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DFB-Koch im Interview : „Weltmeistern schmecken auch Dosen-Ravioli“

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Mit welchen Gerichten können Sie sich die Sympathien sichern?

Wenn wir zwischendurch einmal Nutella-Crêpes machen, ist natürlich Party-Stimmung, da lassen manche Spieler bei Vorspeise und Hauptgang den nötigen Platz für einen zweiten oder dritten. Das ist auch okay, unsere Spieler sind sehr diszipliniert, das hätte ich in dem Alter nicht gekonnt. Und mit der ausgewogenen Ernährung, die wir bieten, kommt die Idee gar nicht auf, dass einer unter der Bettdecke eine Tüte Chips isst, wie man im „Sommermärchen“ gesehen hat.

Gar keine kleinen Sünden außerhalb Ihres Einflussbereichs? Ein süßes Betthupferl?

Bei uns gibt es ja auch immer Desserts und genügend gute und gesunde Sachen. Aber letztlich gehe ich nicht auf die Zimmer und kontrolliere das. Sollte es mal einen freien Nachmittag geben, können die Spieler auch in die Stadt radeln und zu McDonald’s gehen. Ist auch nicht verboten. Ich selbst bin schon mal mit Erlaubnis des Teammanagers nach einem Länderspiel in Deutschland zu McDonald’s und habe für die ganze Mannschaft Burger geholt. Ich kann verstehen, dass das jeder mal braucht, das geht mir ja genauso.

Müssen Sie auch schlechte Angewohnheiten abtrainieren?

Keine schlechten Angewohnheiten, eher Fehleinschätzungen von Spielern, die jung dazukommen und meinen, sie sollten unglaublich viel Fleisch oder Pasta essen. Es gab zum Beispiel Torhüter, die sich vor dem Spiel noch einen Teller Pasta hineingequält haben. Das ist in dem Fall aber zu vernachlässigen; der Torhüter muss ja keine neunzig Minuten über den Platz rennen, aber er muss in jedem Moment hellwach sein.

Wie flexibel reagieren Sie denn auf Wünsche?

In erster Linie wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Aber wenn Spieler Wünsche haben, entsteht eine Kommunikation über Ernährung. Und wenn ich die im Keim ersticken würde, wäre ich ja ein Dummkopf.

Mussten Sie auch schon mal Wünsche ausschlagen? Die spontane Lust auf Currywust mit Pommes?

Die Spieler wissen, dass es so etwas nur nach einem Turnier gibt, aber nicht im Trainingslager. Meistens muss ich Wünsche ausschlagen, weil es die Produkte an Ort und Stelle nicht gibt. Die Frage nach Eiscreme mussten wir auch einmal zeitlich hintenanstellen, aber das sind alles Ausnahmen. Die Spieler sind absolute Profis, die wissen, dass Ernährung sie leistungsfähiger macht.

Wo sind Sie selbst während des Spiels, räumlich sowie im Kopf?

Räumlich bin ich im Stadion und sitze wie die Betreuer hinter der Trainerbank auf der Tribüne. Im Kopf bin ich während der ganzen ersten Halbzeit voll beim Spiel und durch und durch Fan. In der siebzigsten Minute gehe ich dann aber in die Kabine und bereite dort schon wieder einen Shake und Pasta zu. Dafür habe ich immer einen kleinen Induktionskocher und einen Topf dabei.

Klingt hart.

Es ist einer der schlimmsten Momente, wenn ich in der siebzigsten Minute reingehe, und das Ergebnis ist noch offen. Vor allem dann, wenn es in der Kabine keinen Fernseher gibt. Es ist eine Herausforderung, da ruhig zu bleiben. Da hört man auf jeden Laut, der von der Tribüne kommt: Sind das jetzt unsere Fans oder die anderen?

Ist die direkte Nudelaufnahme nach dem Spiel denn so wichtig?

Ja, denn die Speicher sind dann geöffnet, es ist ganz entscheidend, dass die Spieler in den ersten dreißig Minuten nach dem Spiel Kohlenhydrate aufnehmen.

Ein Titelmahl durften Sie bisher noch nicht kochen, nur Essen nach tragisch verlorenen Finals und Halbfinals. Gibt es Gerichte, die sich da zum Trost eignen?

Selbstverständlich versuche ich, das Team aufzubauen, aber so eine finale Niederlage kann ich nicht wegkochen. Dem einen klopft man besser auf die Schulter, den anderen nimmt man in den Arm.

Und was dürfen Weltmeister essen?

Im Grunde genommen ist das völlig schnuppe, weil in dem Fall vermutlich sogar Dosen-Ravioli schmecken würden.

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