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Restaurant „Facil“ : Das Leben ist schon kompliziert genug

Ein im Grunde ganz einfacher Teller, der dank seiner präzisen Dosierung zu einem vielschichtig filigranen Gang wird. Bild: The Mandala Hotel

Ein Name, ein Programm: Michael Kempf und Joachim Gerner machen es in ihrem Restaurant „Facil“ in Berlin den Gästen leicht, ihre Küche zu verstehen. Die Kolumne Geschmackssache.

          3 Min.

          Der Potsdamer Platz ist die erstaunlichste Leistung der Stadtplaner und Architekten im wiedervereinigten Berlin. Denn hier haben sie etwas eigentlich Unmögliches vollbracht: ein riesiges Areal im Herzen der Hauptstadt ohne Not und Zwang ausschließlich mit missratenen, belanglosen oder präpotenten Gebäuden zu möblieren und so ein Sammelsurium der Scheußlichkeiten zu schaffen, das in Europa einmalig ist.

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Auch dreißig Jahre nach dem Mauerfall läuft man noch kopfschüttelnd durch diese Beliebigkeit bar jedes urbanen Flairs und will die Hoffnung schon fahren lassen, als sich plötzlich eine unscheinbare Glastür öffnet. Sie führt ins Mandala, dessen Lobby eher an den Warteraum einer Arztpraxis als an das Entrée eines Luxushotels erinnert, doch zum Glück gibt es einen Aufzug, der uns in die fünfte Etage bringt. Dort betreten wir den gläsernen Pavillon des Feinschmeckerrestaurants „Facil“ mit seinem eleganten Marmorboden und dem Bambuswäldchen ringsum, der uns fast mit dem Potsdamer Platz versöhnen könnte.

          Die Begrüßung durch das Personal ist allerdings ein wenig spröde, und als wir auch noch mit einem einzigen Amuse-Bouche abgespeist werden, einem nicht sonderlich sensationellen Quinoa-Salat mit Quitten-Wacholder-Sorbet, schicken wir endgültig ein Stoßgebet gen Himmel – ohne zu ahnen, dass wir uns drei Stunden später mit dem größten Wohlgefallen vom Tisch erheben werden.

          Das junge Urgestein

          Schuld daran sind Gerichte wie das Wagyu-Roastbeef der australischen Züchterlegende David Blackmore, das nicht nur so kostbar wie Veroneser Marmor aussieht und nicht nur so zart wie ein Kuss der Julia Capulet schmeckt, sondern auch mit viel Feingefühl aromatisch kontrastiert wird: mit Avocadowürfeln und einer Tomatenmarmelade, mit einem dezenten Sud aus peruanischen Ceviche-Aromen und der orientalischen Gewürzmischung Baharat, die einen Hauch von Kreuzkümmel und Kardamom, Zimt und Muskatnuss um das Fleisch wehen lässt. Die Geschmäcker von gleich drei Weltgegenden setzen sich hier ins beste Benehmen, denn sie alle beherrschen die Kunst der Zurückhaltung, ohne sich selbst zu verleugnen.

          Bunte, aber ausgewogene Mischung im „Facil“ am Potsdamer Platz in Berlin.

          Und sogar eine vermeintliche olle Kamelle wie die Jakobsmuschel wird im „Facil“ zu einem kunstvollen Genuss, weil sie mit einem Schaum aus Passionsfrucht und Buttermilch und einer Creme aus Kieler Sprotten und Fave-Bohnen zu einem hochkomplexen Gericht nobilitiert wird – und nicht nur das: Sie ist auch gepickelt, verliert dadurch ihre penetrante Süße und kann so viel besser mit der verschwenderisch bemessenen Nocke aus Imperial-Kaviar harmonieren, die das einsame Amuse-Bouche endgültig vergessen lässt.

          Das „Facil“ ist trotz seines vergleichsweise jungen Alters ein Urgestein der Berliner Spitzengastronomie, was wiederum dem Schwaben Michael Kempf und dem Oberösterreicher Joachim Gerner zu verdanken ist. Kempf übernahm 2003 das Restaurant, nachdem er zuvor bei Kochlegenden wie Lothar Eiermann, Dieter Müller und André Jaeger gearbeitet hatte. Er erkochte sich sofort einen Michelin-Stern, zehn Jahre später einen zweiten und hat 2015 seinen Souschef Gerner zum Küchenchef befördert, während er selbst als Küchendirektor jetzt die gesamte Gastronomie des Mandala verantwortet. Die Karte schreiben die beiden aber zusammen, wobei sie sich anderthalb Monate lang Zeit zum Experimentieren und Perfektionieren lassen.

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