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Sternekoch Tim Raue : „Wir essen Ente“

  • Aktualisiert am

Erst vor Kurzem erhielt der 38 Jahre alte Koch aus Berlin seinen zweiten Stern. Bild: Jens Gyarmaty

Sternekoch Tim Raue hat in diesem Jahr seinen zweiten Stern im Michelin-Führer erhalten. Im Interview spricht er über sein Weihnachts-Trauma, private Kochgewohnheiten und Übergewicht.

          4 Min.

          Herr Raue, freuen Sie sich auf Weihnachten?

          Kein bisschen. Ich habe ein Weihnachts-Trauma, weil es der einzige Tag im Jahr war, an dem bei uns zu Hause so getan wurde, als sei die Welt in Ordnung, und als ob mich keiner verprügelt hätte. Inzwischen habe ich meine Eltern seit mindestens zwölf Jahren nicht mehr gesehen. Ich weiß auch nicht, ob sie noch leben oder schon gestorben sind. Ist mir auch egal. Zu meinen Großeltern habe ich noch Kontakt. Aber die wissen, dass sie mich Weihnachten am besten in Ruhe lassen.

          Wie werden Sie also dieses Jahr Weihnachten verbringen?

          Für uns ist der 24. Dezember ein Tag der Besinnung, an dem wir zu Hause das Jahr Revue passieren lassen und uns viel unterhalten. Dazu gibt es eine Flasche Weißburgunder, der seine Nuancen erst mit der Zeit zeigt. Weihnachten ist kein Champagner-Tag.

          Und was gibt es bei Ihnen zu essen?

          Wir essen an Weihnachten Ente. Nicht im klassischen Sinne mit Rotkohl und Klößen. Sondern etwas leichter, ohne Sättigungsbeilagen, weil wir meist erst spät im KaDeWe gefrühstückt haben oder zu Hause geräucherten Lachs mit Baguette gegessen haben.

          Wieviel Aufwand sollte man fürs Weihnachtsdinner betreiben?

          Die Leute sollten lernen zu reduzieren. Nicht sechs Beilagen kochen, sondern
          lieber den Fokus auf eine Sache legen. Weihnachten ist nicht dazu da, sich fertig zu machen. Als Dessert kann man zum Beispiel einfach beim Bäcker einen winterlichen Apfelkuchen mit Rosinen und Mandeln kaufen. Ende.

          Bedeutet Ihnen der religiöse Hintergrund von Weihnachten etwas?

          Ich bin christlich aufgewachsen, habe meine Jugend aber zum Großteil mit
          arabisch- und türkischstämmigen Jugendlichen in Kreuzberg verbracht. Heute lebe ich weitestgehend nach dem buddhistischen Glauben.

          Und wie verbringen Sie die Feiertage?

          Meine Frau geht zu ihren Eltern. Ich bleibe lieber zu Hause und räume mein Büro auf oder sortiere meine E-Mails. Allerdings schreibe ich weder Rezepte noch beschäftige ich mich sonstwie mit dem Kochen.

          Was sagen Ihre Stammgäste dazu, dass Sie Weihnachten geschlossen haben?

          Das ist uns egal. Weihnachten passt ja auch nicht wirklich zu unserem Angebot. Bei uns gibt es keinen Braten oder Pommes für die Kinder. Dafür haben wir schon vom 27. Dezember an und immer an Neujahr auf.

          Und wann machen Sie richtig Urlaub?

          Wir machen jedes Jahr drei Wochen Urlaub. Wenn wir Sonntag und Montag geschlossen haben, nutzen wir das für Ausflüge. Wenn ich nach Asien fliege, nehme ich mir zwei weitere Tage frei. Aber länger als zweieinhalb Tage halte ich mich nicht in Hongkong auf. Allerdings esse ich in dieser Zeit mindestens dreimal zum Lunch und dreimal zum Dinner. Das reicht.

          Kochen Sie auch privat aufwendig?

          Gar nicht. Es gab mal eine Phase, als wir uns unseren Hund zugelegt haben und ich für ihn gekocht habe – Entenmägen, Hühnerherzen, Rinderfilet. Das goutierte sie aber gar nicht so. Inzwischen bekommt unsere Hündin Fertigfutter. Aber ehrlich, wir sind gerne Gäste. Wenn wir frei haben, gehen wir immer essen.

          Werden Sie noch von Ihren Freunden zum Essen eingeladen?

          Das ist jedes Mal so unentspannt, wenn die Freunde sich beim Kochen übertrieben Mühe geben. Man kann ja auch nicht sagen, dass man einen Rennfahrer nicht als Beifahrer haben will. Ich bin ein ganz relaxter Gast. Was mir nicht schmeckt, esse ich einfach nicht.

          Woher kommt Ihr Hang zur asiatischen Küche?

          Ich war von 2003 bis 2008 als weltweiter Küchendirektor im Swissôtel beschäftigt, wofür ich häufig in deren Headquarter in Singapur war, aber auch oft in Tokio, Bangkok und Hongkong. Dort habe ich immer mit den Jungs aus der Stadt gegessen und war fasziniert davon, dass man nicht als Pärchen zu zweit rumhockt, sondern in einer kleinen Gruppe, in
          der man seine Gerichte teilt. Deswegen versuchen wir hier im Restaurant eine Atmosphäre zu schaffen, dass sich auch größere Gruppen wohlfühlen.

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