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Schlossgut Diel : Weinprinzessinnen liegen nicht auf Erbsen

  • -Aktualisiert am

Schlossgut Diel in Burg Layen Bild: Archiv

Caroline Diel gehört mit ihrem Schlossgut in Burg Layen zur Winzerhocharistokratie an der Nahe – was man aber nur ihren Weinen und nicht ihr selbst anmerkt. Die Kolumne Geschmackssache.

          3 Min.

          Sie könnte auch ganz anders sein, eine standesbewusste Schlossherrin, eine kapriziöse Königin im Reich der Reben. Doch nichts davon ist Caroline Diel, ehemalige Weinprinzessin von der Nahe und Chefin des Schlossguts Diel in Burg Layen, aus dessen Mitte die Ruine einer Ritterburg wie ein zinnenbewehrtes Memento mori wächst. Auch zur Grande Dame taugt sie nicht, obwohl sie ihr Abitur in Kalifornien gemacht hat und mit ihrem französischen Mann in dessen Muttersprache parliert, bei legendären Häusern wie Ruinart oder Romanée-Conti und bei Großmeistern wie Robert Weil oder Hansjörg Rebholz gearbeitet hat, ihr 1802 gegründetes Gut in der siebten Generation führt und selbst zum Hochadel des deutschen Weinbaus gehört – und als leibhaftiger Beweis dafür gelten kann, wie antielitär Deutschlands Winzerwesen ist.

          Caroline Diel empfängt in Arbeitskleidung mit grobem Schuhwerk und schraubstockfestem Händedruck, eine Frau von Ende dreißig mit unprätentiösem Selbstbewusstsein, die lieber im Wingert schuftet, als im Ballsaal zu tanzen. Fünfundzwanzig Hektar bester Weinberge bewirtschaftet sie an der unteren Nahe, darunter die Großen Lagen Goldloch, Burgberg und Pittermännchen. Zu zwei Dritteln Rieslinge und zu einem Drittel Burgunder – die große Liebe der Chefin seit ihren Romanée-Conti-Zeiten – stehen dort auf Quarzit, Kiesel, Devonschiefer oder Urgestein aus der Permzeit. Und so gut wie alles kommt ins Fass, weil für Caroline Diel nur das Holz die richtige Balance aus Würze, Saftigkeit und Mineralität schafft.

          Caroline Diel

          Ihr Alpha und Omega aber sind Terroir und Typizität. „Man muss schmecken, woher der Wein kommt“, sagt die Schlossherrin, die sich stärker noch als ihr Vater Armin auf das Wesen jedes einzelnen Gewächses besinnt, jeden Rebstock mit seinem Standort in Einklang zu bringen versucht und deswegen jedem einzelnen eine Individualbehandlung gönnt, beim Laubschnitt, bei der Düngung, bei den Oechslegraden. Das große Generalrezept gibt es für sie dabei aber nicht, stattdessen hat sie seit der Übernahme des Schlossguts an vielen kleinen Stellschrauben gedreht. Das Resultat dieser Feinjustierung sind Weine wie der Riesling vom Burgberg aus dem Jahr 2012, ein Großes Gewächs voller Tiefe und Reife, Intensität und Harmonie mit Aromen von Brioche, Biskuit und unreifer Mango, das aber dank seiner straffen Salzigkeit vor jeder Versuchung einer barocken Prunkentfaltung gefeit ist.

          Fähigkeit zur Selbstkritik als einziger Unterschied zwischen Winzern und Winzerinnen 

          Dieser Riesling ist auch der Beweis einer gelungenen Emanzipation von einem Vater, dessen Charakterstärke leicht zur Übermacht hätte werden können. Armin Diel ist nicht nur einer der bekanntesten Winzer Deutschlands, sondern auch einer der renommiertesten Weinpublizisten, viele Jahre lang war er Chefredakteur des „Gault Millau Weinguide“, und bis heute ist er eine polarisierende Stimme im deutschen Weinwesen. Auch deswegen suchte seine Tochter erst einmal das Weite, verbrachte nach der Schule fast zehn Jahre auf Wanderschaft in aller Welt und schloss nebenbei ein Weinbaustudium in Geisenheim ab, bevor sie 2007 ins Familiengut zurückkehrte und 2017 dessen Chefin wurde.

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