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Braumeister Garrett Oliver im Gespräch : „Ein Bier ist wie eine Geschichte“

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Bild: plainpicture

Garrett Oliver, Chef der Brooklyn Brewery in New York, ist vielleicht der bekannteste Braumeister Amerikas. Wir treffen ihn im ICE von Hamburg nach Frankfurt – und trinken mit ihm fünf deutsche Biere.

          Können Sie sich an Ihr erstes Bier erinnern?

          Ja, es war ein Miller High Life. Ich war zu Besuch bei meinem Onkel in New Jersey. Ich habe so lange gebettelt, bis er mir die Dose zum Probieren gegeben hat - und es sofort wieder ausgespuckt. Es hat vier Jahre gedauert, bis ich das nächste Bier angerührt habe.

          Welches?

          Guinness. Großartig. Später im College haben wir Budweiser getrunken - oder was immer uns in die Finger kam. Wir waren da nicht wählerisch und dachten, so müsse Bier eben schmecken.

          Und wie?

          Im Prinzip wie Wasser und vollkommen nichtssagend.

          Und Ihr erstes richtiges Bier?

          Habe ich in England getrunken, in einem Londoner Pub. Es hatte viel weniger Kohlensäure, als ich es gewohnt war, es war bernsteinfarben, und es wurde in einem Gefäß serviert, das für mich wie ein Goldfischglas aussah. Und weil ich nach dem ersten Pint nicht sicher war, ob ich es mochte, habe ich gleich noch eins bestellt. Später habe ich bei meiner ersten Reise durch Europa noch ganz andere Biere kennengelernt, in Belgien, in Deutschland, in der Tschechoslowakei. Zurück in New York hatte ich dann ein echtes Problem, denn dort gab es nur die praktisch geschmacksfreien amerikanischen Massenbiere.

          Also haben Sie selbst mit dem Brauen angefangen.

          Genau. Ein Freund hat mir eine Hausbrau-Ausrüstung geschenkt, weil er meine ewigen Klagen leid war. Daraus ist eine Brauerei geworden, und weil es vielen Leuten wie mir ging, hat sich Mitte der achtziger Jahre die „craft brewery“-Szene in Amerika entwickelt.

          Was haben Sie und die anderen Braumeister dieser kleinen, eher handwerklich orientierten Brauereien anders gemacht?

          Im Prinzip alles. Bei den großen amerikanischen Marken geht es darum, dem Bier so viel Geschmack wie möglich zu entziehen, um es dann mit Hilfe der Werbung an den Mann zu bringen. Der Geschmack spielt keine Rolle, es geht um Image und Preis. Bei uns ist es genau das Gegenteil. Wir produzieren kleine Mengen und verkaufen sie auf der Basis ihres Geschmacks. Und wir vertrauen unseren Kunden und ihrem Geschmackssinn. Meine Biere zum Beispiel schmecken nach Schokolade, Toffee oder Karamell, nach Hopfen, Nelke oder Banane. Es gibt Leute, die nennen das revolutionär, aber tatsächlich besinnen wir uns nur zurück und geben dem amerikanischen Bier wieder wahren Bier-Charakter.

          Kennen Sie deutsche Biere? Ich habe hier ein Weißbier, Hacker-Pschorr aus München.

          Oh, es strahlt geradezu, die Hefe ist gut zu sehen, der Schaum ist schön fest - ja, und es schmeckt sehr typisch, leicht nach Banane mit ein wenig Nelke. Ich persönlich mag es ein bisschen fruchtiger, zum Beispiel Andechser oder Schneider Weisse. Aber im Grunde ist Weißbier der Western unter den Bieren: Man weiß von Anfang an, was einen erwartet und wie es ausgeht.

          Was halten Sie vom deutschen Reinheitsgebot? Hindert es die deutschen Brauereien daran, interessantere Biere zu machen?

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