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Koch der Nationalelf : „Es gab ein vierwöchiges Testessen“

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Sie bereiten also noch in der Kabine Reis und Pasta zu?

So ist es. Doch die meisten wollen wieder Pasta mit einfacher Tomatensauce oder auch ein Hühnchen-Vollkornsandwich, um nicht in ein Energieloch zu fallen. Auch hier ist es wieder sehr individuell. Nicht jeder Spieler braucht nach dem Spiel eine solche Energiezufuhr. Die Nachbereitung nach so einem anstrengenden 90–Minuten-Spiel entscheidet jeder für sich selbst.

Was machen Sie für die Spieler als Dessert? Obst?

Obst gibt’s natürlich, immer auch Quark. Und leichte Desserts wie Süßkartoffelcreme mit Bananen und Avocados mit Kokosflocken garniert. Dazu noch frische Passionsfrüchte.

Sie reisen mit der Nationalmannschaft in die verschiedensten Städte. Bringen Sie sich Unterstützung mit?

Im Prinzip komme ich allein und koche mit der Küchencrew des Hotels. Beim Confed-Cup in Russland hat mich mein Kollege Felix Markwardt aus Köln begleitet, und er wird mich auch bei der WM unterstützen.

Hat die Küche der Gastgeberländer Einfluss auf Ihre Küche?

Natürlich. Das ist ja auch wichtig, dass man Nahrung nicht immer um die halbe Welt karrt. Auch im Zuge einer Ernährungsbildung. Das habe ich auch in Russland gemacht: Dinge einfließen lassen, die dort gekocht werden. Ob das nun Borschtsch ist oder eine Soljanka.

Da freuen sich vor allem die Schwaben: Schmaus bringt auch Mama-Küche wie Maultaschen auf den Tisch.
Da freuen sich vor allem die Schwaben: Schmaus bringt auch Mama-Küche wie Maultaschen auf den Tisch. : Bild: dpa

Spielt die Heimatküche der Spieler bei Ihnen eine Rolle?

Wenn ich Maultaschen in Rinderbrühe mit Spinat gefüllt mache, dann freut sich der eine oder andere Schwabe darüber. Oder die Flädlesuppe aus Baden-Württemberg wie die Pfannkuchensuppe aus Bayern. Das sind auch Erinnerungen an die Mama-Küche.

Die WM wird im Sommer in Russland stattfinden. Wie kommen Sie da an die guten Produkte?

Generell versuche ich, regionales Gemüse und Obst zu benutzen. Regional und saisonal ist für mich ein wichtiger Punkt. Ob das jetzt in Deutschland ist, Russland, Nordirland oder Tschechien. In Russland habe ich mir die Produkte ins Hotel bestellt und dann durchgetestet, Produkte ausgesucht und sie in derselben Qualität wieder bestellt. Das funktioniert manchmal gut, manchmal weniger.

Was ist denn schwierig in Russland zu bekommen?

Wir haben immer noch das Problem des Embargos auf EU-Produkte. Man bekommt keinen original italienischen Parmesan. Mit Glück kommt er aus der Schweiz, mit etwas Glück aus Uruguay.

Was ist schwerer: einen Michelin-Stern zu erkochen oder Speisen für die Nationalmannschaft zu kreieren, die super schmecken, Fitness und Leistung steigern?

Der Michelin-Stern heißt: handwerkliche Qualität, Produktqualität und die kreative Handschrift des Kochs. Im Prinzip kann ich diese drei Qualitäten auch auf die Nationalmannschaft umlegen. Es muss handwerklich sauber gemacht sein, es müssen Top-Produkte sein, um die nötige Nährstoffversorgung zu gewährleisten. Und mein kreativer Kochstil sorgt bei den Spielern für Genuss, Spaß und Spannung.

Und dann gewinnen sie die WM?

Das wurde ich schon oft gefragt. Ich hoffe, dass ich meinen Teil dazu beitragen kann, dass es nächstes Jahr klappt. Ich bin nur der Koch. Es gibt 23 Spieler, die jeden Tag dafür kämpfen.

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