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Bialetti in der Krise : Kanne leer

Der Name Bialetti steht für ein Produkt, das jahrzehntelang ein Symbol Italiens darstellte: eine Aluminiumkanne, mit der Mokka gekocht werden kann. Bild: Picture-Alliance

Jahrzehntelang brühten nicht nur Italiener ihren Mokka mit der Bialetti. Doch jetzt sind Vollautomaten und Kapseln gefragt. Mit Pfannen und Mokkakannen kann Bialetti jedoch weder wachsen, noch Gewinne erzielen.

          Ein italienischer Markenname allein, selbst wenn er international berühmt ist wie Bialetti, garantiert noch lange keinen geschäftlichen Erfolg. Diese Erfahrung müssen derzeit die Aktionäre des Unternehmens machen, das 2007 mit einem Aktienpreis von 2,50 Euro an die Börse gebracht wurde, derzeit aber nur einen Kurs von 34 Cent erreicht. Von 187 Millionen Euro anfänglichen Börsenwerts sind noch 37 Millionen Euro geblieben.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Dabei war der Name so bekannt, dass zwei Italiener mit vielerlei Erfahrungen in italienischen Luxuswelten beim Börsengang kräftig investierten. Diego Della Valle, erfolgreicher Herr über die Luxusmarken „Tod's“ und „Hogan“, kaufte 10 Prozent. Sein Freund, der ehemalige Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo, ließ mitteilen, er habe ein Prozent erworben. Doch für die beiden ist Bialetti heute nur noch ein Verlustposten, über den man am liebsten nicht mehr redet. Die Wirtschaftsprüfer wollten weder für die Bilanz von 2017 noch für die Geschäftsdaten für das erste Halbjahr das offizielle Testat geben. Die weitere Zukunft des Unternehmens erscheint unsicher.

          Dabei steht der Name Bialetti für ein Produkt, das jahrzehntelang ein Symbol Italiens darstellte: eine Aluminiumkanne, mit der Mokka gekocht werden kann. Die Kanne wurde 1933 erfunden von einem Alfonso Bialetti, Inhaber einer Aluminiumgießerei in einem Dorf namens Crusinallo. Die Gegend westlich des Lago Maggiore ist bis heute bekannt für die Herstellung von Pfannen und Töpfen. Ein Nachbar ist das erfolgreiche Unternehmen Alessi.

          Die Kaffeekanne namens „Moka Express“ basiert auf einem einfachen Mechanismus: In der unteren Kammer wird Wasser eingefüllt, das beim Erhitzen durch heißen Dampf einen Stock weiter oben als Mokka aufgefangen wird. Die Kanne wurde während der Zeit des Schwarzweißfernsehens in Italien mit einem Fernsehspot vor den Abendnachrichten berühmt, und damit gehörte sie zu jedem italienischen Haushalt. Rund 300 Millionen der Aluminiumkannen sollen inzwischen verkauft worden sein. Doch selbst der Umstand, dass die Bialetti-Kanne seit 2003 im New Yorker Museum of Modern Art ausgestellt ist, hilft heute nicht mehr weiter.

          Als diese Werbung erschien, im Jahr 1961, war die Welt noch in Ordnung, und die Aluminiumkanne gehörte in jeden Haushalt.

          „Bei einem Abendessen haben wir über den Niedergang italienischer Marken wie Bialetti diskutiert“, berichtete gerade ein italienischer Journalist in einer Fernsehdiskussion, „doch gleich danach hat der Hausherr Espresso aus den Kaffeekapseln von Nestlé angeboten.“ Die Kapseln sind nur die jüngste Entwicklung, die der Bialetti-Kanne Marktanteile wegnehmen. Zuvor kamen schon die Kaffeevollautomaten. Diese Geräte kosten zwar ein Vielfaches der einfachen Aluminium-Kanne, doch lässt sich viel leichter eine hohe Qualität des Kaffeegetränks garantieren. Wer den Kaffee aus den Automaten gewöhnt ist, empfindet die Mokkakanne nur noch als eine Notlösung.

          Die Familie des Erfinders hat indessen ihre Firma schon 1983 weiterverkauft. Bialetti wurde in eine kleine Unternehmensgruppe integriert, die Pfannen und Töpfe herstellte und daneben noch einen kleinen Anbieter von Küchengeräten erworben hatte. Bialetti sollte der wohlklingende Name für das ganze Unternehmen werden und für inzwischen 180 Geschäfte. Doch Pfannen werden inzwischen längst auch im Möbelgeschäft verkauft, und die Kanne ist mehr ein sympathisches Museumsstück, obwohl im Geschäft vielerlei Varianten angeboten werden – neun verschiedene Größen der klassischen Aluminiumform, mit der italienischen Trikolore, der Feder der Gebirgsjäger oder den Farbtupfern einer Kuh.

          Inzwischen musste Bialetti zugeben, dass man zuletzt nicht genügend Geld hatte, die Lieferanten zu bezahlen, deswegen habe man sogar feste Kundenaufträge nicht bedienen können. Die Notlage scheint zwar überwunden, doch mit Pfannen und Mokkakannen kann Bialetti weiterhin weder wachsen noch Gewinne erzielen.

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