in netter Gesellschaft da sind. Wichtig: Es gibt in jedem Preissegment hervorragende Weine.

          Haben Sie den Eindruck, dass in den vergangenen Jahren in Deutschland das Interesse an Wein gewachsen ist?

          Ja, kurzfristig natürlich durch die Corona-Krise. Aber auch allgemein setzen sich Menschen durch Themen wie gesunde Ernährung mehr mit den Produkten auseinander, die sie konsumieren. Das heißt, wenn sie genießen, beschäftigen sie sich mehr damit. In Deutschland stoßen wir auf ein wachsendes Interesse für Fakten rund um Wein.

          Haben Sie einen Lieblingswein?

          Das ist anlassbezogen – Menü und Jahreszeit sind hier ausschlaggebend. Im Sommer eignen sich Weißweine wie Riesling oder Chardonnay und in der kalten Jahreszeit hingegen eher Weine aus den Regionen Burgund, Bordeaux oder Rhône.

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