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Wein-Test : Österreich, deine Besten

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Sechs Regionen, sechs Siegertypen: Neusiedlersee, Mittelburgenland, Kamptal, Südsteiermark, Weinviertel, Wachau Bild: Cornelius Lange

Der große Österreich-Weinwettbewerb: Rund 80 Weine aus sechs wichtigen Anbaugebieten unseres Nachbarn wurden von 30 angehenden Winzern blindverkostet. Wer hat sich durchgesetzt?

          6 Min.

          Die Welt des Weines ist eine Welt voller Überraschungen: Während der Jahrgang 2013 hierzulande allerhöchstens mittelprächtig geriet, war er in Österreich vor allem dank des herrlichen Herbstes rundherum großartig. Ein Grund mehr also, unter die Lupe zu nehmen, was es in den kleinen, aber feinen Weinregionen der Alpenrepublik an bemerkenswerten Weinen zu entdecken gibt. So haben wir den Österreich-Weinwettbewerb der F.A.S. ausgelobt, in Kooperation mit der Österreich Wein Marketing GmbH, dem Interessenverband der Winzer dort. Doch haben wir eine ganz besondere Jury zusammengestellt: Statt durch Kritiker oder Sommeliers wurde die finale Auswahl unter den rund 80 eingereichten Weinen durch Auszubildende an der Höheren Bundeslehranstalt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg getroffen.

          Die rund dreißig Juroren, die hier ihre Maturaprüfung ablegen und gleichzeitig eine Winzerausbildung absolvieren, waren zwischen 18 und 20 Jahre jung und perfekt vorbereitet; schließlich ist Teil ihrer Ausbildung ein intensives Verkostungsprogramm, mit dem die angehenden Winzer darauf vorbereitet werden, die unterschiedlichsten Weine zu beurteilen.

          Die komplett anonymisierten Weine wurden in zwei Runden verkostet. Was dabei an den sensiblen Nasen und Gaumen der Jurymitglieder scheiterte, wurde aussortiert. Auf diese Weise blieb am Ende der Verkostung die Crème de la Crème des Jahrgangs übrig.

          Beim Weinbau hat Österreich - obwohl es nur auf Platz 18 der Weltrangliste rangiert, knapp vor Neuseeland - ein gehöriges Wörtchen mitzureden. Der Grund mag auch darin liegen, dass Essen und Trinken, Produkte aus eigener Landwirtschaft in Österreich als identitätsstiftender Faktor stark im Selbstbild verankert sind. Und die gastronomische Kultur rund um Wirts- und Gasthäuser ist auf den Wein ausgerichtet. So wird dort wie zu Hause eine innige Beziehung zu den 16 Weinbaugebieten des Landes gepflegt. Sechs davon haben wir für unseren Wettbewerb ausgesucht und ihnen jeweils eine Leitsorte zugeordnet. Darunter finden sich vier Regionen mit der strengen Qualitätskategorie „DAC“ („Districtus Austriae Controllatus“), bei denen die Winzer besondere Qualitätsanforderungen erfüllen müssen - ähnlich wie bei AOC in Frankreich und DOC in Italien. „Reserve“ steht für eine noch höhere Qualitätsstufe und zum Teil für eine längere Fasslagerzeit.

          Region Wachau

          Das traditionell berühmteste Weinbaugebiet Österreichs war früher eine Region, die mit ihren Weißweinen einsam an der Spitze stand; heute ist sie eher ein Primus inter Pares. Der Riesling, der die Menschen neben dem Grünen Veltliner in dieser dramatischen Weinlandschaft seit jeher interessiert hat, kann auf den vielen steilen Terrassenlagen oberhalb der Donau zu großen Weinen heranwachsen - mit opulenter Kraft, reichlich aromatischer Würze und tiefschürfender Komplexität. Die Qualitätsbezeichnungen der Wachau lauten mit aufsteigender Qualität „Steinfeder“, „Federspiel“ und „Smaragd“ für die Topqualitäten.

          Kritisch sahen die Verkoster Aromen, die an Sauvignon blanc erinnerten; diese Weine wurden als Erstes aus dem Panel geworfen. Auch Weine mit überdeutlichem Holzeinfluss oder Aromen, die auf Edelfäule hinwiesen, wurden aussortiert. Der Siegerwein überzeugte durch Klarheit, Harmonie und aromatische Länge.

          Der Sieger: Weingut Sigl, 2013er Riesling Smaragd, Kirnberg. Der Duft erinnert dezent an Quitte, reife Zitrone und frisch aufgeschnittenen Apfel. Keine aufgesetzte Exotik stört hier, alles ist klar und kristallin. Der Wein pendelt zwischen reichem Extrakt und pointierter Fruchtsäure hin und her, die viel Frische und attraktive Reifenoten an den Gaumen spült. Agiert federleicht und kraftvoll zugleich, bleibt fordernd bis zum letzten Tropfen. 14,90 Euro

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