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Griechischer Wein : Mit einer Brise Salz im Glas

Der Winzer Stéphane Derenoncourt auf dem Weingut T-Oinos oberhalb des Dorfes Falatados Bild: Rainer Hermann

Die griechische Insel Tinos ist ein eher unwirtlicher Ort. Dem Franzosen Stéphane Derenoncourt gelingt es dennoch, dort einen Spitzenwein anzubauen.

          Es ist wie auf einem anderen Planeten. Abertausende gewaltige Granitbrocken liegen auf dem 450 Meter hohen Plateau und an den Hängen der Berge. Als ob ein Riese mit ihnen gerade noch Boule gespielt hätte. Der Nordwind der Kykladen, der Meltemi, fegt über die Insel Tinos hinweg und auch über den Weinberg oberhalb des Dorfs Falatados. „Es ist ein verrückter Ort“, sagt der französische Vigneron Stéphane Derenoncourt. „Man weiß nicht, wo man ist.“

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Vor drei Jahren war der Weinbaufachmann zum ersten Mal auf die Insel in den nördlichen Kykladen gekommen. Sein Freund Gérard Margeon, Chefsommelier beim berühmten Sternekoch Alain Ducasse, hatte ihn nach Tinos gebracht, um an diesem merkwürdigen Ort Wein zu machen. „Ein verrückter, aber auch ein perfekter Ort für Wein“, sagt er heute und blickt auf die Trauben, die sein vierter Jahrgang sein werden.

          Ihn zieht die unwirtliche Landschaft im Inselinneren von Tinos an wie wenige andere Orte. Es reizen ihn die Schwierigkeiten, dem heftigen Wind, der trockenen Erde und der starken Sonne einen guten Wein abzutrotzen. Der Wind weht vom nahen Meer, er ist daher salzhaltig, was man im Wein wiederfindet. „Wenn man diesen Wein trinkt, soll man Tinos schmecken“, sagt Derenoncourt. Zu Hause in Bordeaux kämpft er gegen den Regen und die Luftfeuchtigkeit. Hier auf Tinos muss er jedoch andere Methoden finden, um einen guten Wein zu produzieren.

          „Reben müssen leiden, damit es ein großer Wein wird“, sagt Derenoncourt. Den Wein vergleicht er mit Menschen. Wer eine schwierige Kindheit hatte, könne ein interessanter Mensch werden. Das gelte auch für Weinberge. „Diese Trauben hier haben eine Geschichte zu erzählen.“

          Zum guten Wein war es ein langer Weg

          Zwölfmal im Jahr kommt Derenoncourt nach Tinos, und er bleibt jeweils einige Tage. In 16 Ländern arbeitet er als Berater für Weinbau. Angebote aus der Neuen Welt, wo es viel Geld gibt und wo es Mode geworden ist, damit Wein anzubauen, schlägt er seit einiger Zeit aus. Seine Leidenschaft gilt den Orten aus der Geschichte des Weinbaus, Europa und vor allem der Mittelmeerregion.

          Also auch Griechenland, wo er für Alexandros Avatangelos arbeitet. Der aus Korfu stammende Unternehmer hat schon acht Millionen Euro in das Projekt „T-oinos“ gesteckt. Der Name fügt Tinos und das griechische Wort für Wein, oinos, zusammen. Sein Geld verdient der Geschäftsmann, der lange in Frankreich und Belgien gelebt hat, zwar in anderen Branchen. Seine Leidenschaft ist jedoch der Wein. Ein großer Wein verbinde die Erde mit dem Menschen – so mache Wein das Unsichtbare sichtbar.

          Erst war er lange in Santorini an einem Weingut mit 50 Prozent beteiligt, aus dem er sich jedoch zurückgezogen hat. Im Jahr 2001 besuchte er zum ersten Mal Tinos. Ein Freund, der Bildhauer Praxitelis Tzanoulinos, hatte ihn eingeladen, und der zeigte ihm oberhalb seines Heimatdorfs Falatados einen verlassenen Weinberg – auf dem jetzt Derenoncourt wieder mit Einwohnern von der Insel arbeitet. Lange hatten die Insulaner zuvor hier schon guten Wein angebaut. Avatangelos kaufte die 13 Hektar und begann wieder mit dem Weinbau. Den ersten Wein gab es 2011. Das Potential war zu erkennen, ein guter Wein war es aber noch lange nicht. Avatangelos holte sich Derenoncourt dazu und auf die Insel.

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