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Weintest : Ich war jung und brauchte das Glas

  • Aktualisiert am

Bild: Wonge Bergmann

180 Flaschen, 27 Tester: Welche sind die besten Weine der deutschen Winzergenossenschaften? Fabian Lange, Cornelius Lange und ein Trupp Weinbau-Studenten haben für die F.A.S. ihre Sieger in sechs Kategorien gekürt.

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          Was für eine Zahl das ist! 400.000.000 Flaschen. Das entspricht in etwa der Menge, die deutsche Winzergenossenschaften jedes Jahr erzeugen - rund ein Drittel der deutschen Weinproduktion. Aber nicht nur quantitativ, auch qualitativ ist in der Szene der Genossenschaften viel los: Längst können viele es mit den Weinen privater Erzeuger aufnehmen und bringen erstaunliche Qualitäten in die Flasche. Unter ihren Angeboten die besten herauszufiltern war die Idee zu unserem Wettbewerb.

          Doch wer soll die Sieger küren? Die üblichen Profiverkoster? Aus eigener Erfahrung wissen wir, wie schnell es passiert, am Geschmack der normalen Weingenießer vorbei zu bewerten. Also wurden Studenten mit dieser Aufgabe betraut - aber nicht irgendwelche, sondern solche, die an der Hochschule Geisenheim Weinbau oder internationale Weinwirtschaft studieren. Reichlich geballte Weinkompetenz also.

          Teilnehmen durften trockene Weine der sechs Kategorien: Riesling, Weißburgunder, Grauburgunder, Silvaner, Rosé und Spätburgunder. Das Deutsche Weininstitut in Mainz, Kooperationspartner bei unserem Wettbewerb, forderte alle rund 200 Winzergenossenschaften Deutschlands auf, Weine einzureichen; es nahmen teil: 54 Genossenschaften aus 11 Anbaugebieten. Die rund 180 eingesandten Weine stammen aus dem Jahrgang 2012 (Weißwein) und 2011 (Spätburgunder). Die Weine wurden perfekt temperiert; alle Flaschen wurden mit schwarzen Manschetten anonymisiert und sämtliche Kapseln mühsam entfernt.

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          In sechs Gruppen begegneten die 25 Juroren der Flaschenflut. In einem ersten Durchgang mussten sie ihre je zehn Favoriten pro Kategorie für das Finale herausfinden. Dabei wurden keine abstrakten Punkte vergeben und daraus das mathematische Mittel errechnet. Nein, das Knowhow der Juroren mündete in der Gruppendiskussion in einem einvernehmlichen Urteil. Auf diese Weise entscheidet am Ende nicht die zweite Stelle hinter dem Komma, sondern es werden Weine gekürt, die vor allem mehrheitsfähig sind.

          Dieser Typus Wein ist die echte Stärke der deutschen Winzergenossenschaften, denn nur im Team lassen sich Betriebe steuern, in denen oft mehr als zweihundert Mitglieder ihre Trauben abliefern. Die Juroren haben einen tiefen Einblick in Stil und Qualität der Genossenschaften gewinnen können. „Die Rieslinge waren sehr unterschiedlich“, sagt Weinbaustudent Michael Hentsch. Kommilitone Philipp von Seefried urteilt: „Was bei uns gut angekommen ist, sind Rieslinge mit kühler Frucht und gut eingebundener Säure. Unser Sieger, die Nummer 106, ist so eine Aromabombe.“ An die Rebsorte Weißburgunder hatte Simon Weiß, der Internationale Weinwirtschaft studiert, klare Erwartungen: „Ich bevorzuge den kraftvollen Stil, so wie die 329, unser erster Platz.“

          Kaum Diskussionen gab es in der Finalrunde beim Rosé: „Ein einstimmiges Votum!“, sagt Johannes Werner. Und bei den Silvanern? „Uns gefiel die Harmonie aus Frucht und ausgewogener Säure“, ordnete Geunhye Yook aus Korea das Ergebnis ihrer Gruppe ein. „Einfach easy drinking!“ In der Kategorie Spätburgunder war Jens Später vom Niveau der Finalisten verblüfft: „Es ist schön zu sehen, wenn ein Wein so klar gewinnt. Und dann noch ein so komplexer Rotwein aus dem Rheingau!“

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