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Fastenzeit : Für mich bitte keinen Kuchen!

Süße Verführung: Schmeckt gut, tut gut. Bild: Picture-Alliance

Einst machte man eine Diät und wurde dafür bemitleidet. Heute fasten fast alle, denn fasten gilt als sexy. Aber für wen tun wir uns das eigentlich an? Und wie wäre es stattdessen mit sozialem Fasten?

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          Diese Woche brachte ein Kollege anlässlich seines Geburtstags Kuchen mit in die Redaktion. Eine schöne Tradition, am eigenen Ehrentage die anderen zu beglücken, sich für ein paar Minuten zusammenzusetzen und vielleicht über etwas anderes als die nächste Ausgabe zu quatschen. Erhebend waren auch die Kuchen, die da aufgefahren wurden: ein Schokoladenkuchen, so sanft und saftig und schokoladig, dass diese wenigen Minuten sich beinahe wie ein ganzes nahendes Wochenende gestalteten, und in Sachen Geschmack allerhöchstens übertroffen von seiner Begleitung, einem Käsekuchen von besonderer Cremigkeit. Was also ein zumindest aus kulinarischer Sicht vollendeter Tag zu werden versprach, lief sich dann leider doch nicht so richtig warm: Am Abend musste der arme Kollege diverse Kuchenstücke wieder mit nach Hause schleppen, und es steht zu befürchten, dass ihm an diesem seinem Geburtstagswochenende besagter Kuchen, wenn auch ganz besonders cremig und super schokoladig, aus den Ohren quoll und krümelte.

          Johanna Dürrholz
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Warum aber waren die Kollegen so wenig fress- und schokoladenwütig? „Tut mir leid, ich faste“, hieß es da immer wieder. Küsschen links, Gratulation rechts, Kaffee gern mit Sojamilch, aber Kuchen? Nein, danke. Das ist ja eigentlich nicht weiter verwunderlich, so in der Fastenzeit. Und gerade zu Beginn ebendieser Fastenzeit meinen viele Menschen es ja auch noch richtig ernst mit dem Verzichten. So wie es im Januar im Fitnessstudio immer wahnsinnig voll ist. Das bröckelt dann im Februar schon wieder und spätestens, wenn im März alle fasten, reicht die schwindende Kraft häufig nicht mehr, die Fitnessvorsätze auch noch einzuhalten.

          Und so wie die Neujahrsvorsätze zu einem kulturübergreifenden Phänomen avanciert sind, liegt auch das eigentlich religiös geprägte Fasten unter eigentlich nicht mehr wirklich religiösen Deutschen voll im Trend: Ob es nun der Verzicht auf Zucker, Kohlenhydrate, Alkohol oder auf das Smartphone ist – auf irgendetwas verzichtet offenbar jeder, und sei es noch so marginal. Ja, manch eine fastende Person meinte gar, ihre Umwelt doch tatsächlich darüber aufklären zu müssen, dass sie in diesem Jahr „Facebook fastet“. Die Mitteilung ging raus an alle ihre Social-Media-Freunde. Via Facebook, versteht sich.

          Das Gute an der Fastenzeit: Sie ist sozial überaus kompatibel. Auf das oft verschämt geäußerte Sätzlein „Ich bin auf Diät“ folgen hingegen neben schrägen Blicken oft gutgemeinte Einschätzungen des körperlichen Zustands der abnehmwilligen Person („Aber du hast das doch gar nicht nötig!“), die obligatorische Frage nach dem obligatorischen cheat day („Was? Also ohne cheat day könnte ich das ja nicht.”) oder aber der dezente Hinweis, dass man selbst noch nie, also wirklich noch nie . . . Während sie versichert, eine Diät wäre ihr „ja viel zu anstrengend“, streicht sich die Gesprächspartnerin dann gern ihre Bluse in Größe 34 glatt.

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