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„Alte Pfarrey“ in Neuleiningen : Wein statt Bier, das rat’ ich dir

  • -Aktualisiert am

Von wegen traditionell - Anstatt Pfälzer Küche kommt bei Familie Lange in der „Alten Pfarrey“ eine klassische, vorsichtig modernisierte Haute Cuisine auf den Tisch. Bild: Frank Röth

Das Ehepaar Lange will nirgendwo anders kochen als in der „Alten Pfarrey“ in Neuleinigen. Der modernen Haute Cuisine fühlt sich der Koch so sehr verpflichtet, dass er sich einen Michelin-Stern auf den Unterarm tätowieren ließ.

          Macht guten Wein, und alles wird besser! Die Landschaft wird schöner, der Mensch glücklicher, die Küche feiner. Das ist ein hundertfach bewiesenes Zivilisationsgesetz und wirft die Frage auf, warum es auf Erden überhaupt noch so viele Biertrinker gibt. Ein besonders schönes Beispiel für die segensreiche Schöpfungskraft des Weines ist die Nordpfalz, die jahrhundertelang eher Rüben- als Rebenland war und tief im Schatten des Mittelhaardts mit seinen aristokratischen Weingütern stand. Doch eines Tages wollten sich zwei Brüder nicht länger diesem Winzerfeudalismus beugen und zettelten die nordpfälzische Qualitätsrevolution an. Heute, knapp vierzig Jahre später, gehören Werner und Volker Knipser zu Deutschlands besten Winzern, in deren Fahrwasser hochtalentierte Weinbauern wie Philipp Kuhn, die Brüder Rings oder die Schwestern Gaul ihren Weg an die Spitze gefunden haben. Und mit dem neuen Wein ist auch der Saumagen in der Nordpfalz als höchste kulinarische Instanz, die keine anderen Götter neben sich duldet, vom Thron gestoßen worden.

          Silvio Lange wollte immer schon dorthin, wo guter Wein gemacht wird, um glücklich zu werden und eine feine Küche zu kochen. Er stammt von der Müritz, lernte sein Handwerk in einem ehemaligen FDGB-Erholungsheim, kochte dort für tausend Gäste Halbpension und wusste schnell, dass es so nicht weitergehen konnte. Also heuerte er in Berliner und Hamburger Sterneküchen an, bevor er sich 2002 für ein Gourmetlokal im Mittelhaardt entschied. „Ich wollte kein Bier mehr trinken und alles über Wein lernen, von dem ich als Mecklenburger keine Ahnung hatte“, sagt Lange, der seinen Weg von Anfang an gemeinsam mit seiner Frau Bettina Kissling-Lange gegangen ist, auch sie gelernte Köchin und auch sie ein Kind der mecklenburgischen Seen.

          Eine vorsichtig modernisierte Haute Cuisine

          Im Jahr 2006 landeten die beiden schließlich in der „Alten Pfarrey“ in Neuleiningen am äußersten Nordrand der Pfälzer Weinberge, wandelten das Ausflugslokal in ein Feinschmeckerrestaurant um, verloren neunzig Prozent ihrer Saumagen-Stammgäste, gewannen schnell neue hinzu und erkochten sich zwei Jahre später ihren Michelin-Stern. Seit 2015 betreiben die beiden das verwinkelte Fachwerklokal, das tatsächlich eine uralte Pfarrei aus dem dreizehnten Jahrhundert ist, als kochende Geschäftsführer und denken nicht daran, die Pfalz jemals wieder zu verlassen.

          Karikatur - Bettina Kissling-Lange und ihr Mann Silvio Lange aus der „Alten Pfarrey“ in Neuleiningen.

          Eine Pfälzer Küche kommt bei Familie Lange deswegen aber noch lange nicht auf den Tisch, sondern eine klassische, vorsichtig modernisierte Haute Cuisine. Sie legt sich keine regionalistischen Fesseln an, greift freizügig in den globalen Warenkorb und hat deutlich mehr Freude an Fisch und Meerestier als an Klops und Knödel. Begrüßt wird man aber erst einmal von einem geeisten Kürbislolli, einer Hippe mit Parmesanschaum, einer Tube voller Frischkäse und einem Medizinfläschchen, mit dessen Pipette man mallorquinisches Olivenöl aufs Brot träufelt, um es dann mit Liebstöckelsalz zu bestreuen – ein schöner Kontrast zum mittelalterlichen Ambiente, den eine Rote Garnele mit Mango-Chutney noch verstärkt, wobei die tropische Frucht von einer angenehmen, das zarte Krustentier zu keinem Zeitpunkt tyrannisierenden Schärfe im Zaum gehalten wird.

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