https://www.faz.net/-hs0-787aq

Deutsche Spitzenweine im Test : Einmal die Großen, bitte!

  • -Aktualisiert am

Drei Sterne: Weine von Künstler und Sauer. Bild: Dieter Rüchel

Der Verband deutscher Prädikatsweingüter hat wieder die besten Weine des Landes prämiert. Wir haben die Elite des deutschen Weinbaus verkostet – mit manch überraschendem Ergebnis.

          Jetzt sind sie alle draußen, die „Großen Gewächse“ des VDP. Hinter diesem Kürzel verbirgt sich der Verband deutscher Prädikatsweingüter, ein alteingesessener deutscher Winzerverein, der für sich in Anspruch nimmt, die besten Weingüter Deutschlands zu repräsentieren. Die Weine mit dem Zusatz „Großes Gewächs“ stellen die Spitze der Qualitätspyramide dar und stammen aus den besten Lagen. Sie bekommen eine Extraportion Lagerzeit, bevor sie in den Verkauf kommen dürfen, und so sind die „Großen Gewächse“ des Jahrgangs 2011 erst gegen Ende 2012 im Verkauf. Sie dürften nun alle Kinderkrankheiten einer zu frischen Füllung hinter sich haben. Und da der 2011er Jahrgang als sehr reif, gesund und hochwertig gilt, müssten die Weine jetzt optimal dastehen.

          Zum „Großen Gewächs“ gehören außerdem ein besonders niedriger Ertrag, höhere Traubenreife, eine Extra-Verkostungsrunde zur Weinprüfung und die Spitzenlage. Um die Klassifikation zu rechtfertigen, hat der Verband auch Wachstums- und Klimabedingungen in den klassifizierten Lagen untersucht. Und doch bleibt hier immer ein Geschmäckle, schließlich ist das „Große Gewächs“ des Winzerclubs so angelegt, dass jeder Mitgliedsbetrieb eine Spitzenlage aus seinem Portfolio vorschlagen darf. Und – siehe da, auch in praktisch jedem Betrieb ist mindestens eine Lage gefunden und klassifiziert worden.

          So kommt es, dass neben den seit Urzeiten anerkannten Spitzenlagen wie Erbacher Marcobrunn, Forster Kirchenstück, Scharzhofberger oder Homburger Kallmuth auch Lagen dazuzählen, die vor zwanzig Jahren noch völlig unbekannt waren. Das riecht nach Proporz. Dass so manches Winzergenie auch in zweit- oder drittklassigen Lagen ausgezeichnete Weine erzeugen kann, ist unbestritten. Doch sind das dann auch wirklich Spitzenlagen? Da bleibt ein nagender Zweifel über die Aussagekraft der Lagenklassifikation. Möglicherweise wird die Nomenklatur nur um ihrer selbst willen durchgeführt, und am Ende werden durch die zahlreichen neuernannten Spitzenlagen die wahrhaft großen Lagen entwertet.

          Wir haben eine Auswahl der Weine aus unterschiedlichen Regionen offen verkostet, wussten also, welcher Wein von welchem Erzeuger im Glas war. Dabei sind wir auf eine große Bandbreite gestoßen, die zeigt, dass reife Jahrgänge wie 2011 auch in der Spitze keine Selbstläufer sind: Viel Zucker in den Trauben bedeutet am Ende auch viel Alkohol im Wein. Und hohe Reife bringt so manches Mal auch Weichheit und Melancholie mit sich. Hinzu kommt, dass die „Großen Gewächse“ deutlich teurer sind als nicht klassifizierte Weine aus vergleichbaren Lagen. Was wiederum einmal mehr zeigt,  dass „teuer“ beim Weine nicht automatisch „besser“ heißt.

          Silvaner

          ✱✱ 2011 Kallmuth. Fürst Löwenstein, Franken: Grün-kräuteriger Duft nach Muschelkalk. Wirkt sahnig. Trocken-herber, säurebetonter Geschmack, salziges Finale, etwas bitter. Komplex anhaltend, keine Süße. Charakterkopf. Salzig ohne Ende. Hat Kraft, eindrucksvoll. Groß. Bezug über: www.loewenstein.de, ca. 25 Euro.

          Weitere Themen

          Der Sonnenkönig hat abgedankt

          Weingut Andreas Laible : Der Sonnenkönig hat abgedankt

          Kaum acht Hektar bewirtschaftet Andreas Laible in der Ortenau, doch die haben es in sich: Was er aus dem Bühl und dem Schellenberg in die Flasche füllt, gehört zu den Glücksmomenten des badischen Weinbaus. Die Kolumne Geschmackssache.

          Dior im Modezirkus Video-Seite öffnen

          Haute Couture Fashion Week : Dior im Modezirkus

          Eine fantasievolle Kollektion für Frühjahr/Sommer 2019 inspiriert von Zirkus und Theater wurde im Garten des Rodin-Museums am ersten Tag der Haute Couture Fashion Week gezeigt.

          „Berlin ist nicht Paris“ Video-Seite öffnen

          Videokommentar zur Modewoche : „Berlin ist nicht Paris“

          Große deutsche Marken haben sich leider zurückgehalten. Dennoch müsse niemand enttäuscht sein, denn im Sommer wird die Fashionweek wieder ein größeres Aushängeschild, bewertet F.A.Z.-Redakteur Alfons Kaiser.

          Topmeldungen

          Kamala Harris : Patriotisch gegen Trump

          Kamala Harris ist die neueste Kandidatin, die 2020 gegen Donald Trump antreten will. Sie war die zweite schwarze Senatorin in der Geschichte des Landes und will als erste Präsidentin abermals Geschichte schreiben.
          Charlotte Brontës junge Heldin war beim Blättern in einem Buch glücklich wie selten. Diese speziell dafür vorbereitete Ausgabe von „Jane Eyre“ lässt sich nach der Lektüre so falten, dass – wahlweise — eine Aufforderung oder eine Verlockung zu lesen ist.

          Erklärung von 130 Forschern : Zur Zukunft des Lesens

          Bildschirme und bedrucktes Papier sind als Lesemedien nicht gleichwertig: Mehr als 130 Leseforscher aus ganz Europa haben eine Erklärung zur Zukunft des Lesens im Zeitalter der Digitalisierung unterzeichnet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.