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Rückkehr der Bowle : Der Besuch der Kalten Ente

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In der rehabilitierten Bowle sind Früchte tabu

In der rehabilitierten Bowle sind Früchte tabu Bild:

Das Pendant zum Nudelsalat verlangt eine Rehabilitation: Vorbei die Zeiten der Cocktailfrüchte und Plastikbecher. Die Bowle kehrt als stilvoller Durstlöscher zurück und überzeugt mit Duftkräutern in Kristallgläsern.

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          Bei Temperaturen, bei denen das Leben fast zum Stillstand kommt und der Garten zum Wohnzimmer wird, ist die Zeit für Kaltgetränke aller Art gekommen. Und plötzlich fällt er einem wieder ein, der etwas aus der Zeit gerutschte Durstlöscher: die gute alte Bowle, jene Kaltschale, die ihre erfrischenden Reize besonders vorteilhaft im Sommer entfaltet. Man muss nur ein paar Kleinigkeiten beim Zubereiten und Servieren beachten, und schon wird dieses in die Jahre gekommene Getränk wieder zu dem, was es einmal war: stilvoll und elegant.

          Wenn es um die Bowle heute schlecht bestellt ist, dann liegt das an den vielen Mutationen, die das Partybuffet hervorgebracht hat - meistens in Tateinheit mit Nudelsalat, bei dem man leider ja auch nicht weiß, was genau drin ist. Bei der Bowle galt viel zu lange Zeit die Devise: Hauptsache, bunt. Die Folge: an der Oberfläche dümpelnde Fremdkörper, vom Alkohol aufgedunsene, leblose Cocktailfrüchte aus der Dose, die schon tot waren, als sie ins Blech gefüllt wurden

          Richtige Zutaten und eine stilvolle Präsentation

          Es wird also Zeit für eine Rehabilitation, heiß genug ist es ja. Eine gute Bowle setzt sich aus Inhalt und Form zusammen; beides ist untrennbar miteinander verbunden. Es ist eben nicht egal, ob man schlichten Prosecco zum Aufgießen nimmt oder guten Sekt oder einer Flasche Moselwein die Ehre zuteil werden lässt, im geschliffenen Kristall zu schillern. Wer sich mit einer Bowle das Licht möglichst schnell ausknipsen will, mischt einfach eine Flasche Wodka, eine Dose Red Bull und eine Tüte Gummibärchen. Das ist dann klassisches Komasaufen und hat nichts mehr mit dem ursprünglichen Konsumanlass zu tun, zu dem dieses Kulturgetränk einstmals in den Rang einer erfrischenden Delikatesse erhoben wurde, als das böhmische Kristall in den Salons noch tonangebend war.

          Kommen wir also zur adäquaten Bühne für die Bowle. Denn genauso wichtig wie die richtigen Zutaten ist die stilvolle Präsentation. Es gibt zwei grundsätzliche Formen: zum einen die Bowle als Schalenform, aus der mit der Kelle in Gläser geschöpft wird. Und nicht etwa in Plastikbecher, auf denen alle Gäste ihre Namen mit Eddingstiften verewigen. Und es gibt Karaffen, bauchige, nach oben schlank zulaufende Glasgefäße mit einem schnabelartigen silbernen Ausgießer, für die der Volksmund den Spitznamen "Kalte Ente" erfand. Diese Karaffen besitzen oft einen arretierbaren Glaszylinder, in den kühlendes Eis gefüllt wird, der wiederum in den Bauch der Ente versenkt wird. Früher stand je bürgerlichen Haushalt im Schnitt eine Kalte Ente in den Buffets. Wir fragen uns, wo die nur alle geblieben sind: Polterabend? Haushaltsauflösungen? Keller?

          Eine Kalte Ente schmeckt frisch am besten

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