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Kolumne „Fünf Dinge“ : Fünf Dinge, die am deutschen Bierkonsum nerven

Doch inzwischen ist die Euphorie verflogen. Zwar haben einige deutsche Craftbrauer wie Crew Republic oder Maisel und auch einige wenige namhafte internationale Brauereien wie Brewdog oder Mikkeller in deutschen Getränkemärkten dauerhaft Fuß gefasst, das Sortiment ist insgesamt aber wieder deutlich schmaler geworden. Die entstandenen Lücken in den Spezialbier-Regalen werden neuerdings allen Ernstes mit den – neuer Trend! – Kellerbieren der deutschen Großbrauereien und sogar von Billiganbietern aufgefüllt. Die Hauptsache dabei scheint zu sein, dass das Etikett nach „Regio“ und „Retro“ aussieht.

Was ist passiert? Sicher, das Bier, das in Getränkemärkten angeboten wird, muss auch getrunken werden, um sich zu etablieren. Hinzu kommt, dass Craftbier, weil es oft nicht pasteurisiert ist, zum Teil sehr kurze Mindesthaltbarkeitszeiten aufweist, was größere Aufmerksamkeit erfordert. Andererseits gibt es in den Getränkemärkten dort, wo die wirklich guten Craftbiere stehen, jene mit einem überzeugenden Preis-Leistungs-Verhältnis, schnell Lücken im Regal, was zum einen für die Kennerschaft der Kunden spricht, zum anderen auf vermeidbare organisatorische Probleme in den Märkten selbst schließen lässt. Es sollte aber für eine Getränkeabteilung, die etwas auf sich hält, machbar sein, eine Auswahl von Referenzbieren der bekanntesten internationalen Stile dauerhaft vorzuhalten.

Palettenweise eintönige Standardbiere aufzutürmen, die weder gekühlt noch abgedunkelt wochenlang vor sich hinaltern und täglich an Aroma verlieren (ein Abfülldatum sollte beim Bier zur Pflicht werden!), ist jedenfalls kein großer Dienst am Kunden.  

Die großen Getränkemärkte wären eigentlich prädestiniert, ein vernünftiges Bierangebot auf der Höhe der Zeit bereitzustellen. Wenn sie diese Chance nicht nutzen, bleibt für wählerische Biertrinker nur der Gang in spezialisierte Craftbierläden oder die Bestellung beim Bierversandhandel.

3. Craftbierläden (nicht alle, aber viele)

Eigentlich ist es eine sehr naheliegende Idee, in Spezialgeschäften Brauerzeugnisse aus aller Herren Länder anzubieten – Klassiker und Neuentdeckungen, auf die durch kompetente Beratung die Neugier geweckt wird. Der Haken dieses Konzepts besteht nur darin, dass es beim Bier, anders als beim Wein, nur geringe Gewinnspannen gibt. Beratender Bierverkauf lohnt sich kaum – und so lässt die Beratung oft zu wünschen übrig, besteht zuweilen aus freien Improvisationen.

Bier, Bier, Bier – das Zapfen will gelernt sein

Zudem ist Bier, wie schon bemerkt, ein empfindliches Getränk, das gerade im hocharomatischen Bereich eine besondere Lagerung – kühl und dunkel – benötigt, über die nicht jeder Craftbierladen verfügt, weshalb man dort nicht selten Bekanntschaft mit Fehl- oder Mindergeschmäckern macht, die so ärgerlich sind wie falsch gelagerter Wein, der Korken gezogen hat. Angesichts mangelnder Ausstattung wirken dann auch manche Bierpreise überhöht.

So dankbar man Craft-Kleinhändlern für ihren Idealismus und ihre Begeisterung gerne entgegentreten würde – so kritisch kann man fragen, ob das Konzept Craftbierladen, eingezwängt zwischen Supermarkt, regionalen Abhol-Brauereien, die mit Frische punkten, und den immer besser werdenden spezialisierten Versandhändlern, die einen mit perfekter Organisation, beigefügten Informationen und oft niedrigen Preisen für sich einnehmen, wirklich Sinn ergibt.

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