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Passt zum locker-leichten Lifestyle-Trend: Bowl mit Thunfisch und Avocado Bild: ddp Images

Food-Trend „Bowl“ : Der Zauber der Schüssel

  • -Aktualisiert am

Sie ist gerade mal drei Jahre unter uns, aber sie scheint schon allgegenwärtig: die Bowl. Wie aus einem traditionellen hawaiianischen Gericht ein Food-Trend wurde, ohne den kaum eine Großstadt mehr auskommt.

          Ein Trend wird schnell mal verkündet. Zumal in der medial so aufmerksam inspizierten Gastronomie. So wie es bei dem peruanischen Fischgericht Ceviche geschah, das vor ein paar Jahren schon als „das neue Sushi“ ausgerufen wurde. Bewahrheitet hat sich das nicht. Jedenfalls nicht in dem Sinne, dass seitdem der nach peruanischer Methode kalt gegarte Fisch die Restaurants flächendeckend erobert hätte – von spezialisierten Restaurants ganz zu schweigen. Nicht an allem, was mit großem Aplomb ausgerufen wird, findet die Kundschaft Geschmack.

          Auch das hawaiianische Gericht Poké Bowl erntete, kaum war es in den einschlägigen Lokalen gesichtet worden, jede Menge Vorschusslorbeeren. Aber ob sich das Schüsselgericht in der Breite durchsetzen und neben der Konkurrenz der vielen Sushi-Bars, Döner-Läden und Burger-Ketten bestehen würde, war zweifelhaft. Rund drei Jahre sind vergangen, seit die ersten Bowl-Gerichte in Deutschland Einzug hielten. Was sich innerhalb dieser Zeit ereignet hat, ist verblüffend. Man könnte es als eine Im-Sturm-Eroberung der urbanen Food-Szene bezeichnen. In nahezu allen deutschen Großstädten sind mittlerweile auf Bowl-Gerichte spezialisierte Lokalitäten aus dem Boden geschossen. Egal ob man in Köln, Hamburg, Leipzig, München, Berlin sucht, jede dieser Städte hat Bowl-Restaurants nahezu im Dutzend anzubieten. Das ist nicht nur ein deutsches Phänomen. Auch in London und Paris – nahezu in jeder europäischen Großstadt – lässt sich der furiose Siegeszug der Bowl beobachten.

          Die gesunde Schüssel für jeden Fall

          Wie ist das zu erklären? Vermutlich damit, dass die Bowl ein Speisentyp ist, der die Asse nur so aus dem Ärmel schüttelt. Aber am besten geht man noch mal zurück auf Anfang. „Bowl“ in der Übersetzung heißt erst mal nichts anderes als: Schüssel. In einer Schüssel/Schale wird angerichtet. So ist die Bowl aus den Vereinigten Staaten zu uns nach Europa gekommen. Wann genau, ist schwer festzustellen, aber Laura Koerver war in Deutschland zumindest vorne mit dabei, als sie Bowl-Gerichte mit auf ihre Karte nahm, in „Laura’s Deli“ in Düsseldorf. Das war 2015. „Der Begriff Bowl hat einen engen Bezug zu health food und clean eating“, meint Koerver. Womit schon mal umrissen ist, welcher Wind den Erfolg der Bowl trägt. „Natürliche, frische, meist nährstoffreiche Zutaten in einer Schale – ergänzt durch ein innovatives Dressing, Samen, Sprossen, Nüsse“ – das, sagt Koerver, mache eine Bowl aus. Bowl passt zum Lifestyle. Zu Bikinifigur und Aktiv-Sein. Sie ist gesund. Sie ist leicht. Man fühlt sich fit danach und nicht voll.

          Mit fünf Schüsselgerichten auf der Speisekarte startete die Düsseldorferin ins Bowl-Zeitalter. Aber, wohlgemerkt, als einem Angebot unter vielen anderen auf der Speisekarte. Niemand konnte ahnen, dass ein relevanter Bevölkerungsteil anscheinend genau darauf gewartet hatte. Aber er hatte! Und die Köche und Gastronomen ließen sich nicht zweimal bitten und entwickelten sie zu einem Gericht, das keine Tageszeit kennt. Oder jede.

          Und das ist das zweite Ass: die flexible Anwendung. So gibt es mittlerweile die Bowl-Variante zum Frühstück (Porridge-Bowl, Acai-Bowl), es gibt sie für zwischendurch (Smoothie-Bowl), und es gibt sie als sättigende Hauptmahlzeit vorzugsweise mit Fisch, Huhn oder Tofu-Varianten (Poké Bowl). Es gibt die Buddha-Bowl (besonders salat- und gemüsebetont, meist vegetarisch und angelehnt an die Küche asiatischer Mönche) und die Noodle-Bowl sowie noch etliche weitere.

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