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Gemeinsam Essen : Zusammen isst man weniger allein

  • -Aktualisiert am

Wenn die Kunden aus dem Laden verschwunden sind, wird im Restaurant groß aufgetischt: In der Berliner Store Kitchen wird das Abendessen zum gemeinschaftlichen Erlebnis. Bild: Hannes Jung

In hippen Restaurants wird neuerdings wie zu Hause gegessen: gemeinschaftlich. Eine Zielgruppe spricht das besonders an.

          Moderne Köche erinnern an Wissenschaftler im Labor. In ihren hellen Küchen und gestärkten Schürzen hacken sie Gemüse, rühren Saucen, zupfen Gräten. An das kulinarische Genie, das mit den Sternen vom Himmel fällt, glaubt ohnehin niemand mehr. "Wir sind keine Magier, eher kreative Handwerker, Erfinder und Chemiker in einem", sagt Tommy Tannock. Er arbeitet mit seinem Kompagnon Johnnie Collins als Küchenchef im Berliner Restaurant The Store Kitchen. Die "Ladenküche" der jungen Londoner ist integriert in die Konzept-Boutique The Store im Erdgeschoss des Soho House. Anders als bei dem Club, der nur für Mitglieder offen ist, darf jeder in den Laden rein.

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          Hier experimentieren die Köche, die seit ein paar Jahren in Berlin leben, mit regionalen Produkten - vorzugsweise direkt aus der Natur, darunter viel Gemüse, Fisch und Fleisch aus Brandenburg. Schon mittags bieten sie Snacks und Green Smoothies von der Salatbar an, mit denen sich die Mac-Book-Elite an Designertischen aus dunklem Marmor stärkt. Tagsüber werden die Tische von Freiberuflern als Arbeitsplatz benutzt. Der Concept Store trägt nicht umsonst den schlichten Titel "Der Laden". Gäste können hier in einem Sortiment aus Designerkleidern, Büchern und anderen Objekten stöbern, arbeiten, eine der wechselnden Kunstinstallationen betrachten, sich im Beautybereich die Nägel polieren lassen oder auf einem der riesigen Sofas liegen. Und natürlich gut essen.

          Lieblinge der Foodie-Szene

          Abends, wenn sich der Verkaufsraum langsam leert und die Gäste zum Dinner kommen, werden die mehrgängigen Menüs getestet. "Am liebsten arbeiten wir mit Zutaten, die pur schon so gut sind, dass wir nur wenige Kniffe brauchen, um aus ihnen etwas zu machen", sagt Tannock. Auf der wechselnden Menükarte stehen daher so einfache Gerichte wie eingelegter Blumenkohl, in Salzkruste gebackene rote Bete oder langsam gegarte Lammschulter.

          Die beste Werbung für ihre Küche sind die Köche selbst. Die attraktiven Briten kommen gerne auf ein "Hey, how are you" an den Tisch und sehen so gesund aus wie ihre vitaminreichen kaltgepressten Juices.

          Als die coolen Köche das Lokal vor zwei Jahren eröffneten, war ihre gehobene Küche in der Hauptstadt noch ein recht neues Konzept - und die beiden wurden schnell zu Lieblingen der Foodie-Szene.

          Teilen als Trend

          Auch für soziale Experimente sind die Events der beiden Londoner geeignet. Das liegt an der besonderen Art, wie die Speisen in der Store Kitchen präsentiert und gegessen werden: Die Gerichte werden geteilt. Vorspeisen, Hauptgericht, Beilagen - alles kommt auf großen Platten und in tiefen Schüsseln auf den Tisch. Jeder Gast kann sich nach Herzenslust bedienen.

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