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Yum-Yum-Suppen : Die flüssigen Pausensnacks im Test

  • -Aktualisiert am

Die Top-Ten des Yum-Yum-Suppen-Test als Bilderstrecke Bild: Gyarmaty, Jens

70 Gramm Nudeln, Öl und Suppenpulver, 400 Milliliter Kochwasser, zwei Minuten Wartezeit – fertig ist die Yum-Yum-Suppe. Kann die überhaupt schmecken? Ein Sternekoch und der Inhaber eines China-Restaurants haben es für uns getestet.

          Vor manch deutscher Schule kann der aufmerksame Fußgänger heutzutage winzige Plastiktüten bemerken, die auf dem Pflaster liegen. In ihnen befinden sich: Chili, Palm- oder Gewürzöl, Sojasauce und eine sogenannte Soup Base, ein Suppenpulver. Die Tütchen in schreiend bunten Farben, oft überwiegen Rot und Gelb, hat man offenbar ungeöffnet auf den Boden fallenlassen; dort liegen sie nun, und das oft gleich neben den leeren Verpackungen, die ebenfalls ein Relikt der dazugehörigen Instant-Nudel-Suppen sind.

          Diese Sonderform der Mülltrennung hat seinen Grund darin, dass viele Schüler die in Locken liegenden, zu einem Kubus gepressten Nudeln in den Pausen trocken zu sich nehmen. So wie etwa Chips. Mit Letzteren haben sie ein backerbsenähnliches Frittieraroma gemeinsam und eine enorme Knusprigkeit. Leicht zu verzehren sind die übereinandergelegten Teigfäden, weil die Lebensmittelindustrie ihnen eine poröse Beschaffenheit mitgegeben hat. Sie dient dazu, von heißem Wasser so rasch durchdrungen zu werden, dass man die Nudeln schon nach zwei oder drei Minuten problemlos verzehren kann.

          Der Name soll von Wohlbehagen erzählen

          Wie fast bei jedem Trend trägt auch diese Kuriosität zur weiteren Verbreitung bei. Dennoch werden natürlich die meisten dieser Suppen immer noch nach Anleitung zubereitet. Auf den zumeist 70 Gramm wiegenden Packungsinhalt kommen 400 ml Kochwasser. Dass man auf diesem Weg eine warme Mahlzeit zu sich nimmt, deren Preis unter dem eines Müsliriegels liegt, steht dem Erfolg naturgemäß nicht im Weg.

          Meist nennt man diese Suppen „Yum Yum“ - beim Namen der weitestverbreiteten Marke. Die onomatopoetische Wortschöpfung soll von Appetit und Wohlbehagen erzählen. Das reizt natürlich zum Widerspruch, vor allem bei denen, die Glutamat und Künstlichkeit für Teufelswerk halten. Da die asiatische Küche eine der kurzen Garzeiten ist, wird die sonst durch Reduktion erzielte Glutamatkonzentration von außen beigesellt. Die Sojasauce ist da nur der bekannteste Vertreter.

          Die Tester: Koch Michael Kempf und Restaurantinhaber Hai Liu

          Thomas Vilgis, Professor für Theoretische Physik an der Universität Mainz, führender Aromaforscher und Autor avancierter Kochbücher, sieht keine Bedrohung in synthetischen Stoffen, die Yum-Yum-Suppen in verschiedenen Geschmacksrichtungen zugesetzt werden: „Molekül ist Molekül, es ist letztlich vollkommen egal, wo es herstammt“, weiß der Aromaforscher.

          „Die Rezeptoren des Menschen erkennen lediglich die Molekülstruktur und unterscheiden nicht, ob es ,künstlich‘ oder natürlich ist. Das ist auch bei den Aromen so.“ Tatsächlich ist bei vielen dieser Suppen von Künstlichkeit wenig zu spüren, wenngleich in kulinarischer Hinsicht keine Hochgenüsse zu verzeichnen sind.

          „Ich esse sie selten, bin aber offen für so etwas“, sagt Michael Kempf. Der Chefkoch des Restaurants „Facil“ im Berliner „Mandala Hotel“ und Träger zweier Sterne im Guide Michelin führte mit uns einen Test der Yum-Yum-Suppen durch, der rund zwei Dutzend Sorten umfasste. Die Gerichte des gebürtigen Sigmaringers sind vielschichtige Kompositionen im fast schon musikalischen Sinne, die mit schier ungeheurer Präzision geschmackliche Tiefe mit dem Eindruck von Leichtigkeit verbinden. Mit seiner unbekümmerten, jugendlichen Art wandte er sich hier also einer Aufgabe zu, die eigentlich nicht zum Alltag eines Spitzenkochs gehört.

          Kempf zur Seite stand Hai Liu, Inhaber des „Chi Chi Kan“, das zu den wenigen empfehlenswerten China-Restaurants der Hauptstadt zählt. Der eher stille und geistreiche Liu, der aus der Umgebung von Schanghai stammt und seit Jahrzehnten in Deutschland lebt, gehört zu den begnadeten Suppenköchen Berlins. Von ihm kam der Rat, die Geschmacksrichtung Chicken, also Hühnchenaroma, für die Verkostung zu wählen, weil es sich dabei um ein einfaches Aroma handelt, das sich leicht zuordnen lässt.

          In Lius Heimat gehört die Nudelsuppe übrigens nicht in die große Speisefolge. Sie sei ein „Pausensnack“. Nicht mehr und nicht weniger. Womit wir wieder bei den Schülern wären.

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