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Kolumne Geschmackssache : Suche nach der besten Curry-Wurst Berlins

  • -Aktualisiert am

Kein anderes Wappentier kennt sich so gut mich Currywürsten aus, wie der Berliner Bär. Bild: Oliver Sebel

2400 Kalorien, fünf Imbissstände und die eine alles entscheidende Frage: Wo gibt es die beste Currywurst Berlins? Eine Odyssee durch die Hauptstadt mit ungeahntem Finale.

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          Es geht um die Wurst. Nicht um irgendeine Wurst, sondern um die deutsche Seelenwurst, die Königin der Imbissstände, das Filet Mignon des proletarischen Schnellessers, die Leibspeise gewesener Bundeskanzler, den Jahr für Jahr achthundertmillionenfach verzehrten kleinsten, gemeinsten, gemeinsamen Nenner der kulinarischen Kultur Deutschlands. Es geht also um die Currywurst, die an einem grauen Septembertag des Jahres 1949 von der Berliner Imbissbudenbesitzerin Herta Heuwers erfunden wurde, auch wenn der Phantast Uwe Timm in einer geschichtsklitternden Literaturkampfschrift diese Ehre seiner Heimatstadt Hamburg zuschanzt. Wir werden uns auf die Suche nach der besten Currywurstbraterei der Hauptstadt machen, wobei fünf Kandidaten zur Wahl stehen, eindeutig identifiziert von unseren Berliner Gewährsleuten, der Berliner Fachpresse und dem Berliner Volksmund.

          Unsere Odyssee beginnt aus reiner Sentimentalität bei Krasselt’s, einer vielfach prämierten Institution im tiefsten, kleinbürgerlichsten Steglitz, ohne die Abertausende von Westberlinern und mindestens genauso viele Studenten der Freien Universität die Mauerzeit nicht überlebt hätten. Krasselt’s sieht nicht anders aus als jeder andere Imbissstand: eine Nische in einer Hauswand mit Grill, Fritteuse und Stehtischen, die fast rund um die Uhr von einer eingeschworenen Stammkundschaft belagert werden. Der Bratmeister geht indes in einer tadellos sitzenden Kochjacke seinem Geschäft nach und macht so unmissverständlich deutlich, dass wir es hier mit den höheren Weihen des Currywurstwesens zu tun haben. Die Wurst wird ohne Darm serviert, hat ein feines Brät, schmilzt fast auf der Zunge und quält den Gaumen nicht mit penetrantem Schweinemastgeschmack wie die Billigwürste andernorts. Krasselt’s kippt außerdem neben Currypulver und seinem eigenen nach Geheimrezept hergestellten Ketchup auch süßes Paprikapulver und ein paar Spritzer Worcester-Sauce über die Wurst. Kein schlechter Auftakt. Der will erst einmal überboten werden.

          Ihr Vatikan, ihr Jerusalem, ihr Allerheiligstes seit 1930

          Der zweite Kandidat verdankt seinen Ruhm Berlins Zweitkarriere nach dem Mauerfall als Weltpartyhauptstadt. Curry 36 liegt im Epizentrum der Kreuzberger Feierwütigkeit, wird weltweit in den sozialen Netzwerken als bester Currywurstimbiss Berlins gefeiert und ist dementsprechend so umlagert wie einst die HO-Läden in der Ostzone, wenn es Bananen gab. Der Imbiss ist deutlich schicker und professioneller als Krasselt’s, die Kundschaft wird in mehreren Schlangen parallel abgefertigt und kann zwischen der klassischen Currywurst und einer Biovariante vom Havelländer Apfelschwein wählen. Wir probieren beide, geben eindeutig dem Apfelborstenvieh den Vorzug, weil diese Wurst mehr Biss hat und weniger pastös ist, machen uns aber auch zum Gespött der lokalen Kundschaft, die uns in der gewohnt galanten Berliner Art für einen esoterischen Vollidioten hält – „Biocörri, Alter, det jeht janich.“ Allerdings müssen wir der Berliner Schnauze in gewisser Weise recht geben, weil beide Würste ununterscheidbar gleich schmecken, wenn sie erst einmal im Industrieketchup ersäuft worden sind. So bleibt von Curry 36 der Eindruck einer konventionellen Wurst möglicherweise mit Kultstatus, aber ohne kulinarische Kultur.

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