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Köchin Douce Steiner : Die junge Milde

Denn die Stopfleber und das Filet nehmen sich als Aromen-Alliierte gegenseitig die Wucht, während ein Coulis aus Granatapfel und eine eingelegte Feige dem Gericht eine frühlingshaft fruchtige Frische geben. Und so schließt das alles im Mund den schönsten Frieden. In solchen Momenten begreift man, dass Douce Steiners Harmoniebedürfnis im Leben auf dem Teller seine Fortsetzung findet: Auch hier sollen sich die Geschmäcker nicht bekämpfen, sondern im besten Einvernehmen mit einander existieren.

Ihr Steinbut lässt die Wellen auf dem Teller schäumen

Sie kann aber auch die ganz große Oper, Hector Berlioz mit 200-Mann-Orchester, etwa bei ihrem Steinbutt. So kraftvoll schmeckt dieser Bursche, als sei er ein direkter Abgesandter Poseidons, als wolle er auf dem Teller die Wellen schäumen und das Wasser brodeln lassen, das bei Douce Steiner indes kein Ozean, sondern ein Fond aus Petersilienwurzeln ist, mit einem Geschmack wie ein tiefes Grollen mitten aus Mittelerde. Und als Krönung verströmen weiße Albatrüffel ihren Duft wie eine schleiertanzende Diva ihr Charisma, eingefangen von einem Wachtelei, das ganz benommen ist von diesem Aromen-Bombardement.

Wenn man dann an die zierliche Person in der Küche denkt, die sich dieses Gericht ausgedacht hat, mag man es kaum glauben. Eher stellt man sich einen Koloss von Kerl vor – also gut, kein Wort mehr zu Männern und Frauen, Machismus und Feminismus am Herd.

„Wir können nur noch variieren“

Douce Steiner zaubert solche Gerichte pausenlos aus dem Zylinder, als würde sie in ihrem Hut einen ganzen Kaninchenstall verbergen. Ihr helfe dabei, dass sie ihre Gerichte im Kopf komponiere, da müsse sie nicht so viel ausprobieren, sagt sie en passant, als gebe es nichts Selbstverständlicheres auf der Welt. Sie könne sich die Aromen und Geschmäcker ihrer Zutaten sinnlich vergegenwärtigen und nach Belieben neu zusammenstellen. Das Kochen sei dann fast die geringste Aufgabe. Doch trotz dieser Fähigkeit bleibt Douce Steiner bescheiden. Es sei nicht ihr Traum, ein unsterbliches Gericht zu kreieren, einen Teller, der alle Zeiten überdauern und ihr zu ewigem Ruhm gereichen werde. „Es hat alles schon einmal gegeben“, meint sie lapidar, „wir können nur noch variieren.“

Hat sie also gar keine Träume? „Doch. Ein Haus mit Sauna und Swimming-Pool. Ich schwimme nämlich für mein Leben gern. Und das Haus haben wir schon gekauft.“ Sie sagt das mit einem Strahlen, das ihre Augen noch lauter lachen lässt als sonst. Zur Traumtänzerin hat diese Frau wirklich kein Talent. Ein Glück, dass sie Köchin geworden ist.

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