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Braumeister Garrett Oliver im Gespräch : „Ein Bier ist wie eine Geschichte“

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Ja und nein. Auf der einen Seite hat es die Qualität des deutschen Bieres lange geschützt und zum Beispiel verhindert, dass mit Hilfe von Mais oder Reis der Bier-Charakter verwässert wurde. Andererseits werden einige der weltweit aufregendsten Biere mit Inhaltsstoffen gebraut, die vom Reinheitsgebot ausgeschlossen werden, etwa besonders geschmacksintensive Zuckersorten.

Aber schöpfen die deutschen Brauereien ihre Möglichkeiten aus?

Es gibt einiges, was man tun könnte, ohne das Reinheitsgebot zu verletzen.ANTWORT: Das in Großbritannien und bei uns sehr beliebte India Pale Ale zum Beispiel könnte man auch in Deutschland brauen. Die Zutaten sind die gleichen - Gerste, Wasser, Hefe und Hopfen. Die Frage ist nur, ob man auch nach der Gärung hopfen darf oder nicht.

Aber Früchte wie in Belgien sind verboten?

Ja, und es gibt eigentlich keinen Grund, warum das nicht erlaubt sein sollte. Denn Früchte sind eine vollkommen natürliche Zutat. Aber das Gesetz ist nun einmal ein paar hundert Jahre alt und berücksichtigt nicht, dass Bier heute haltbarer und mobiler ist als damals und dass die Leute sich auch neue Geschmacksrichtungen wünschen. Ich kann verstehen, wenn deutsche Brauer sich eine Modernisierung wünschen, ohne den Sinn des Gebots zu verwässern. Aber die meisten beschränken sich auf einige wenige Stile. Apropos: Wollen wir die nächste Flasche öffnen?

Gern. Es ist ein Früh Kölsch.

Das kenne ich. Sehr nett, recht typisch, leicht fruchtig und mit schönem floralen Hopfenaroma. Es gibt deutlich charaktervollere Kölschs, aber das hier ist sehr frisch und angenehm.

Mann mit Termindruck: Braumeister Oliver verkostet.

Gibt es eigentlich Trends und Moden auf dem Biermarkt?

Momentan bewegt sich alles in Richtung mehr Geschmack und größere Komplexität. Deshalb gewinnen in Amerika wie in vielen Ländern Europas die kleineren, eher handwerklichen Brauereien Marktanteile hinzu. In vielen Ländern gibt es einen wahren Boom; in Italien zum Beispiel öffnet praktisch jede Woche eine neue Kleinbrauerei. Aber auch Spanien und Brasilien sind enorm im Kommen. Allerdings sind die meisten Biere, die es in der Welt zu trinken gibt, immer noch von den drei großen Brau-Nationen Deutschland, Belgien und Großbritannien inspiriert.

Können wir jetzt ein Pils trinken?

Ja, unbedingt. Lassen Sie sehen: Flensburger? Ich habe davon gehört, es aber noch nie getrunken. Hm, es schmeckt sehr frisch. Angenehm bitter und trocken, aber nicht so herb, wie ich angenommen hatte. Typisch Pils: Man schmeckt Malz und Hopfen, aber keine von der Hefe generierten Fruchtnoten wie bei anderen Stilen.

Warum hat Bier im Vergleich zu Wein ein so schlechtes Image?

Da gibt es eine ganze Reihe von Gründen: Zumindest in Amerika und dem Rest der angelsächsischen Welt klingt alles Französische schon sprachlich irgendwie kultivierter - und Wein kam früher vornehmlich aus Frankreich und wurde vom Adel und den Eliten getrunken. Außerdem erscheint die Herstellung von Wein anspruchsvoller als die von Bier. Und schließlich haben viele Brauereien mit ihrer Preispolitik dazu beigetragen.

Hat Bier deshalb bei Feinschmeckern kaum eine Chance?

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