https://www.faz.net/-hrx-894c2

Essen auf Rädern : Fastfood der nächsten Generation

  • -Aktualisiert am

Food Trucks : Essen auf Rädern

„Wir kannten nur den Ikea-Hotdog“

Wer nicht die Küchen anderer Länder erkundet, beschränkt sich auf ein Produkt, das er handwerklich verfeinert und variantenreich anbietet. So wie die Freunde Christian Daurer, Manuel Moser und Melissa Pirouzkar, die in München Gourmet-Hotdogs durch die Klappe ihres umgebauten, jetzt schwarzen UPS-Wagens reichen. „Wir kannten selbst nur den Ikea-Hotdog“, begründet Daurer, studierter BWLer, die Entscheidung für das Konzept ihres Food Trucks „Isardogs“. Also taten sich die Hobbyköche mit dem französischen Sternekoch Patrick Coudert zusammen, der die Saucen für die Hotdogs entwickelte. Vier Varianten bereiten die Jung-Gastronomen im Truck mit regionaler Rindswurst und nach ihrer Rezeptur gebackenen Brötchen zu. Der Renner: Der BBQ-Hotdog „Old Peter“, dicht gefolgt von „Mr. Miyagi“ mit Wasabi-Sauce.

Einen französischen Wegbegleiter haben auch Alexander Boder und Angelika Thielemann: Ihr Food Truck ist ein silberfarbener Wellblechbus, ein Citroën HY Baujahr 1968, der ein früheres Leben als Crêpe-Wagen bei der französischen Feuerwehr führte. Jetzt brutzeln Kartoffelpuffer in seinem Inneren, die Boder und Thielemann mit Apfelmus oder pikant mit Kräuterquark, Knoblauchöl oder Räucherlachs servieren. „Als wir den Wagen vor sechs Jahren aus dem Elsass abgeholt haben, wussten wir noch gar nicht, dass wir einen Food Truck besitzen. Das kam erst später. Eigentlich ist er für die Bezeichnung auch viel zu klein“, erzählt Boder im Wageninneren, wo er zwischen Theke und gegenüberliegender Bratplatte allein locker Platz hat.

Unser erstes Treffen hat Boder glatt verschwitzt. Zwischen den Ständen mit italienischem Käse und brandenburgischem Gemüse vor dem Berliner U-Bahnhof Onkel Toms Hütte konnte der Franzose mit der Aufschrift „Die dollen Knollen“ nicht gesichtet werden. Inmitten der Vorbereitungen für das Mitarbeiterfest des Rundfunks Berlin-Brandenburg hatte Boder diesmal keine Zeit für den kleinen Markt in Zehlendorf.

Attraktive Alternative zum klassischen Caterer

Am nächsten Tag bereitet er seit halb sechs Uhr morgens seinen Einsatz am späten Nachmittag vor: Er reibt Kartoffeln und mischt sie mit glutenfreiem Mehl, Ei, Muskatnuss und Salz; bestückt den Wagen mit Plastikbesteck und -tellern, lagert in ihm Limonadenkisten; dann macht er sich mit seiner mobilen Puffermanufaktur auf den Weg in die Masurenallee. Hier benötigt er noch einmal zwanzig Minuten, um mit dem Verkauf loslegen zu können. Seine letzte Handlung, bevor sich die ersten RBB-Mitarbeiter auf dem kleinen Vorplatz einfinden, um den herum sich neben Boder die üblichen Wurst- und Getränkestände sowie ein mobiler Barista aufgestellt haben: den Zuckerstreuer befüllen. Nach der Veranstaltung wird Boder bis ein Uhr in der Nacht mit der Reinigung des Wagens beschäftigt sein, bevor es am Morgen auf den Samstagsmarkt am Südstern geht.

Seit einem Jahr können Boder und seine Frau - er davor Grafiker, sie medizinisch-technische Assistentin - von den Puffern leben. „Food Trucks sind Inselunternehmen. Wenn man kein Netzwerk mit anderen Truckern oder Caterern aufbaut, ist man schnell weg“, sagt Boder. Er hat sich inzwischen - wie viele andere Trucker auch - auf das Catering spezialisiert: „Da verdient man Geld.“ Unternehmen und Veranstalter haben längst erkannt, wie attraktiv das Konzept Food Truck als Alternative zum klassischen Caterer ist; auch die Berlinale-Gäste wurden im vergangenen Jahr mit Essen auf Rädern verköstigt. Statt die immergleichen Häppchen serviert zu bekommen, freuen sich Mitarbeiter und Gäste über so viel kulinarische Abenteuerlust und den Einblick in die Zubereitung vor Ort.

Weitere Themen

Topmeldungen

Blaulichtfahrten seien das Privileg des Politikers, hat Markus Söder sinngemäß einmal gesagt.

Kanzlerkandidatur : Die Wette auf Söder

Der bayerische Ministerpräsident hat die CSU fest im Griff, deshalb redet keiner öffentlich über die K-Frage. Aber viele glauben, dass es ihren Vorsitzenden nach Berlin zieht.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.