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Braumeister Garrett Oliver im Gespräch : „Ein Bier ist wie eine Geschichte“

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Auch das ändert sich gerade. Wir Biermacher und die Weinleute haben im Grunde genau entgegengesetzte Probleme: Während die Winzer und Weinhändler ihre Kunden von der Alltagstauglichkeit ihrer Produkte überzeugen wollen, würden wir gern mehr im Gourmet-Segment vertreten sein. Aber das gelingt zunehmend auch. Immer mehr Restaurants haben anspruchsvolle Biere auf der Karte - zumindest in Amerika. In New York haben eine Reihe von Top-Restaurants eigene Bier-Sommeliers. Auch in Europa gibt es eine steigende Nachfrage in diesem High-End-Markt.

Wir haben noch eine Flasche Export und ein Altbier. Welches möchten Sie zuerst trinken?

Nach dem Pils ist das Export die bessere Wahl, denn es ist traditionell stärker und vollmundiger.

Dortmunder Union ist ein Klassiker.

Okay, aber nach der deutlichen Hopfennote des Flensburgers erscheint es mir ein bisschen zahm und mild. Nach meinem Geschmack könnte es etwas griffiger und charaktervoller sein.

Was ist denn Ihr Lieblingsbier?

Ich habe kein spezielles Lieblingsbier.

Ach, kommen Sie!

Haben Sie denn einen einzigen Lieblingssong?

Ähm, nein. Das kommt auf meine Stimmung und die Umstände an.

Sehen Sie! Genauso ist es beim Bier. Es ist ganz und gar abhängig davon, wo, wie und wann ich trinke. Aber wenn Sie mich auf eine einsame Insel verbannen, dann würde ich versuchen, so viele Flaschen „Saison Dupont“ mitzunehmen wie irgend möglich. Es wird in Belgien gebraut, ist sehr trocken, rustikal und hopfig, aber auch sehr komplex. Es passt zu einer sehr breiten Palette von Speisen, ein wunderbares Bier für alle Jahreszeiten.

Wann trinken Sie am liebsten Bier?

Wenn ich am Tisch sitze. Mit der Familie oder Freunden, mit Essen oder ohne. Das sind die besten Momente, und ich wiederhole es immer und immer wieder: Runter vom Sofa und ran an den Tisch! Statt ständig vor dem Fernseher zu sitzen, wie das so viele Amerikaner tun, sollten die Leute sich lieber mit ihren Familien an den Tisch setzten und in geselliger Runde essen, trinken und reden.

Gibt es ein Bier, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ja. Es ist lange her, aber es ist immer noch in meinem Kopf. Es war nicht vollkommen ungewöhnlich, aber perfekt gemacht - mit Zitronengras und Minze. Ich glaube, es war von Midnight Sun in Alaska.

Zum Abschluss: ein Uerige Alt aus Düsseldorf.

Oh, das ist ein gutes Bier, mit einer mundfüllenden Bitternis und einer Explosion von Frucht, relativ trocken und mit einem leichten Karamell-Ton. Dazu einen dicken Burger mit Speck, das wäre genau das Richtige.

Gibt es hier im Zug leider nicht.

Eine Bratwurst wäre auch sehr passend. Überhaupt sind Biere wie dieses die perfekten Begleiter für Schweinefleischgerichte; genau wie Lamm und Pinot Noir oder Roquefort und Sauternes wie füreinander gemacht sind.

Und die Frage der Fragen: Was ist das Geheimnis eines perfekten Bieres aus Sicht des Braumeisters?

Balance.

Geht es ein bisschen genauer?

Also, ein gutes Bier ist für mich wie eine Kurzgeschichte. Es sollte einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende haben. Und es sollte dabei stets interessant bleiben. Dann spielt die Qualität der Zutaten und des Prozesses auch noch eine Rolle, und schließlich natürlich die Kreativität des Braumeisters.

Die Biere von Garrett Oliver sind in Deutschland über die Firma Braufactum in ausgewählten Lebensmittelmärkten und unter www.braufactum.de zu bekommen.

Die Fragen stellte Peter Badenhop.

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