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Dulce de leche : Das Nutella Lateinamerikas

  • -Aktualisiert am

Eine zähe Angelegenheit: Dulce de leche Bild: StockFood

Drei Kilo Dulce de leche essen die Menschen in Südamerika pro Jahr. Die Süßigkeit ist dort fast schon eine Frage nationaler Identität.

          2 Min.

          Man muss es einfach mal selbst versucht haben. Milch. Zucker. Vanille. Für eine echte „Dulce de leche“ kochen die Zutaten stundenlang, bis sie die perfekte Konsistenz haben. Nicht zu flüssig, nicht zu fest, irgendwo zwischen Honig und Schokocreme, so fließt die süße Köstlichkeit langsam und zäh vom Löffel.

          Dulce de leche ist so etwas wie das Nutella Lateinamerikas. Von Baja California im Norden Mexikos bis Patagonien im Süden Argentiniens ist die sämige Masse zu haben: als Brotaufstrich, Tortenfüllung oder in kleinen süßen Teilchen. Übersetzt heißt Dulce de leche „Süßigkeit aus Milch“ oder einfach: Milchkonfitüre. Argentinier essen viel Milchkonfitüre, sogar sehr viel, im Durchschnitt pro Kopf und Jahr rund drei Kilo. Nur um diese Zahl besser einordnen zu können: Jeder Deutsche verspeist im Jahr etwa ein Kilo Schokocreme der Marke „Nutella“. „Dulce de leche gehört in Argentinien einfach zum Alltag dazu, so wie Mate“, sagt Graciela dos Santos. Die Deutsch-Argentinierin lebt im bayerischen Regensburg und hat immer ein Glas der zuckersüßen Creme zu Hause.

          Die Südamerikaner können zwischen mehr als 50 Marken wählen, mal in hübschen Gläsern, mal in Plastikbechern. Ob es „Chimbote“, „La Serenísima“ oder „San Isidro Labrador“ sein soll, ist reine Geschmacksfrage. Graciela aus Regensburg schwört auf „Havanna“. Die sei nicht so süß. Am liebsten aber kocht sie die Dulce selbst. Wie das geht, hat sie von ihrer Mutter gelernt. Von ihr weiß sie, dass es beim stundenlangen Kochen auf die ersten 15 Minuten ankommt und auf das richtige Gefühl.

          Eine Frage nationaler Identität

          Dulce de leche hat in Lateinamerika viele Namen. Für Bolivianer heißt sie „Manjar blanco“, für Venezolaner „Arequipe“ und für Mexikaner „Cajeta“. 2003 hat Argentinien sogar versucht, seine Dulce als Weltkulturerbe anzumelden. Ohne Erfolg übrigens, denn Uruguay legte Einspruch ein. Die Enttäuschung der Argentinier war groß. Mexiko kürte 2010 seine „Cajeta“ zum nationalen Nachtisch.

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          So ist die Dulce nicht nur eine süße Angelegenheit, sondern fast schon eine Frage nationaler Identität. Wo ihre Ursprünge liegen, ist zu einem Zankapfel geworden. Am Ende will jedes Land das erste gewesen sein, in dem die Creme gekocht wurde. Eine bekannte und immer wieder gern erzählte Legende stammt aus Argentinien und ist fast zu schön, um wahr zu sein: Die Köchin von Diktator Manuel de Rosas soll im Jahr 1829 einen Topf mit Milch und Zucker auf dem Feuer vergessen haben. Die karamellfarbene Creme, die sie nach stundenlangem Köcheln im Topf vorfand, soll der Diktator dann mit seinem Erzfeind Juan Lavalle bei Friedensverhandlungen verspeist haben. Eine hübsche Geschichte, der in Uruguay dennoch niemand so recht glauben möchte.

          „Das gehört zu uns wie Dulce de leche“

          Wie die Geschichten, so unterscheiden sich auch die Rezepte von Land zu Land. Mal ist die Milchkonfitüre ganz fest wie in Venezuela die Arequipe, zumeist aber dickflüssig wie die mexikanische Cajeta, die aus Kuh- und aus Ziegenmilch mit einer Prise Zimt hergestellt wird. Traditionalisten und Geduldige kochen die Dulce stundenlang, Eilige greifen zum Schnellkochtopf oder stellen die Mischung einfach in die Mikrowelle.

          Es mag auch in anderen Ländern so etwas wie Milchkonfitüre geben. In Frankreich zum Beispiel. Oder Russland. Von einer so liebevollen wie emotionalen Bindung, wie sie Lateinamerikaner zu ihrer Dulce de leche haben, kann aber bei weitem nicht die Rede sein. So heißt es doch: „Tan nuestro como dulce de leche.“ Übersetzt: „Das gehört zu uns wie Dulce de leche.“

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