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Pfälzer Rings-Brüder : Schöne Bescherung zur Winzervolljährigkeit

Die Brüder Rings sind qualitätsfanatische Naturmenschen, denen auch der größte Erfolg ihre urpfälzische Grundentspanntheit nicht austreiben kann. Sie sind seit zwei Jahren bio-zertifiziert, verzichten seit zehn Jahren auf Herbizide, lesen fast alles von Hand und das oft in drei Durchgängen, legen größten Wert auf die Sortierung der Trauben, lassen sie fast ausschließlich spontan vergären, stecken selbst die Gutsweine ins Holzfass und haben den Ertrag so radikal reduziert, dass jeder Betriebswirt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen müsste. Maximal fünfundfünfzig Hektoliter holen sie aus jedem ihrer vierzig Hektar, bei manchen Großen Gewächsen reduzieren sie den Ertrag sogar auf fünfundzwanzig Hektoliter – um daraus Sensationsweine wie das Große Riesling-Gewächs aus der Kallstädter Prestigelage Saumagen mit ihren kalkhaltigen Böden zu machen. Neun Monate liegt er auf dem Hefelager, reift dann im großen Holzfass und verlässt es als ungeheuer mineralischer, fast salziger Wein, der vor Kraft strotzt, aber nicht aus der Form geht wie ein Sumo-Ringer, sondern drahtig wie ein Zehnkämpfer bleibt, der den für Pfälzer Spitzenrieslinge so typischen, monumentalen Auftritt liebt, ohne aber in den Verdacht des Protzens zu geraten, weil ihn davor seine filigrane Säure schützt.

Konzentriert eleganter Bordeaux aus der Pfalz

Dafür lassen sie es beim Großen Weißburgunder-Gewächs vom Weilberg richtig krachen, das so opulent, so überwältigend ist, als hätten sie Aladins Geist aus der Flasche entlassen, um einem Gryphius oder Góngora den Kelch zu füllen – und um dann mit dem „Kreuz“, einer besonders warmen Lage mit Böden aus Kies und Sand, wieder ins komplette Gegenteil zu schlagen. Die Bedingungen sind hier wie an Garonne und Gironde, beste Voraussetzungen, um aus Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc einen Pfälzer Bordeaux zu kreieren, der knapp zwei Jahre im Barrique liegt und mit seiner konzentrierten Eleganz, seiner Harmonie aus Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit nach ganz großem Château schmeckt.

Man mag kaum glauben, dass derart bescheidene, erdverwurzelte, unprätentiöse Menschen wie Steffen und Andreas Rings Weine von solcher Grandezza keltern können. Und wer glaubt, ihr neuer Weinkeller sei Ausdruck von Größenwahn oder Eitelkeit, kann diesen Irrtum ganz einfach bei einem Gang auf die Toilette im Freinsheimer Stammhaus des Weinguts korrigieren: Die meisten Ehrenurkunden und Siegermedaillen der Rings-Weine hängen kurz vor dem Klo an der Wand.

Weingut Rings, Dürkheimer Hohl 21, 67251 Freinsheim, Tel.: 0 63 53/22 31, www.weingut-rings.de.

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