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Gerd Bulthaup : Ein Pionier der Küchenwelt

Gerd Bulthaup war über 30 Jahre als geschäftsführender Gesellschafter verantwortlich für die Marke, das Design und die Distribution der Bulthaup GmbH & Co KG, von 2003 an Aufsichtsrat und Gesellschafter des Unternehmens. Bild: Bulthaup

Gerd Bulthaup galt als visionärer Geist der Küchenwelt. In das von seinem Vater gegründete Unternehmen wollte er jedoch nicht immer einsteigen.

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          Eigentlich wollte er Architekt werden. Doch dann entschied sich Gerd Bulthaup 1976, in das von seinem Vater gegründete Unternehmen einzusteigen. Die Martin-Bulthaup-Möbelfabrik hatte zunächst Küchenbuffets hergestellt und gerade eine erste Einbauküche herausgebracht. Mit der damaligen Bedeutung des Raums Küche – klein, abgetrennt, rein funktional – war Gerd Bulthaup allerdings unzufrieden. „Wir wollten schlichtweg die besten Küchen machen, uns nicht an Vorhandenem orientieren, sondern Neues von Nutzen erfinden, einen Lebensraum für Begegnung und Kommunikation schaffen“, so beschrieb er einmal seine Ambitionen.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Um seine Ideen umzusetzen, holte Bulthaup in den achtziger Jahren den Designer Otl Aicher an seine Seite, den Mitbegründer der Hochschule für Gestaltung Ulm. Gemeinsam trieben die beiden das Konzept einer offenen Wohnküche voran, bei der die Kommunikation eine wichtige Rolle spielen sollte. So entwickelten sie beispielsweise die Küchenwerkbank. Die 1988 vorgestellte Edelstahl-Kombination aus Kochstelle, Spülbecken und Arbeitsfläche war gewissermaßen der Vorläufer der heutigen Kochinsel. Mit dem Fokus auf ergonomische, schlichte Küchen in der Bauhaus-Tradition gelang es, das Unternehmen Bulthaup zu einem Luxusküchenanbieter mit hohem Designanspruch auszubauen.

          „Gerd Bulthaup hatte ein untrügliches Gespür für Marke und Qualität – und war darin kompromisslos im besten Sinne“, erinnert sich Leo Lübke, Inhaber des Polstermöbelfabrikanten Cor. Über viele Jahre hinweg traf er Bulthaup immer wieder im „Designkreis“, dem auch die Anbieter Erco (Leuchten), Dornbracht (Sanitärarmaturen) und Lamy (Schreibgeräte) angehören.

          Längst gelten die zeitlosen Bulthaup-Küchen als Statussymbole. Mit Preisen von 30.000 Euro an aufwärts richten sie sich an eine gutverdienende Kundschaft. Für den Vertrieb in 57 Ländern sorgen 13 eigene Showrooms und 270 Handelspartner. Rund 80 Prozent des Umsatzes von zuletzt 140 Millionen Euro erzielt der im niederbayerischen Aich im Landkreis Landshut ansässige Hersteller im Ausland. Nach wie vor befindet sich die Bulthaup GmbH & Co KG in Familienhand, während etwa Poggenpohl zur Münchner Industrieholding Adcuram und Siematic mehrheitlich zur Nison-Gruppe aus China gehören.

          Aus dem operativen Geschäft zog er sich 2003 zurück. Anschließend war Gerd Bulthaup, den Weggefährten als bescheiden, warmherzig und aufgeschlossen beschreiben, in Aufsichtsrats- und Beiratsfunktionen tätig. In der Geschäftsführung folgten zunächst externe Manager. Seit 2010 steht wieder ein Familienmitglied an der Spitze – Marc Eckert, Enkel des Firmengründers und Neffe von Gerd Bulthaup. Am 1. August ist Bulthaup im Alter von 75 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. „Er hatte den Mut, konsequent ganz neue Wege zu gehen und Produkte zu schaffen, die zu Meilensteinen in der Geschichte der Küche wurden“, hieß es in der Traueranzeige.

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