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Wien : Es lebe das Beisl!

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Wehrgasse 9, 1050 Wien (5. Bezirk), Telefon 00 43/1/5 87 83 65, Bewertung: **
Wehrgasse 9, 1050 Wien (5. Bezirk), Telefon 00 43/1/5 87 83 65, Bewertung: ** : Bild: Fabian Lange

Prinz Ferdinand: Alt auf neue Weise

Im achten Bezirk duckt sich ein altes, zweigeschossiges Hutzelhaus aus den Zeiten, als die Bezirke noch Dörfer vor den Stadttoren Wiens waren, im Schatten der ungleich größeren und modernen Nachbarbebauung. Es ist einfach verschluckt worden und übriggeblieben, als die Josefstadt sich nach und nach vom Ring aus ins Umland gefressen hat. Vor dem „Prinz Ferdinand“ aber erstreckt sich ein kleiner Laubwald aus Kastanien und Linden, mitten in der Stadt: der Bennoplatz. Mittendrin, kaum zu glauben, ein echter Gastgarten. Das „Prinz Ferdinand“ ist eigentlich kein richtiges Beisl, mehr ein Wirtshaus, aber so authentisch, dass es den Besuch auch für Beisl-Pilger lohnt. Drinnen blieb alles beim Alten, wurde aber saniert und neu gestrichen. Und so ist auch das Essen überzeugend: Die Brotauswahl ist hausgemacht und warm, dazu werden Topfenaufstrich, Kapernbeeren und Sardellen serviert. Den Gastgarten mit seinen grünen Klappstühlen aus Holz beleuchten Petroleumlampen - und von oben sackt die Abendkühle in der Dämmerung durch die Blätter hinab.

Das Bier (Kapseiter und Budweiser) wird in anständigen Krügerln serviert und nicht in diesen albernen deutschen Pilsgläsern mit Fuß und Stiel. Dazu gibt das fette und leicht angeräucherte Mangalitza-schwein-Karrée im Stile eines Vitello Tonnato ein ideales Bier-Essen ab. Der kalte Rindfleischsalat mit Kernöl und roten Zwiebeln begleitet den hauchdünnen und saftigen Tafelspitz ohne Essig, nur mit einer Spur Salz. Brillant gemacht!

Drinnen im ungeheuer heimeligen Gastraum hat man einen Blick auf die Waschbetonfassaden der „Neuen Heimat“, die in Österreich anscheinend nicht untergegangen ist. Das Butterschnitzel vom Maibock entpuppt sich als Faschiertes, also als saftiges Hacksteak. Es wird begleitet von einer intensiven Pilzsauce und Erdäpfelpüree - bodenständig und exzellent gemacht. Der Rotwein „Heideboden“ von Paul Kerschbaumer liefert dazu eindringliche, fast schon körperliche Frucht. Ein Wein mit feiner Vollausstattung (Brombeere, Heidelbeere, Kirschen) und nicht der übliche flüssige Lebkuchen. Leider nur war das Stubenküken zu lang der Hitze ausgesetzt und entbehrte jeglicher Finesse. Der Käse von Arlberger Sennereien (Kuh, Schaf und Ziege; weich, hart und blau) aber ist eine Wallfahrt: scharf, expressiv, explosiv. Wow!

Das „Prinz Ferdinand“ mit seiner dunklen Vertäfelung und den weißen Milchglaskugellampen ist ein typisches Quartierslokal, sehr gut in Schuss gehalten. Es lebt vor allem von den Menschen, die hier wohnen - in dieser Beziehung trifft es das Prinzip Beisl auf den Kopf: Hier fanden und finden die Zugewanderten eine kulinarische Heimat, ihr Wohnzimmer zur Nachbarschaftsverpflegung.

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