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Katermenüs : Der Tag danach

  • -Aktualisiert am

Es muss nicht immer grobe Kost nach dem Kater sein. Bild: Jens Gyarmaty

Für den Kampf gegen den Kater gibt es viele Hausmittel. Die einen kasteien sich mit Zwieback, die anderen mit Matjesfilet. Doch auch nach einem rauschenden Fest muss es nicht immer nur grobe Kost sein. Die besten Katermenüs.

          3 Min.

          Nach einer durchzechten Nacht ist sich jeder selbst der Nächste. Zwar mag es längst nicht so ellenbogenhaft zugehen wie sonst, doch hat fast ein jeder sein persönliches Hausmittel parat, von dem er nicht nur sich selbst, sondern auch anderen Linderung und Läuterung verspricht. Allerdings sind die meisten dieser Rezepte keine kulinarischen Höhepunkte, denn entsprechende Einfälle sprudeln selten so wie der Schampus am Vortag. Während die Suche nach Alka-Seltzer oder Aspirin-Tablette noch einem Sturm auf die Pastille gleicht, kehrt nach der Stilllegung des Kopfes jene gewisse Muße ein, die es einem überhaupt erst erlaubt, in der Küche sinnvoll zu hantieren. Die einen verleiben sich dann das, was sie vor dem Gelage als Grundlage gebraucht hätten, nun als Katerfrühstück ein in der trügerischen Hoffnung, die Sünden nachträglich verringern zu können.

          Andere wiederum verhalten sich gerade so, als stünden sie als Hinterbliebene am Grab der guten Hoffnung und kasteien sich mit Zwieback und Zichorienkaffee. Und der Rest improvisiert mit den Vorräten in Kammer und Kühlkasten fröhlich drauflos, weil man es ja heute nicht mehr gewohnt ist, für Notlagen extra einzukaufen. Im Grunde jedoch handelt es sich in den meisten Fällen gar nicht um ein Frühstück, sondern um ein nachgeholtes Abendessen. Nur dass es fetter, saurer, salziger und schärfer, mit einem Wort: lauter daherkommt - als gelte es, den Lärm des gestern gewesenen Abends zu übertönen.

          Stimulus und Lieferant in einem

          Tatsächlich geht es beim Mahl gegen Hundeelend und Katzenjammer auch darum, dass die Zutaten sich gleichsam Gehör verschaffen gegen die vielen anderen Signale aus dem Körper. Es gibt sogar Gerichte wie etwa Matjes mit Apfel in Sahne und Pellkartoffeln, die ohne dicken Kopf und schwere Zunge ihre Reize gar nicht richtig entfalten. Ob dafür bestimmte Gärungssynapsen verantwortlich sind, ist eigentlich egal.

          Immer kommt es darauf an, die Hilferufe des Leibes - nüchterner: den Abbau des Alkohols - mit Mineralien und vor allem viel Flüssigkeit zu beantworten, die namentlich von Salz und Säure gefordert wird. Das gelungene Katerfrühstück ist also Stimulus und Lieferant in einem. Vom sogenannten Konterbier, vom Reparaturseidl oder von einem Schuss ersten Rum im Espresso ist indessen abzuraten. Denn die abermalige Hinwendung zum Flaschengeist verschiebt lediglich die unvermeidlichen Malaisen unter dem Vorwand, die Leidenskurve abzuflachen.

          Thunfischpizza mit Mango: Rezept für 2 Personen von Tim Raue. Zutaten: 200 g Thunfisch-Filet roh, in 1,5 cm dicke Scheiben geschnitten, 2 bis 3 Scheiben TK-Blätterteig, etwas ausgerollt, 200 g Takuan (eingelegter gelber japanischer Rettich) aus dem Asia- Markt, in dünne Scheiben gehobelt, 1 Flasche Banana Chili Sauce (z.B. der Marke UFC Philippines), 1 kleine Tube Wasabi, 1 Limette, 4 EL Mayonnaise (am besten vom Bio-Markt), 4 El Rapsöl, Fleur de Sel, 1 frische Thai-Mango, 1 kl. Beutel Kaffir-Limettenblätter, 1 Daumen Ingwer, 12 Exemplare Haribo-Saftbärchen. Zubereitung: 1. Blätterteigböden mit einer Milchkaffeetasse oder einer kleinen Schüssel ausstechen und bei 180 Grad Umluft für 7 bis 8 Minuten hell backen. 2. Öl in einer Pfanne auf mittlere Hitze bringen und die Böden kurz darin braten, bis sie auf beiden Seiten eine goldbraun schimmernde Farbe angenommen haben. 3. Böden mit gelbem Rettich belegen, 4 EL Mayonnaise mit einem TL Wasabipaste sowie dem Saft einer halben Limette vermengen und den Rettich damit bestreichen. Dann die Thunfischscheiben darüber verteilen und mit Banana Chili Sauce bepinseln. Am Schluss mit Korianderkresse, Sesam-Körnern und Meersalz garnieren. 4. Als erfrischende Beilage eine Thai-Mango schälen, in Streifen schneiden und auf einem Teller zum Fächer ausbreiten. Dann mit einem TL fein gehacktem Ingwer, einem Dutzend in ganz feine Streifen geschnittenen Kaffir-Limettenblättern sowie dem Saft einer halben Limette bestreuen und mit Gummibärchen dekorieren. Bilderstrecke
          Thunfischpizza mit Mango: Rezept für 2 Personen von Tim Raue. Zutaten: 200 g Thunfisch-Filet roh, in 1,5 cm dicke Scheiben geschnitten, 2 bis 3 Scheiben TK-Blätterteig, etwas ausgerollt, 200 g Takuan (eingelegter gelber japanischer Rettich) aus dem Asia- Markt, in dünne Scheiben gehobelt, 1 Flasche Banana Chili Sauce (z.B. der Marke UFC Philippines), 1 kleine Tube Wasabi, 1 Limette, 4 EL Mayonnaise (am besten vom Bio-Markt), 4 El Rapsöl, Fleur de Sel, 1 frische Thai-Mango, 1 kl. Beutel Kaffir-Limettenblätter, 1 Daumen Ingwer, 12 Exemplare Haribo-Saftbärchen. Zubereitung: 1. Blätterteigböden mit einer Milchkaffeetasse oder einer kleinen Schüssel ausstechen und bei 180 Grad Umluft für 7 bis 8 Minuten hell backen. 2. Öl in einer Pfanne auf mittlere Hitze bringen und die Böden kurz darin braten, bis sie auf beiden Seiten eine goldbraun schimmernde Farbe angenommen haben. 3. Böden mit gelbem Rettich belegen, 4 EL Mayonnaise mit einem TL Wasabipaste sowie dem Saft einer halben Limette vermengen und den Rettich damit bestreichen. Dann die Thunfischscheiben darüber verteilen und mit Banana Chili Sauce bepinseln. Am Schluss mit Korianderkresse, Sesam-Körnern und Meersalz garnieren. 4. Als erfrischende Beilage eine Thai-Mango schälen, in Streifen schneiden und auf einem Teller zum Fächer ausbreiten. Dann mit einem TL fein gehacktem Ingwer, einem Dutzend in ganz feine Streifen geschnittenen Kaffir-Limettenblättern sowie dem Saft einer halben Limette bestreuen und mit Gummibärchen dekorieren. :

          Zu den großen Gaben des Sternekochs Tim Raue gehört, dass er die Dinge ohne zu zögern anpackt und seine Gerichte stets den Stempel der Aktualität, wenn nicht des Dringlichen, tragen. Auch dafür ist Berlins berühmtester Koch mit Stammsitz beim Checkpoint Charlie mit durchweg hohen Bewertungen in Restaurantführern und gerade dem Titel „Koch des Jahres“ geehrt worden.

          Sein Antidot gegen Kater und Koma, die fernöstlich inspirierte Thunfischpizza, vereint Machbarkeit mit Delikatesse, und seine mit echt Rauescher Ironie rezeptierten Ingwerbärchen vertreiben nebenbei noch den typischen Bierernst am Morgen danach. So greifbar die Werke des Kreuzbergers sind, immer enthalten sie auch eine Portion Gegenwelt.

          Eine Replik auf die Realität

          Eier stehen ja im Ruf, beste Aufbauhilfe zu leisten, weshalb die Prärieaustern unter den Katerkillern zumeist als Erste genannt werden. Das dürfte in erster Linie damit zu tun haben, dass sich aus zwei Eiern und einer Pfanne selbst noch mit zwei linken Händen und einem brummenden Kopf eine warme Mahlzeit bereiten und als Ablehnung des Überflüssigen anpreisen lässt.

          Diese praktische Magie macht sich Marcus Wareing zunutze, wenn er sein Scrambled Egg nach allen Regeln der Tradition zelebriert. Für seine Originalversion verwendet der Zweisternekoch aus dem Londoner „The Berkeley“ stark gepfefferte Cumberland Sausage (für uns Kontinentale: „Nuernberger would do the job“) und verzichtet „as a boy from Lancashire“ auf Black Pudding, also Blutwurst.

          Bei Johannes King (ebenfalls zwei Michelin-Sterne) figurieren die Eier eher als Zitat. Überhaupt bewegt sich das Gericht „Eingelegte Wachteleier mit Felchenkaviar und Fenchel-Crème Crue“, das der Bauernsohn aus dem Schwarzwald in seinem Hotel „Söl’ring Hof“ in Rantum auf Sylt ersonnen hat, im Grenzland zwischen Metapher und Wirklichkeit - und damit in jenen Gefilden, die der eben von den Toten Erstandene durchmisst, bevor ihn Kings Bissen endgültig wieder unter die Lebendigen reihen.

          Ob mit Fisch, Fruchtgummi oder Eiern: Mehr als andere Speisen ist das Katerfrühstück eine Replik auf die Realität. Wer sie direkt von Tim Raue, in dessen Küche alle abgebildeten Gerichte gekocht und angerichtet wurden, empfangen möchte, kann das am Ehrentag des Katers tun. Sein Restaurant öffnet am 1. Januar 2012 pünktlich um 19 Uhr.

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