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Weine aus Neuseeland : Eleganz vom Ende der Welt

Die wichtigste rote Sorte Neuseelands ist Pinot Noir

Ein anderer Deutscher, Günter Thies, ist erst seit 2006 am anderen Ende der Welt tätig. Der langjährige Gutsverwalter von Schloss Vollrads im Rheingau ist General Manager bei Elephant Hill, einem von vielen nagelneuen Weingütern im Kiwi-Land. Er lobt neben den perfekten Anbaubedingungen auch den Pioniergeist in der neuseeländischen Weinszene. Den hat übrigens auch Judd noch: Er will es mit seinem neuen Weingut Greywacke noch einmal wissen.

Die wichtigste rote Sorte Neuseelands ist Pinot Noir, dessen Anbaufläche sich in den vergangenen zehn Jahren fast verfünffacht hat, am Gesamtkuchen aber immer noch kaum zehn Prozent ausmacht. Einer der renommiertesten Erzeuger, das Weingut Felton Road in Bannockburn, hat in einem Gebiet seine Heimat, das typisch für die neuseeländische Weinbau-Entwicklung ist: Während einige Regionen wie Auckland oder Hawke’s Bay auf der Nordinsel zumindest auf eine gewisse Geschichte zurückblicken konnten, war Otago im Südwesten der Südinsel lange ein weißer Fleck auf allen Weinkarten.

In den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts waren in einem Goldrausch die ersten Siedler in die landschaftlich beeindruckende Gegend geströmt, knapp 130 Jahre später löste dann der Österreicher Rudi Bauer mit einem Tropfen, den er für das junge Weingut Rippon in Wanaka gekeltert hatte, eine Art Burgunder-Rausch aus: 1991 gewann der Winzer aus dem Alpenland mit seinem Pinot Noir einen ersten Preis - dann gab es kein Halten mehr, und schon bald zogen zahllose andere Weinmacher in die abgelegene Gegend, die heute das südlichste Anbaugebiet der Welt ist. Bauer hat längst seinen eigenen Betrieb, Quartz Reef, und seine kraftvollen und dennoch vergleichsweise herben und eleganten Tropfen, die eher an einen deutschen Spätburgunder als an einen Pinot Noir aus dem Burgund erinnern, sind wie die Weine der Kollegen von Felton Road weltweit begehrt.

Viele neuseeländische Weine haben einen Schraubverschluss

Die Innovationskraft und Neugierde der Winzer in Neuseeland ist für Andrew Connor eine ihrer großen Stärken. „Wir haben zwar keine tausendjährige Weingeschichte wie die Europäer“, sagt der Sommelier, „dafür aber viele Ideen und eine große Aufgeschlossenheit neuen Dingen gegenüber.“

Ein Beispiel dafür ist vielleicht der Umgang mit Korken: Während sich die meisten Winzer in Europa angesichts der Probleme mit dem Naturprodukt nur langsam von ihrem Traditionsverschluss trennen können, haben die Neuseeländer längst Fakten geschaffen. Bei ihnen tragen inzwischen 85 Prozent der Flaschen einen Schraubverschluss. Und auch bei den Rebsorten tut sich etwas: Neben Sauvignon Blanc, Pinot Noir und Chardonnay sind seit einigen Jahren auch Merlot, Syrah, Cabernet Sauvignon, Pinot Gris und selbst Gewürztraminer im Kommen. Vielleicht kann Andrew Connor seinen Gästen im „Fischers Fritz“ in Berlin eines Tages sogar einen neuseeländischen Riesling anbieten. Karl-Heinz Johner, der Winzer vom Kaiserstuhl mit Wahlheimat Wairarapa, hat schon einen im Angebot.

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