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Kolumne Geschmackssache : Tuttifrutti gibt’s im Fernsehen, nicht im Fass

Nach der Karriere als Weinkönigin wollte sich Lisa Bunn dem Wein lieber seriös annähern. Bild: dpa

Jugend schützt vor Weisheit nicht: Lisa Bunn aus Nierstein in Rheinhessen ist kaum dreißig Jahre alt und keltert schon Weine von verblüffender Reife.

          Lisa Bunn ist nicht Donald Trump, Gott bewahre, Himmel hilf! Was sollte auch eine rheinhessische Jungwinzerin mit dem alternden Hauptdarsteller der Reality-Horror-Show „Ich bin dann mal Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, und zwar in echt“ gemein haben? Das eine oder andere verbindet den Oberherumkommandierenden und die Weinbäuerin aber doch. Beide haben Vorfahren, die aus rheinland-pfälzischen Winzerdörfern stammen. Und beide neigen dazu, ihrem Besitz den eigenen Namen zu geben. Während Donald Trump nicht nur New York, sondern sogar unschuldige uruguayische Strandbäder mit der präpotenten Prunksucht seiner Trump Towers tyrannisiert, hat Lisa Bunn das Familienweingut ihrer Vorfahren vor mittlerweile vier Jahren – offensichtlich mit einem Selbstbewusstsein, das Alexanders des Großen würdig wäre – nach sich selbst umbenannt.

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Jetzt stehen wir etwas beklommen an der Uferstraße von Nierstein und fühlen uns ein bisschen wie an der fünften Avenue New Yorks, Ecke sechsundfünfzigste Straße. Denn wir sehen überall den Schriftzug „Lisa Bunn“: auf wehenden Fahnen, monumentalen Schildern, blitzblanken Fassaden. Und das Erste, das wir beim Betreten des Weinguts erblicken, ist ein mächtiges Gemälde, das Lisa Bunn lächelnd bei der Weinernte zeigt. Sollte diese Winzerin doch mehr gemein haben mit dem weltallergrößten Egozentronarzissten? Sollten beide vielleicht unisono in ihrer Freizeit den Dichterfürsten Goethe rezitieren, der – auch nicht ganz frei von Vanitas – kühn befand: „Was ist der Mensch für eine elende Kreatur, wenn er alle Eitelkeit abgelegt hat“?

          Weinkönigin in jungen Jahren

          Aber nein: Lisa Bunn hat absolut nichts von Donald Trump. Das wird uns schon in der ersten Sekunde klar, in der uns die Winzerin die Tür öffnet – hochschwanger wie Frances McDormand als Polizistin in der Tragikomödie „Fargo“ und genauso uneitel, unkompliziert, unprätentiös wie Officer Marge Gunderson im Film der Coen-Brüder. Für die Umbenennung hat sie ohnehin eine plausible Erklärung parat: Margarethenhof hieß das Weingut vier Generationen lang, benannt nach Lisa Bunns Urgroßmutter Margarethe, die früh starb, woraufhin der untröstliche Uropa ihr zwar kein zweites Taj Mahal errichtete, aber immerhin seinem Weingut den Name der ewig Geliebten gab. Nun heißen aber mindestens ein Dutzend deutscher Weingüter Margarethenhof. „Manchmal waren wir auf Weinmessen mit drei, vier anderen Margarethenhöfen“, sagt Lisa Bunn, also habe sie sich auf Rat ihres Mannes und mit einigem eigenen Widerstreben zur Umbenennung entschlossen.

          Mit Donald Trump hat Winzerin Lisa Bunn zum Glück nur wenige Gemeinsamkeiten.

          In jungen Jahren war Lisa Bunn Rheinhessens Weinkönigin, was Donald Trump, der vor seiner Staatsmannkarriere neben vielem anderen auch Schönheitsköniginnen salbte, bestimmt gefallen würde. Dann aber fasste sie den weisen Entschluss, sich dem Wein auf seriösere Weise zu nähern. Sie studierte an der Kaderschmiede Geisenheim internationale Weinwirtschaft, hospitierte in einigen der besten deutschen Weingütern, ging dann nach Australien und Neuseeland, trank dort zwar keinen guten Riesling, weil ihrer Meinung nach niemand besseren Riesling keltert als die Deutschen, lernte dafür aber die südpazifische Gelassenheit schätzen. „Um sechs Uhr abends war Schluss mit der Arbeit, selbst in der Hochphase der Ernte, und mittags gab es immer Barbecue“, sagt Lisa Bunn noch immer so erstaunt, als könne sie derlei Gelassenheit bis heute nicht recht fassen.

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