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Yoga und Ernährung : „Essen Sie nichts, was den Geist nach unten zieht“

Yoga hat im Gegensatz zu Ayurveda nicht nur eine körperliche, sondern auch eine geistige und spirituelle Dimension. Bild: AP

Die Prinzipien des Yoga zielen auf viele Lebensbereiche – auch die Ernährung. Die Foodstylistin, Autorin und Yoga-Lehrerin Garlone Bardel spricht über Rohes und Gekochtes, über das richtige Maß – und liefert drei Beispielrezepte aus ihrem neuen Buch.

          Frau Bardel, warum ist es wichtig, dass jeder Mensch sich ganz individuell ernährt?

          Katrin Hummel

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Jeder von uns hat eine andere Konstitution und somit andere Bedürfnisse. Ein Lebensmittel tritt immer in Interaktion mit einem Organismus und einem individuellen Stoffwechsel. Im Ayurveda ...

          ... der traditionellen indischen Heilkunst ...

          ... ja, dort gibt es drei verschiedene Grundtypen oder Konstitutionen. Auch Kombinationen aus den dreien sind möglich. Wenn man seinen Typ kennt, weiß man, welche Nahrungsmittel man bevorzugen und welche man meiden sollte, welche körperlichen Aktivitäten man ausüben sollte und welche körperlichen Schwachstellen man hat.

          Gibt es denn einen Unterschied zwischen ayurvedischer und yogischer Ernährung?

          Ayurveda als ganzheitliche Medizin oder Heilkunde zielt vor allem darauf ab, den physischen Körper in einem gesunden Gleichgewicht zu halten. Yoga dagegen hat nicht nur eine körperliche, sondern auch eine geistige und spirituelle Dimension. Daher geht es bei der yogischen Ernährung auch darum, sehr energiereiche Nahrungsmittel zu essen. Während es zum Beispiel im Ayurveda heißt, dass gekochte Nahrung besser verträglich ist, ist das Yoga gegenüber rohen Nahrungsmitteln sehr positiv eingestellt, weil sie reicher an Prana, also an Lebensenergie, sind. Laut yogischer Ernährung sollte die Nahrung sehr frisch geerntet und nicht mit dem Flugzeug importiert, in der Mikrowelle erhitzt oder eingefroren worden sein.

          Bemerken Sie, wenn Sie viel Prana haben?

          Ja, zum Beispiel an der Verdauung. Die läuft dann ganz unmerklich ab. Wenn man wenig Prana hat, fühlt man sich nach dem Essen träge; man hat einen vollen Bauch. Ein weiteres Prinzip des Yoga ist auch die Mäßigung, sowohl beim Essen als auch sonst im täglichen Leben: Maß halten, nicht immer nehmen und konsumieren, so viel man kann. Auch nicht, wenn man Stress im Job hat und nur schnell was essen will. Selbst dann kann man darauf achten. Aber man darf auch mal fünfe gerade sein lassen. Man kann Ausnahmen machen und mal was essen, was nicht frisch und nicht bio und nicht regional ist. Ernährungsextremismus ist schrecklich.

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          Schaffen Sie selbst es, sich immer gesund zu ernähren?

          Ich arbeite in Küchen, in denen Fotos gemacht werden. Also esse ich mittags selten zu Hause. Aber ich sehe trotzdem immer zu, dass ich mich gesund ernähre. Zum Beispiel koche ich in diesen Schauküchen meist was für das gesamte Team. Ich stehe aber nicht lange in der Küche, meine Rezepte gehen alle schnell, auch die aus dem Buch. Aber alle Kollegen sind immer begeistert. Denn immer Sushi zu bestellen, das sind die Leute auch leid.

          Aber nicht jeder arbeitet in einer Schauküche.

          Ich bin da auch nicht immer. Aber zum Beispiel wenn ich im Zug sitze und mir nichts zu essen mitgenommen habe, gehe ich niemals in den Speisewagen. Die Nahrung dort ist einfach nicht frisch.

          Aber Sie könnten einen Salat essen?

          Nein, der wurde dann ja industriell gewaschen, und frisch ist er auch nicht. Ich könnte niemals etwas essen, was industriell zubereitet und dann in der Mikrowelle erhitzt worden ist. Das ist unmöglich für mich. Ich esse dann lieber gar nichts. Oder Obst; ich habe immer einen Apfel oder eine Banane dabei für Notfälle.

          Welche Nahrungsmittel sollte man denn laut yogischer Lehre auf gar keinen Fall essen?

          Nahrung, die den Körper ermüdet und die die Verdauung erschwert. Sie verbraucht mehr Energie, als sie dem Körper zuführt, und zieht den Geist nach unten. Dazu zählen Fleisch, Schalentiere, Eier, Hartkäse, industriell hergestellte Nahrung, Frittiertes, Konserven, Eingemachtes, Getrocknetes und Tiefgefrorenes. Diese Dinge sind mit allergrößter Vorsicht zu genießen.

          Garlone Bardel: „Yoga Kochbuch: Grundlagen, Übungen und 108 Rezepte“, AT Verlag, 296 Seiten, 29 Euro; diesem Buch sind auch die Rezepte und Rezeptfotos entnommen.

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