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Food-Trend aus Skandinavien : Aber bitte mit Butter

  • -Aktualisiert am

Smörgåsbord in Kopenhagen Bild: Columbus Leth

Das Abendbrot ist zurück und wieder einmal sind die Skandinavier daran Schuld. Ihr Smørgåsbord begeistert als neuer Food-Trend gerade die sozialen Netzwerke.

          Brot, Aufschnitt, vielleicht ein paar Gürkchen – mehr brauchte es lange Zeit nicht, um die Familie abends an einen Tisch zu bekommen. Dann haftete dem Abendbrot plötzlich ein spießiger Beigeschmack an, Kohlenhydrate am Abend wurden zum Staatsfeind Nr. 1 erklärt, und die guten alten Schnittchen mussten in der Versenkung verschwinden. Stattdessen gab es nun auch abends eine warme Mahlzeit. Einer Studie von Nestlé zufolge ist das Abendessen in vielen Familien nämlich zur Hauptmahlzeit des Tages geworden, 70 Prozent der Deutschen nehmen sich Zeit dafür. Da soll es dann häufig etwas Aufwendigeres geben als nur eine Stulle.

          Dass auch eine Brotzeit aufwendig inszeniert werden kann, wissen die Schweden schon lange. Das traditionelle „Smørgåsbord“ – wörtlich übersetzt „Butterbrottisch“ – hat steifen Dinner-Parties längst den Rang abgelaufen. Statt kleiner Appetizer, die sowieso niemanden satt machen, gibt es am Butterbrottisch alles, was das Herz begehrt. In der Hauptrolle: Brot, Käse, Wurst. Dazu gereicht werden Fisch, Antipasti, Obst, verschiedene Aufstriche und Soßen. Wie beim Raclette, nur ohne das Raclette-Gerät.

          Das skandinavische Buffet, für das man nicht einmal vom Tisch aufstehen muss, wird bereits jetzt als der Food-Trend des Jahres gefeiert. Wirft man einen Blick in die sozialen Netzwerke Instagram und Pinterest, könnte man meinen, überall auf der Welt würden zurzeit „Smorging Parties“, wie das Buffet auch genannt wird, gefeiert. Unter den Hashtags #smorging, #smorgasbord, #platterporn und #plattergoals zeigen die begeisterten Anhänger des Smørgåsbord auf Instagram ihre kunstvoll gedeckten Tische - mehr als 20.000 Bilder bisher - und machen beinahe eine Art Wettbewerb daraus: Wessen Buffet ist üppiger gedeckt, welches sieht am künstlerischsten aus?

          Besonders in Großbritannien, den Vereinigten Staaten und in Australien scheint man dem Schnittchen-Trend schon verfallen zu sein. Down Under haben sich mittlerweile viele Caterer auf die kalte Jause spezialisiert und bieten ein Rundum-Sorglos-Smorging-Paket inklusive Buffet-Koordinator an, der für den Kunden am Wunschort ein standesgemäßes Smørgåsbord aufbaut. Das kann bis zu drei Stunden dauern – und je nach Anzahl der Gäste auch mal 850 Australische Dollar kosten. Ein Smorging-Picknick für Zwei gibt es „schon“ ab 499 Dollar.

          Smorging trifft einen Nerv: Soziologen zufolge sehnen sich immer mehr Menschen nach traditionellen Werten und Strukturen. Auch der Qualitätsanspruch an Lebensmittel wächst. Besonders um Brot ist in den letzten Jahren ein regelrechter Hype entstanden, der an den um Superfoods wie Chia-Samen und Goji-Beeren erinnert. Der Laib Brot soll nicht mehr länger beim Discounter aus dem Automaten fallen, sondern vom Bäcker des Vertrauens mit viel Zeit, nach altem Rezept und aus Bio-Zutaten gebacken sein.

          My version of a juice cleanse 😂

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          Die Zahl der Bäckereibetriebe nahm in den letzten 60 Jahren zwar konstant ab. Dank der Naturkost- und Biowelle geht der Trend nun aber zurück zu kleinen Familienbetrieben, in denen der Verkauf an die Backstube angeschlossen ist. Die ist immer öfter nur durch eine Glasscheibe vom Verkaufsbereich getrennt, der Kunde kann den Bäckern so über die Schulter schauen und jeden Arbeitsschritt begutachten. Laut dem Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e.V. rechnet sich das sogenannte Frontbaking gleich doppelt: Zum einen könnten Bäckereien so das Klischee widerlegen, sie würden nicht mehr selbst backen. Zum anderen würden sich Backwaren, die vor den Augen der Kunden hergestellt werden, besser verkaufen als qualitativ gleiche Produkte aus der Backstube.

          Der Hype um Brot geht sogar so weit, dass in den Städten immer mehr Brot-Cafés entstehen. Viele Backstuben erweitern ihre Räumlichkeiten um Sitzplätze und verkaufen nicht mehr länger nur den schnöden Laib Brot. Dort gibt es zum Kaffee neben Gebäck auch deftige Butterbrote, üppig belegt und teuer verkauft.

          Da sich die Deutschen nun wieder auf ihre Brotkultur besinnen, war es nur eine Frage der Zeit, bis auch das Abendbrot ein Revival erlebt. Auch wenn es dafür wieder einmal der Skandinavier bedurfte, um einen Trend auszurufen. Auf Instagram zumindest schwärmt man vom Smørgåsbord. So schreibt eine Nutzerin: „Ich bin nicht vollkommen sicher, wie es im Himmel aussieht, aber mit großer Wahrscheinlichkeit ist dort so ein Buffet angerichtet.“

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