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Gemüsegarten : Das große Erntefest

  • -Aktualisiert am

Nachdem Nadine Oberhuber nach Wochen noch einmal ihren Acker besucht, wird sie von einem satten Meer aus Grün empfangen. Bild: Nadine Oberhuber

Im Herbst reifen Gemüse, die groß, schwer und besonders zäh sind. Aber wie schlagen die sich, wenn der Feldversorger ein paar Wochen im Urlaub ist? Sind die Ackerfrüchte dann verloren?

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          Demnächst fahre ich nur noch im Dunkeln zum Acker. Es ist nicht so, als wollte ich unbedingt die Augen verschließen vor dem Anblick, der sich mir zurzeit da bietet. Obwohl ich zugeben muss, dass ich mir das Aussehen meiner Parzelle irgendwie anders vorgestellt hätte, jetzt im Herbst. Aber ich bin ja immerhin selbst dafür verantwortlich, was dort gerade wächst (zum Beispiel ein halbes Dutzend geschossene Salatköpfe, die mir bis an die Schulter reichen, und jede Menge holziges Gestrüpp, das mal Rucola war) - und vor allem: was nicht.

          Denn gerade in der heißen Phase zwischen Ende August und Ende September habe ich mal für ein paar Wochen den Anschluss an meinen Acker verloren. Ich habe weder gejätet noch gegossen, ich war im Urlaub und habe der Natur das Feld überlassen. Mit dementsprechend gesenktem Kopf fuhr ich vor drei Wochen erstmals wieder raus zu meinem Gemüse.

          Ich sah meinen Acker erstmals nach vierwöchiger Abstinenz

          „Es wird furchtbar werden“ war der letzte Gedanke, als ich den Feldweg hinunterradelte, an dessen Ende unsere Parzellen liegen. Schließlich war ich schon vorher nicht die Fleißigste gewesen unter uns Ackerbestellern hier draußen. Bei fast allen anderen war mehr Gemüse, weniger Unkraut und vor allem so etwas wie ein geordneter Wuchs zu sehen. Bei mir dagegen brachen sich regelmäßig Gänsedisteln und Ampfer ihre Bahn inmitten der Pflanzreihen, und die Ackerwinde rief regelmäßig zu „seid umschlungen, ihr Bohnen“, oder sie wand sich um den Kopfsalat und würgte ihn. Vor allem das Großgemüse, also der Rotkohl, der Kürbis, aber auch die Möhren waren bei meinem letzten Besuch noch sehr kleinwüchsig gewesen. Man könnte sagen: In meinem Grün fehlte irgendwie die rote Linie.

          Und dann sah ich meinen Acker erstmals nach vierwöchiger Abstinenz wieder - und lachte laut auf. Ich muss schon sagen: Bisher war er jedes Mal für eine Überraschung gut. Meist, weil er schon nach einer Woche so wild zugewuchert war, als hätte man ihn noch nie gejätet. Schon gar nicht jede Woche. Diesmal aber hatte er zwar eine Menge Unkraut angesetzt - aber alle anderen Felder sahen genauso aus wie meines. All die aufgeräumten, mit bunten Windrädern und Tontierchen geschmückten Vorzeigeparzellen der übrigen Ackerhelden, sie verschmolzen mit meinem Feld nun zu einem satten Meer aus Grün. Das war das Naturwunder Nummer eins.

          Von den Pastinaken fehlt nach wie vor jede Spur

          Im Nachhinein war ich richtig froh, dass ich es nicht mehr geschafft hatte, den letzten Kopfsalat zu ernten. Denn der stand nun so hoch auf dem Feld, aufgeschossen und kerzengerade wie eine Eins, dass ich zumindest schnell lokalisieren konnte, wo meine Parzelle war und wo sie ungefähr wieder aufhörte. Bis dahin hatten kleine numerierte Pflöcke die Grenze markiert, die mit Abspannseilen fein säuberlich das Feld absteckten. Doch von denen war so gut wie nichts mehr zu sehen.

          Von dem, was ich vor dem Urlaub noch ausgesät hatte, allerdings auch nichts: Die Zucchini, von denen ich befürchtete, sie würden groß wie Oberschenkel wachsen, versteckten sich beim ersten Acker-Check noch prächtig. Eine mittelgroße fand ich erst, als ich darauftrat. Der Asiasalat sprießt vielleicht, wo der Pfeffer wächst, aber nicht bei mir. Und von den Pastinaken fehlt nach wie vor jede Spur. Wenn man mich zu Anfang des Jahres gefragt hätte, welches Gemüse ich am ehesten den Naturgewalten überlassen würde, hätte ich gesagt: den Kohl, vor allem den Weißkohl. Den Grünkohl säte ich deswegen gar nicht erst aus, schon beim Anblick des Saatguttütchens schüttelte es mich. In den vergangenen vier Wochen hatten die vielen Kohlfliegen nun reichlich Gelegenheit gehabt, sich über die Pflanzen herzumachen. Doch - Ironie der Geschichte - ausgerechnet die Reihen von Rot- und Spitzkohl hatten sich am besten gehalten. Ich erntete gleich mehrere Köpfe davon. Das war Naturwunder Nummer zwei.

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