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Drei Regionen liegen vorn : Die besten Weine einer durchwachsenen Saison

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Nur wenige Weine haben es im vergangenen Jahr an die Spitze geschafft. Bild: dpa

Die besten Weine des durchwachsenen vergangenen Jahres stammen von Mosel, Saar und Ruwer. So mancher Riesling bringt uns direkt ins Nirwana.

          Das Große Gewächs, der Name sagt es, ist ein Spitzenwein. Nase und Zunge verraten die Qualität der 400 Weine, meist aus dem Jahr 2017, die Winzer des Vereins Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) in Wiesbaden vorgestellt haben. Anders als in diesem Jahr erwischte das Wetter im vergangenen Jahr die Winzer eiskalt, mit einem frühen Austrieb, den Frostnächte im April jäh beendet haben. Bei der Menge und der Qualität gab es Einbußen, weil die später nachwachsenden Trauben nicht ausreifen konnten. Und dann folgte im September eine Regenperiode, die für Fäulnis sorgte und in eine der frühesten Weinlesen aller Zeiten mündete.

          Das Klima ist die eine Seite der Qualität, die Herkunft die andere. Die internen Kriterien des VDP für ein Großes Gewächs: Der Wein muss von einer klassifizierten Lage stammen, Handlese ist obligatorisch, ein Höchstertrag (50 Hektoliter pro Hektar) darf nicht über- und die Mindestreife nicht unterschritten werden. Schließlich muss der Wein noch die interne Qualitätsprüfung überstehen, und vom 1. September des Folgejahrs an wird er dann verkauft. Der Ehrgeiz, den besten Riesling der Welt zu erzeugen, spornt viele deutsche Winzer an.

          Vom Jahrgang 2017 gibt es also gute Weine in der Mitte, aber nur sehr wenige, die es bis an die Spitze geschafft haben. Der Jahrgang 2017 trennte das Gute vom weniger Guten klarer als die Jahre 2015 und 2016. Aber einen Gewinner gibt es beim Riesling: die alles überstrahlende Herkunft Mosel, Saar und Ruwer; dieses Dreigestirn untermauert mit den Schieferkathedralen seinen Ruf wie Donnerhall. Die Weine sind intensiv, extrem klar, auf den Punkt gebracht, dabei puristisch und beinahe ewig.

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          Auch wir haben gewertet, nach der internationalen 100-Punkte-Skala: 80 Punkte sind mies, 90 herausragend, 100 Punkte das Nirwana. Zuerst bewerten wir Rieslinge, dann die restlichen Rebsorten.

          Riesling – Saar und Ruwer

          Im herausfordernden Jahr 2017 haben die Weine hier überdurchschnittlich abgeschnitten. Es brillieren Rieslinge mit eleganter, reifer Säure und ziselierter Frucht.

          Weingut van Volxem, 2017 Goldberg: Duft nach grünem Tee und erdiger Würze. Im Mund tiefschürfend, voller Strahlkraft und Freude. Saftig, edel, lang und persistent. Großes Saar-Kino der Extraklasse. 95 Punkte.

          Maximin Grünhaus, 2017 Herrenberg: verhaltener Duft. Im Mund dann grandioses Schieferfeuerwerk, strahlende Säure, großartig. Grünes Gold, vitale Superfrucht und minzig-erfrischend. 97 Punkte.

          Nik Weis St. Urbanshof, 2017 Saarfeilser: faszinierender Duft nach Williamsbirne, überirdisch. Ribbecksche Birnen von der Saar. 100 Punkte für diese grandiose Nase. Exzellente Säure, in der Mitte ein weiches Gaumenkissen, der Duft benebelt die Sinne. Einfach betörend! 98 Punkte.

          Weingut Dr. Fischer, 2017 Kupp: Duft nach Puderdose, unwiderstehlich jetzt! Handgeklöppelte Spitze, Flieder und Jasmin, Ananas, erdige Noten, dicht verwobene Säure. Langes Finale. 96 Punkte.

          Mosel

          2017 fallen die Rieslinge weit über dem Durchschnitt aus, dabei gibt es kaum Enttäuschungen. Eine herausragende Leistung der Winzer von den Steillagen.

          Weingut Heymann-Löwenstein, 2017 Röttgen: reichlich Schiefer, kandierte Früchte, Sukkade, Honig, Jasmin und Lindenblüte. Herrlicher Aufbau, Schicht um Schicht, Quitte und Saure Sahne mit Vanille. Ein warmer Wein, balsamisch und cremig. Großes Gaumenkino mit langem Abspann. 97 Punkte.

          Weingut S. A. Prüm, 2017 Sonnenuhr: Duft nach Freesien und gratinierter Frucht. Glasklare Mineralität, kandierte Frucht, goldgelbe Trauben. Im Mund spurtet er durch, messerscharfe Schieferzitate, intensiv, fordernd bis zum letzten Tropfen. Und ewig lang. 98 Punkte.

          Schloss Lieser, 2017 Himmelreich: gerösteter Sesam, spontane Noten, Meerrettich, Brennnessel. Sagenhafte Dynamik; Wild at Heart. Großes Rieslingerlebnis, knusprig, wie berstendes Glas. Ein radikaler Wein. 97 Punkte.

          Weingut Fritz Haag, 2017 Juffer: strahlende Rieslingfrucht. Ein Laserschwert, herziger Kiefernduft, Pfifferlinge, Eisennoten. Dreht am Gaumen auf, ist aktiv und dynamisch. Und bleibt eine halbe Ewigkeit am Gaumen. 96 Punkte.

          Weingut Julian Haart, 2017 Ohligsberg: pure Mineralität in der Nase, Radieschen, bitter-scharf, Steine und Anis. Im Mund eine Stromschnelle aus Schiefer und reifer Frucht, ein Grenzgänger: „Take a walk on the wild side.“ Ganz groß und ebenso lang. 95 Punkte.

          Rheingau

          Let's go west! Der Rüdesheimer Berg deklassiert den restlichen Rheingau. Spiel, Satz und Sieg an den steilen Schieferlagen ganz im Westen des Anbaugebiets.

          Weingut Künstler, 2017 Hölle: gut gebaut, aber nicht inspirierend. Es fehlt aromatischer Tiefgang. In der Hölle ist das Feuer erloschen. 88 Punkte.

          Weingut Robert Weil, 2017 Gräfenberg: mineralischer Duft, Kräuternoten, spürbare Reife. Im Mund reif und ruhig. Doch statt wie gewohnt karg zu sein, hat der Gräfenberg Speck auf den Rippen. Und einen süßen Kosakenzipfel im (kurzen) Finale. 89 Punkte.

          Weingut Prinz, 2017 Jungfer: straight, da sitzt alles, sehr fein und raffiniert. Hat Brillanz, eine feine Fruchtmelodie und exzellente Länge. 92 Punkte.

          Weingut Schloss Vollrads, 2017 Schlossberg: weißfleischige Pfirsiche, Frühlingsblüten. Sehr stringent, ganz eindeutige, lineare Spur im Mund. Führt gradheraus ins Ziel. Herrliche Länge. 94 Punkte.

          Weingut Prinz von Hessen, 2017 Klaus: Kommt auf leisen Sohlen im Duft. Im Mund startet er mit schöner Druckwelle und klarer Dynamik. Gibt Gas und klingt herrlich lange nach. 92 Punkte.

          Weingut Johannishof, 2017 Berg Rottland: anziehender Duft, attrakive Blütenaromen, multipel. Auslesecharakteristik im besten Sinne. Klar wie ein Bergbach, schön dynamisch. Völlig stressfreier Wein, grandios. 98 Punkte.

          Weingut August Kesseler, 2017 Schlossberg: extrem ziselierter Duft voller Schiefer. Anrührend schöner Verlauf, dabei immer in der Spur. Berührend, flirrend, fast knuspriges Säuregefühl. Saftig, raumgreifend, mineralisch. Imperiales Finale. 99 Punkte.

          Staatsweingüter Kloster Eberbach, 2017 Berg Schlossberg: eine Hommage an das große Holzfass und reife Rieslingfrucht, umrahmt von Grapefruit, Zitronen und Brillanten. Ein mineralischer Gong am Gaumen, tief und herrlich lang. 95 Punkte.

          Weingut Fendel, 2017 Berg Roseneck: ein Hauch Vanille in der Nase, exotische Noten. Kraftvoll, pfeffrig, attraktiv, ein starker Riesling, herrliche Länge und enorme Druckwelle am Gaumen. 95 Punkte.

          Nahe

          Wenige Weine machten hier von sich reden. Die meisten lagen im soliden Mittelfeld und schafften es mit Mühe in die Kategorie der Großen Gewächse.

          Weingut Dönnhoff, 2017 Dellchen: Die Duftwolke schwebt über dem Glas. Zuckerwatte ohne Süße, Mandarine und Kerbel im Duft. Druckvoll am Gaumen, spannungsreich, mineralisch und voller Brillanz mit mehrdimensionalem Geschmacksraum. Brillant. 96 Punkte.

          Weingut Kruger-Rumpf, 2017 Burgberg: rauchige Akzente, Aprikose, Apfel, Bergamotte. Stramm, straff, feine Säurespur, herzhaftes Bekenntnis zur Fruchtsäure, glasklar und klirrend am Gaumen. 91 Punkte.

          Gut Hermannsberg, 2017 Rotenberg: gut gemacht, aber schwerfällig und erdverbunden. Mehr Moll als Dur. 87 Punkte.

          Rheinhessen

          Im Jahr 2017 schwächeln die rheinhessischen Rieslingwinzer, ihre Weine sind eher breit und voluminös aufgestellt, und es gab kaum Leuchttürme.

          Weingut Gunderloch, 2017 Rothenberg: Geruch nach Gummi, knackige Säure, dicht, aber es fehlt Mehrdimensionalität. 88 Punkte.

          Weingut St. Antony, 2017 Orbel: enorm mineralisch, dicht und verwoben, kristallin. Eine schillernde Druse. Dicht und voluminös. Ein Gigant. 93 Punkte.

          Weingut Keller, 2017 Hipping: etwas Bohnerwachs, spontane Noten dominieren im Duft. Kaum Frucht, gute Säure, hat aber wenig Kraft und nicht genug Dimensionen. 88 Punkte.

          Weingut Wittmann, 2017 Brunnenhäuschen: dicht, verwobene Frucht, florale Akzente. Feine Säure und sehr gute Länge. 91 Punkte.

          Pfalz

          Auch die für den Riesling warme Pfalz konnte sich 2017 nicht optimal aufstellen. Mit wenigen Ausnahmen viele breite Weine, die Finesse vermissen lassen.

          Acham Magin, 2017 Ungeheuer: einfach nur saftig und elegant. Brillante Säure, enormes Spiel, druckvoll und lang. 92 Punkte.

          Weingut Dr. Bürklin-Wolf, 2016 Ungeheuer: reifer Duft, zu reif. Wo bleibt die Frische? Verrauchte Aromen im Finale. 87 Punkte.

          Reichsrat von Buhl, 2016 Freundstück: Holz, Holz, Holz. Zu viel Eiche auf den Schultern der Frucht. Ein Eisenbieger am Trapez. 86 Punkte.

          Geh. Rat Dr. von Bassermann-Jordan, 2017 Kalkofen: Brillante Frucht, strahlend. Viel Aprikose und weißer Pfirsich. Spitze. 92 Punkte.

          Ökonomierat Rebholz, 2017 Ganzhorn: voller Wucht, Tiefe und Strahlkraft. Dicht und verwoben, aktiv. Zitrone und Limettenschale, lebendig und strahlend über Kilometer. Grandios. 94 Punkte.

          Silvaner Franken

          Was für ein Jahr für den Silvaner! Franken trumpft mit grandiosen Weinen auf.

          Weingut Horst Sauer, 2017 Am Lumpen: reifer Birnenduft, Limettenschale. Elektrisierend scharf, hat eine herzhafte Attacke. Mineralisch, vital und stringent. Enorme Länge. 95 Punkte.

          Weingut Rainer Sauer, 2017 Am Lumpen: Duft nach Birne und Cox. Elektrisierend, nachhaltig, dicht. Enorme Kraft, großes Volumen, sehr aktiv im Mund. À point, herausragend. 93 Punkte.

          Spätburgunder Et Al.

          Weingut August Kesseler, 2016 Höllenberg: getrocknete Rosenblüten, feines Parfum, Rauch, Gesichtspuder. Zarte und doch kraftvolle Gerbstoffe. Enormes Aromenvolumen. Großer Pinot der Extraklasse. 95 Punkte.

          Bergdolt St. Lamprecht, 2016 Kalkberg: reife Früchte, Hagebutte, Rosenblüten. Adstringierend, aber zugänglich und elegant. Pfeffer und Schwarzkirsche, Lorbeer und Anis. Herrliche Säure, großes Potenzial. 94 Punkte.

          Weingut Bernhard Huber, 2016 Sommerhalde: sehr fokussiert, beschreibt die Umlaufbahnen eines idealen Pinots mit einer spektakulären Fruchtsäurespur, denen fruchtfleischigen Zitate folgen. Immer schlank, nie opulent. Ein antiautoritärer Wein, nicht durch Holz in Form gezwungen, Frucht regiert. 95 Punkte.

          Weingut Dr. Heger, 2016 Hinter Winklen, Gras im Ofen, Chardonnay: Frucht und Staub in der Nase. Im Mund dann Vanille, feine Säurespur, weich, aber nicht fett. Hager, salzig. Nur ein Hauch intramuskuläres Fett. 93 Punkte.

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