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Verbraucher : Gourmets bei Unilever: Ein Test mit Nachspiel

  • -Aktualisiert am

Nudeln mit Tüten-Bolognese: „Schlabberig. Da war die Tomatensuppe besser.“ Bild: Florian Sonntag

Unsere Gastrokritiker, die Brüder Lange, hatten Produkte von Unilever im Test durchfallen lassen. Nun hat Unilever zum Gegenschlag ausgeholt. Ein Besuch in Hamburg.

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          Die Deutschland-Zentrale des Lebensmittelkonzerns Unilever wirkt wie ein Raumschiff, das jemand am Ufer der Elbe geparkt hat: riesig, glasig, schnittig. Der Konzern hat Fabian und Cornelius Lange, zwei der Gourmet-Kritiker der Sonntagszeitung, hierher eingeladen; die beiden Brüder hatten Fertigsoßen getestet, und dabei waren auch einige Knorr-Produkte aus dem Hause Unilever schlecht weggekommen. (Titel des Artikels „Aromatisierter Staub“.) Das will der Konzern nicht auf sich sitzenlassen und bietet für die Überzeugungsarbeit heute gleich eine PR- sowie eine Marketing-Dame, einen Herrn aus dem hauseigenen Entwicklungszentrum und einen Koch auf. Das Geschmackstreffen soll mit einer „Knorr Strauchtomatensuppe“ beginnen. Daneben gibt es eine frisch gekochte Suppe aus echten Strauchtomaten.

          Unilever: Mit der Strauchtomaten-Suppe sind wir Testsieger unter vergleichbaren Suppen. Darauf sind wir stolz, und das schreiben wir auch drauf: die Nummer eins.

          Cornelius studiert die Packungsaufschrift, liest laut und stutzt: Nur zwei bis drei Prozent von 40 Gramm sind Olivenöl. Und sehr viel Salz ist auch drin.

          Die Reste des Geschmackstreffens Bilderstrecke
          Die Reste des Geschmackstreffens :

          Unilever: In unserem Werk in Heilbronn nehmen wir das Fein-Tuning für unsere Suppen vor. Die Frage ist: Wie muss eine Suppe für die deutsche Zunge schmecken . . .

          Cornelius: DIE deutsche Zunge gibt es nicht, oder sie ist zumindest schwer zu finden.

          Unilever: Es gibt den Mainstream und Trends. Wir wollen den Salzgehalt reduzieren. Aber bei den Verbraucher-Tests und Blindverkostungen schmeckt dem Gros der Leute eben Suppe C am besten - wo am meisten Salz drin ist. Danach richten wir uns. Unsere Bio-Range mussten wir einstellen, weil sie sich nicht verkauft hat. Wir sind keine Weltverbesserer, sondern ein Unternehmen.

          Inzwischen stehen zwei Teller nebeneinander auf dem Tisch, die frische Tomatensuppe und die aus der Tüte. Die Brüder Lange löffeln los. Die sei gut gemacht, lobt Fabian die frische. Dann nimmt er einen Löffel voll von dem Knorr-Produkt und ist zunächst positiv überrascht. Die lägen gar nicht so weit auseinander, sagt er.

          Fabian: Optisch erfüllt sie die Ansprüche. Das Aroma ist stark bearbeitet, final übrig bleibt: Fisch, Säure, eine dumpfe und erdige Note. Und ja, etwas Olivencharakteristik kommt durch. Unilever: Wir produzieren für die Allgemeinheit. Dass wir einen „Ersatz“ anbieten, dem widersprechen wir nicht. Im Durchschnitt kaufen die Leute drei Suppen - und nicht zum Freunde-Verwöhnen.

          Cornelius: Die Leute haben durch ihre Produkte eine Erwartung an die Optik einer Suppe. Da muss man erst mal herankochen. Ihr Problem ist doch: Sie haben mit ihrem Pulver einen Perfektionsgrad erreicht, mehr geht nicht. Sie verwalten nur noch ein Erbe.

          Unilever: Nein, wir befinden uns auf einer Reise. Da muss noch mehr gehen. Wir haben hohe Anforderungen an unsere Lieferanten, die wir auch beraten in Sachen Anbauzeit, Bewässerungssysteme et cetera. Wir beziehen keine holländischen Gewächshaustomaten.

          Die Langes graust es ein bisschen beim Gedanken daran, wie die frischen Tomaten in den trockenen Pulverzustand überführt werden. „Warum muss das in so etwas münden?“, sagt Cornelius und raschelt mit der Tüte. Fabian fällt auf, dass „auf der Verpackung fünfmal die Worte Natur und Nachhaltigkeit vorkommen“. Das Kleingedruckte auf der Packung sei „irreführend“. Er stört sich zudem an den Zutaten Aroma und Hefextrakt.

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