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Szenetrend Rohkost : Rohe Revolution

  • -Aktualisiert am

„Schub an Vitalität und Wohlbefinden“

Ein echter Star der Szene ist der Schweizer Urs Hochstrasser. Veranstaltungen wie die „Rohvolution“ sind ohne einen Vortrag oder einen Workshop des 58 Jahre alten Fünf-Sterne-Kochs kaum mehr vorstellbar. Vor gut zehn Jahren erfand er das Mandelpüree auf Rohkostbasis, seine bekannteste Kreation, bis heute ein Bestseller. Hochstrasser steht für Gourmet-Rohkost die keinen Vergleich mit herkömmlicher, also gekochter, Haute Cuisine scheuen muss. Rote Bete-Avocado-Creme, Erdbeer-Tiramisu auf Cashewkernbasis, Zucchetti an Apfel-Zimt-Sauce; die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Als der gelernte Koch vor fünfundzwanzig Jahren in der Bircher-Benner-Klinik hospitiert, die einst von Maximilian Oskar Bircher-Benner, dem Erfinder des berühmten Bircher-Müslis, gegründet wurde, sieht er aus nächster Nähe, welche Folgen jahrelange falsche Ernährung haben kann. Er entschließt sich zu einem Selbstversuch: Er gibt sich zwei Monate, um sich von den Vorzügen der Rohkost zu überzeugen. „Nach ein paar Tagen bemerkte ich bereits einen Schub an Vitalität und Wohlbefinden. Als der erste Monat herum war, wusste ich bereits, ich würde nie wieder zurückkehren zu gekochtem Essen.“

Er reist in die Vereinigten Staaten, besucht Ernährungsinstitute und Universitäten, unter anderem das Hippocrates Institute. Er entwirft erste Rezepte der Gourmet-Rohkost, die in der noch jungen amerikanischen Szene euphorisch aufgenommen werden. Als er Monate später nach Europa zurückkehrt, gilt er als Vorreiter, als Pionier der Raw Food-Bewegung. Heute bietet er weltweit Seminare an, entwirft neue Rezepte und feilt an innovativen Produktideen.

Inzwischen, sagt Hochstrasser, sei Rohkost selbst in Deutschland längst über eine Modebewegung, einen kurzfristigen Hype, hinaus. Vegetarier und mittlerweile auch Veganer seien schließlich auch längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Und die Erkenntnis, dass man durch Erhitzen Nährstoffe abtöte, erscheine den meisten Menschen heutzutage auch nicht mehr abwegig. „Was fehlt, ist der Mut, seine Vorurteile hinter sich zu lassen und ein wenig Neugierde.“ Die raffinierten Menüs der Gourmet-Rohkost, so Hochstrasser, können dazu beitragen, dass Hemmschwellen überwunden werden.

In Amerika ist Raw Food inzwischen zum Trend-Lifestyle der Stars und Sternchen avanciert. Madonna, Charlize Theron, Bill Clinton; sie alle ernähren sich nur noch raw - behaupten sie zumindest. Allein in Los Angeles gibt es über vierzig Raw Food-Restaurants.

Davon ist man in Deutschland noch weit entfernt. Immerhin: Fünf reine Rohkostrestaurants haben inzwischen in Berlin eröffnet; und die meisten Vegetarier- und Veganer-Restaurants bieten eine Palette ungekochter Menüs an. Die Zeiten, in denen man eine ausgekühlte Kartoffel, einen Apfel und eine Möhre vorgesetzt bekam, wenn man sich schüchtern nach einem Rohkostmenü erkundigt hat, sind jedenfalls vorbei.

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