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Emu, Nandu oder Strauß : Alternativen zum Frühstücksei

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Harte Wahl: Im Eier-Casting gewinnt der Strauß bei der Größe gegen seine gefiederte Konkurrenz. Bild: dpa

Was ist das ideale Frühstücksei? Das Hühnerei? Straußenei? Oder doch das von der Wachtel, so groß wie eine Weintraube? Der Ei-Report gibt Aufschluss.

          7 Min.

          Immer nur Hühnerei, wie langweilig, bei so viel Vielfalt! Doch welches Ei ist das ideale Frühstücksei? Etwa das vom Strauß? Elfenbeinfarben mit Cellulite-Struktur? Eier wie diese lassen sich nicht einfach so in die Pfanne hauen. Sie gehören zu den dicksten Eiern weltweit und kullern in Deutschland am häufigsten in der Pfalz ins Nest, gelegt von langbeinigen Vogeldamen aus Afrika. 2009 brach eines dieser ovalen Kunstwerke aus Rülzheim in der Pfalz alle Rekorde. „Das 2720-Gramm-Ei war damals das größte Ei der Welt“, sagt der Straußenzüchter Christoph Kistner, „dafür gibt es Belege, wir haben es nur nie ins Guinness Book eintragen lassen, weil uns das nicht wichtig ist.“

          Die grazile Eier-Produzentin war der ganze Stolz ihrer Besitzer Uschi Braun und Christoph Kistner von der Straußenfarm Mhou. Die beiden legen viel Wert auf artgerechte Haltung ihrer inzwischen etwa 80 Tiere. Die Aussteiger haben sich seit 1993 ein kleines Straußen-Paradies aufgebaut, rund um eine südafrikanische Lodge mitten in der Pfalz. Gerne beobachten sie ihre Herde von flugunfähigen Riesenvögeln dabei, wie sie leichtfüßig über die Wiesen schweben, mittendrin Lieblingshenne Carla. Doch dann geschah vor sieben Jahren ein Unglück. Carla fiel ohne Vorwarnung einer Bundeswehr-Attacke zum Opfer. Eine Truppeneinheit übte mit ihren überdimensionalen Transporthubschraubern zu nah am Boden. Der Lärm versetzte den großen, schreckhaften Vogel so in Panik, dass er sich die Beine verknotete und eines brach. Straußenbeine sind nicht zu schienen. Das Tier musste erschossen werden. Nur ihre Nachfahren sind auf der Farm noch zu bestaunen, lauter graubraune Carlas und schwarzfedrige Carlos.

          Von der Sonnenterrasse der Farm hat man einen guten Blick auf die Tiere mit ihren pompös geschmückten Federhintern. Kistner sagt: „Straußeneier schmecken eigentlich genauso wie Hühnereier, und das am besten als Rührei. Dazu bohrt man das Ei oben und unten an, steckt auf der einen Seite einen Strohhalm hinein und pustet es aus.“ In ein durchschnittliches Straußenei passen etwa 25 bis 30 Hühnereier. Damit wird dann sogar die Verwandtschaft 3. Grades noch satt.

          Straußeneier sind bliebt

          Mit einem Durchmesser von ungefähr 15 bis 20 Zentimetern und einer Länge von bis zu 20 Zentimetern ist das Ei ein wenig unhandlich. Man müsste sich auf dieses Ei erst mal einlassen: In einen Eierbecher passt es nicht hinein. Es gibt aber extra angefertigte Holzständer für Straußeneier. Man kann es in 45 Minuten weich kochen oder in 90 Minuten hart, aber man kann es vor dem Kochen nicht mal eben anpieksen, damit es nicht platzt. Dafür braucht man wieder einen Bohrer. Es manierlich mit einem gezielten Messerschlag aus dem Handgelenk zu köpfen ist schier unmöglich. Die Schale ist zwei bis drei Milimeter dick und sehr robust. Man kann sich auf so ein Ei problemlos draufstellen, und es geht nicht kaputt. „Man muss es aufhämmern, bevor man an sein ,Herz‘ gelangt“, erklärt Ramona Scheer vom Straußenhof Chiemgau. Sie hat viel Erfahrung mit der Zubereitung der Rieseneier, sie ist die Küchenchefin vom Straußenhof. „Als Rührei ist es am besten portionierbar, aber hart gekocht und in Scheiben geschnitten, sieht es sehr dekorativ aus“, findet sie.

          Straußeneier sind beliebt. Den Züchtern werden sie quasi aus den Händen gerissen. „Bei uns sind alle vorbestellt, für Veranstaltungen von Vereinen und Gruppen, bis Herbst ist nichts zu machen“, erzählt Kistner. Bei Scheer und anderen Züchtern in Deutschland sieht es ähnlich aus. Wer zu Ostern Straußeneier haben möchte, muss langfristig planen oder im Ausland nachfragen. Strauße legen nur etwa 40 bis 50 Eier pro Jahr. Mit einer Ausnahme: Wenn man sie dem Hahn klaut, legt die Henne nach, und es werden etwas mehr. Denn bei Familie Strauß und den anderen Laufvögeln gilt der Rollentausch: Herr Strauß ist Hahn im Korb bei bis zu sechs Hennen. Jede aus seinem Harem bestückt ihm das Nest. Der Hahn brütet und beschützt dann das Gelege. Und im Anschluss sittet er die Küken.

          Von Emus und Nandus

          Straußen-Farmen findet man einige in Deutschland. Die großen Laufvögel waren schon Anfang der Neunziger beliebt als Exoten in Privatgehegen. Später wurden sie vielfach wegen der BSE-Krise nach Deutschland eingeflogen. Man suchte ein Ersatzprodukt zum Rindfleisch und experimentierte mit Straußen aus Afrika, Emus aus Australien und Nandus aus Südamerika. Die Eier schmecken übrigens alle ähnlich und wie das Hühnerei. Die Emus konnten in Deutschland nicht landen. Sie sind ein wenig kleiner als Strauße und legen auch etwas kleinere, dafür aber hübsche dunkelblaue bis dunkelgrüne Eier: „Das sind schon echte Raritäten, die für Normalverbraucher schwer bis gar nicht zu bekommen sind“, sagt Linda Dommes vom Verband der zoologischen Gärten e.V. In Deutschland findet man Emus nur noch in Zoos oder in kleineren Parks.

          Der Klassiker unter den Deutschen: Das Frühstücksei vom Huhn.
          Der Klassiker unter den Deutschen: Das Frühstücksei vom Huhn. : Bild: dpa

          Des Emus nächste Verwandten, die Nandus, haben sich in Deutschland gut akklimatisiert und östlich des Ratzeburger Sees im Nordwesten Mecklenburgs ganz geschickt „unters Volk“ gemischt. Seltsam anzusehen, stehen sie zwischen Hirschen, Kühen oder anderen „Einheimischen“ auf den Feldern der sanft hügeligen norddeutschen Landschaft. Es ist die einzige bekannte Nandu-Population in Mitteleuropa, die sich nach Ausbrüchen aus Gehegen in Freiheit etablieren konnte. Bei einem Osterspaziergang kommt man ihnen vermutlich näher als einem scheuen Reh. Nandus sind normalerweise freundliche, ausgesprochen neugierige Tiere. Doch ab Februar fangen sie an Eier zu legen, dann ist Vorsicht geboten. Der Hahn bewacht die hellgelben, rundlichen Gebilde aufmerksam. Kommt man ihm in dieser Zeit zu nah, egal ob Herr oder Hund, kann das Tier sehr ungemütlich werden. Wer dem Nandu dennoch eines seiner bis zu 40 Eier mopst, der macht sich strafbar und bekommt Ärger mit der Naturschutzbehörde. Alle Nandus, auch die Flüchtlinge in Meck-Pomm, unterstehen dem Washingtoner Artenschutzabkommen.

          Wenn man Pech hat, ist auch Ostern das Nest leer

          Das Gleiche gilt auch für Möwen-, Kiebitz- und Schwaneneier. Alle diese Tiere und ihre Produkte stehen unter Artenschutz. „Es ist doch auch Unsinn, Eier von rückläufigen Arten zu verschwenden“, meint Olaf Nieß, der Schwanenvater von Hamburg. Er sammelt die Schwäne rund um die Alster im Spätherbst ein. Zusammen mit ein paar Gänsen und Enten überwintern sie dann auf einem kleinen geschützten Teich im Hamburger Stadtteil Winterhude. Im Frühjahr bringt er die Tiere mit dem bemerkenswerten Hals in zwei Ruderbooten auf demselben Weg zurück. Kurz vor der Krugkoppelbrücke, an der Außenalster, halten sie es schon nicht mehr aus. Gemeinsam fliegen sie voller Lebenslust unter der Brücke hindurch wie eine weiße Wolke und verteilen sich in Sekundenschnelle rund um die Alster. Dort begegnet man den eleganten Vögeln jetzt schon im März. Obwohl die Tiere sich bemühen, sie schön im Schilf zu verstecken, entdeckt man hier und da doch das Gelege mit bis zu sechs Eiern. Sie sind leicht gräulich bis kalkweiß, 10-12 cm lang und 5-8 cm breit. Schwäne gehören zu den Entenvögeln. Ihre Eier schmecken wie die der Enten. Wenn die Witterung es zulässt, fangen sie Ende März an Eier zu legen.

          Solange es nass und feucht ist, halten sich viele Vögel mit ihrer Eierfreigabe zurück, auch die Gänse. „Noch haben sie nichts gelegt, und wenn man Pech hat, dann liegt auch Ostern noch nichts im Nest“, sagt der Eiermann auf dem Markt. Gänseeier bekommt man - je nachdem, wie früh oder spät Ostern fällt - auf den Wochenmärkten direkt von einigen Bauern oder bei einigen Geflügel- und Wildspezialisten. Man kann sie auch im Internet bestellen, bei Höfen, die Gänse halten. Die „Bioland Rosenschule Ruf“ hält zum Beispiel Gänse, um die Rosen zu düngen, als Rasenmäher und Wachhunde sozusagen. „Die Eier schmecken sehr gut, okay, manchmal ein wenig ,grasig‘, aber lecker“, sagt Werner Ruf, der Rosenzüchter. „Wir essen sie aber nur als hartgekochte Ostereier, mindestens acht Minuten brauchen die sicher, den Eierbecher können Sie vergessen. Ein Ei ist faustgroß und wiegt zirka 200 bis 300 Gramm.“

          „Laufenten sind sehr gelehrige Tiere“

          Enten waren Anfang des vergangenen Jahrhunderts noch die Stars unter den Eierlegern. Mit 250 bis 300 Eiern im Jahr übertrafen sie seinerzeit sogar noch locker jedes Huhn an Kapazität. Dazu fraßen sie die lästigen Schnecken vom Salat. Sogar auf Kommando: „Laufenten sind sehr gelehrige Tiere“, erklärt Hans-Joachim Schleicher Leiter der Geflügelabteilung bei den Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf. „Sie waren früher die Hühner von heute. Ihre Eier schmecken wunderbar, egal ob weich gekocht, als Rühr- oder Spiegelei. Das Dotter ist etwas fettiger, und man muss die Eier schnell verbrauchen“, sagt der Hühnerspezialist.

          Mit der Enteneier-Verordnung von 1936 fand die Enteneier-Produktion jedoch ein jähes Ende. „Den Ausschlag gab eine Hochzeitstorte. Genau genommen eine Schwarzwälder Hochzeitstorte“, erzählt Schleicher. Anfang der dreißiger Jahre wurde sie für eine Hochzeitsgesellschaft angefertigt. Mit einer Creme aus rohen Enteneiern. Mangels Kühlung nisteten sich schnell Salmonellen ein. Die halbe Hochzeitsgesellschaft litt unter den Folgen. „Es gab Tote, was schließlich zur Reichsenteneier-Verordnung führte“, beschreibt Schleicher die überlieferte Geschichte. Die gesamte Entenhaltung wurde zwar nicht verboten, aber man durfte die Eier nur noch verkaufen, wenn sie zehn Minuten gekocht waren. Doch diese Eier, hart wie Steine, wollte keiner. Hühner traten an ihre Stelle, die man mehr und mehr auf Legeleistung trimmte.

          Enten Eier galten lange Zeit als nahrhafte Alternative in Deutschland. Dies änderte sich jedoch mit dem Verbot durch die Reichsenteneier-Verordnung von 1936.
          Enten Eier galten lange Zeit als nahrhafte Alternative in Deutschland. Dies änderte sich jedoch mit dem Verbot durch die Reichsenteneier-Verordnung von 1936. : Bild: dpa

          André Rose, Tierpfleger im Wildpark Eekholt bei Hamburg, liebt Hühner. Er hält privat Araucaner, dazu hat er noch andere Arten: schöne große Orloffs und französische Marans-Hühner. Die Marans legen kastanienfarbige Eier, manchmal geraten sie aber in XXL. Bis zu 78 Gramm Eier hat Rose schon gefunden. „In die Ei-Ablage in den Kühlschrank passen die nicht mehr hinein. Außerdem muss man aufpassen, dass die Marans beim Eierlegen saubere Füße haben“, sagt Rose. Wenn man nämlich den Schmutz von den Marans-Eiern entfernt, wischt man auch die Farbe mit ab. Erstaunlicherweise bleibe die Farbe beim Kochen jedoch dran. „Einen großen Unterschied schmecke ich nicht bei meinen Hühnern, aber alle ihre Eier schmecken natürlich besser als die aus der Legebatterie, weil die Tiere bei mir immer frisches Futter bekommen, auch mal Essensreste. Das schmeckt insgesamt einfach frischer. Wie die Eier schmecken, hängt immer von der Fütterung ab“, davon ist Rose fest überzeugt.

          „pick-wer-wick, pick-wer-wick“

          Christiane Fischer und ihr Mann mögen Wachteln, die kleinsten Hühnervögel in Europa. Die Fischers betreiben den „Wachtelhof Fischer“, eine Farm mit 800 Wachteln im Dreiländereck zwischen Hessen, Bayern und Thüringen, in der sogenannten Kuppenrhön. Nachts hört Frau Fischer manchmal ein lautes „pick-wer-wick, pick-wer-wick“. Dann kann sie nicht mehr schlafen, weil sich das Wetter ändert: „Drei bis fünf Tage bevor sich die Witterung ändert, schlägt die Wachtel an“, sagt sie. Die Wachtel legt kleine, in verschiedenen Brauntönen gesprenkelte Eier, aus denen Christiane Fischer Wachteleierlikör macht. Für einen halben Liter braucht sie etwa 60 Eigelbe, die sie per Hand vom Eiweiß trennt. „Das ist ganz schön mühsam. Wachteleier kann man aber auch wie Hühnereier essen, so schmecken sie auch“, sagt Fischer. Die „Eierchen“ sind grade mal so groß wie eine Riesenweintraube. Die Kochzeit beträgt zwei Minuten für ein weiches und vier für ein hartes Wachtelei.

          Aber es geht noch eine Nummer kleiner: Das allerkleinste Ei der Welt legt die Bienenelfe, ein Winzling von 1,6 bis 2 Gramm. Sie lebt auf Kuba, wo man sie auch Hummel- oder Elfenkolibri nennt. Das Vögelchen legt Eier so klein wie Erbsen. Gut möglich, dass es eine Delikatesse ist, aber zum Frühstücksei wird es das Ei der Bienenelfe wohl nicht schaffen.

          In ein durchschnittliches Straußenei passen etwa 30 Hühnereier. Was den Geschmack betrifft, gibt es aber keinen Unterschied.

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